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Alt 27.12.2025, 18:40
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Egbert Egbert ist offline
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AW: Die Zukunft der Schachprogrammierung..

Hallo Udo,

für „Bestleistung auf hohem Niveau“ wird es in Zukunft fast ausschließlich KI-basierte Schachsoftware geben. KI-basierte Programmierung wird weiterhin die Spitzenleistungen setzen, weil:

Neuronale Netzwerke komplexe Positionsbewertungen besser lernen als klassische heuristische Evaluationen. Sie durch Self-Play ständig bessere Strategien entwickeln. Selbst klassische Engines zunehmend Hybridmodelle nutzen (NN-Eval). ABER:

Es gibt es einige Gründe, warum klassische Engines bzw. Retro-Hardware nicht komplett verschwinden werden:

- Viele Enthusiasten lieben alte Hardware (6502, 68000, Z80, etc.)

- Retro-Projekte wie die von Ruud Martin (Phoenix Chess Systems) verbinden Oldie Programme, auf Basis von Emulationen mit moderner Hardware. Schaue Dir doch einmal die Partien an, die ich gerade unter Mephisto Phoenix II im Forum veröffentliche. Mephisto Nigel Short bekommt unter dieser Hardware regelrecht Flügel. Das ist einfach genial.

- Foren wie schachcomputer.info können mit Ihrer Liebe zu den Oldies und einer enormen Fachkompetenz auch den ein oder anderen Kiebitz begeistern. Ich habe hier schon manchen ersten Vorstellungsbeitrag eines neuen Community-Mitglieds gelesen, wo genau dies zum Ausdruck gebraucht wurde. Das dies hier in unserem Forum dazu auch noch auf wirklich freundschaftlich und hilfsbereite Art und Weise geschieht, dürfte sich auch förderlich auswirken.

Meine Einschätzung nach, könnten wir in Zukunft vereinzelt noch Programmierer sehen, die Schachprogramme auf einem 65C02, oder Motorola 68000 entwickeln. Natürlich nicht mit dem Ziel, in die Spielstärke-Regionen von PC-Engines zu kommen. Das ist auch vollkommen illusorisch, man denke an Performance-Grenzen alter CPU's, kleine Registerbreiten,
langsame Taktfrequenzen, wenig RAM.

Das limitiert selbst sehr gute Algorithmen stark. Eine klassische Engine auf 6502 kann vielleicht ~1600–2000 Elo erreichen, aber kaum mehr.

Mit einer guten Compiler / Optimierung kann man per Cross-Compiler und hochoptimierten Assembler viel aus alten CPUs herausholen. Doch kein Trick kann fehlende Rechenleistung ersetzen. Aber hier könnten wieder Nostalgie-Produkte, wie die Mephisto Phoenix I & II von Ruud ins Spiel kommen und für eine massive Beschleunigung sorgen.

Nur mal so ein Gedanke, eine offizielle Micro-Schachcomputer-Weltmeisterschaft, basierend auf einem 65C02-Schachprogramm, alternativ auf einem Motorola 68000 basierenden Schachprogramm könnte vielleicht den ein oder anderen Entwickler motivieren ein Schachprogramm für solch eine CPU zu entwickeln.

Fazit: Wir leben noch Udo.

Gruß
Egbert
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