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Alt 17.02.2021, 21:44
Hartmut Hartmut ist offline
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AW: Der DGT Centaur - Die Review

 Zitat von Beeco76 Beitrag anzeigen
Hallo zusammen,

ein paar kurze Anmerkungen zu Euren gesammelten Punkten.

Zunächst vielen Dank an Gerhard für seine Tipps für "realistisch schlechte Schachengines".

@Hartmut: Es ist möglich, dass ich die "absichtlich eingestreuten Fehler" auf meiner eher schwachen Spielstärke nicht merke bzw. die Analyse anders einsetzen muss. (Es kann sogar gut sein, dass ich momentan noch "falsch analysiere" und deshalb meine Spielstärke eher stagniert.) Wenn man bedenkt, dass ich mich trotz allem bei Lichess in der oberen Hälfte des Spielstärkeverzeichnisses bewege, komme ich zu dem Schluss, dass der Centaur sich einfach nicht an Spieler Eurer Spielstärke richtet. Der Massenmarkt bewegt sich hier um Spieler mit einem wesentlich niedrigeren Spielniveau herum. Und glaub mir, selbst zu diesem Spielniveau war es ein weiter Weg: Als ich 2015 auf Lichess mit 900 Punkten begonnen hatte, war ich von der Spielstärke her in Regionen, in der "die Sonne nicht scheint". Einzügige Einsteller waren keine Seltenheit, bei der Gangart des Springers musste ich immer 2 Gedenksekunden einlegen.
Deswegen habe ich darauf hingewiesen und auch darauf, wie man es analysieren sollte und wo zumindest in der ersten Partie die eingestreuten Fehler deutlich zu erkennen waren. Die Fragezeichen bei der automatischen Textanalyse hätten Dir aber - unabhängig von meinen weiteren Ausführungen - auffallen müssen.

Was das Analysieren generell angeht... da darfst Du mich nicht als Maßstab nehmen. Ich spiele seit den 80er Jahren Fernschach, also seit einer Zeit, als das Beste was ich als "Analysehilfe" hatte ein MCHess Pro auf einem 386er war. Schachdatenbanken waren da gerade erst im Kommen und man hat tatsächlich noch Schachbücher gewälzt, sich durch den Schachinformator gequält und eine Loseblattsammlung namens "Schacharchiv" gab es da auch die bei mir mehrere Leiz-Ordner füllte. Da diese Tools bei weitem nicht so hilfreich waren wie die heutigen Engines und Chessbase lernt man da das Analysieren, denn mit 3 einfachen Klicks war es damals nicht getan.

Und was Lichess betrifft. Ich würde es nicht überbewerten. Die meisten Partien und Turniere auf Lichess sind Blitz und Schnellpartien. Sehr viele Turniere sind Bullet. Da komm ich auch nicht auf hohe Wertungszahlen. Blitz war nie meine Welt und wird es wohl nie. Hingegen gibt es viele Amateure, die es in diesen Spielarten mit sehr guten Spielern aufnehmen können. Es muss einem halt liegen. Deswegen sind die Wertungspunkte von Lichess nicht gerade etwas, was man als Vergleich ranziehen kann. Es mag einige geben, die sich im oberen Bereich aufhalten und nur mäßige Spieler sind und einige die sich im unteren Bereich tummeln, aber trotzdem z.B. in der Bezirksliga oder höher spielen. Da hab ich auf Lichess schon ziemlich alles gesehen. Man kann aus den Lichess-Punkten nur wenig Rückschlüsse auf die tatsächliche Spielstärke des Gegenübers ziehen. Insofern hinkt der Vergleich.

Fakt ist halt: Der Centaur mag taugen, für eine gelegentliche Partie wenn der Router gerade den Geist aufgegeben und man nicht auf Lichess kommt (oder wenn man einfach keinen Bock hat am Bildschirm zu sitzen). Dank der eingestreuten Fehler lernt man aber aus den Partien auch nichts, denn der Lerneffekt ergibt sich nicht aus den Fehlern die mein Gegner macht sondern aus den Fehlern die ich mache und die dann bestraft werden. Und das bietet der Centaur halt nicht (außer man will im Expertenmodus gegen den ungebremsten Stockfish spielen der uns wohl alle über den Tisch zieht). Insofern ist er halt kaum brauchbar um das eigene Spiel zu verbessern, denn der Gegner im Schachclub (selbst wenn man vielleicht nur in den unteren Kreisligen spielt) wird mit Sicherheit auf einen eigenen Fehler keinen eigenen draufsetzen. Er wird vielleicht übersehen, dass er an einer Stelle hätte gewinnen können, aber mehr auch nicht. Deswegen sehe ich den Centaur immer als lieben Papa, der dem Sohnemann nicht wehtun will und deshalb die Fehler einfach übersieht oder absichtlich selbst welche macht. Und dafür würde ich persönlich einfach kein Geld ausgeben wollen. Ist halt meine Meinung dazu.
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Geändert von Hartmut (17.02.2021 um 23:25 Uhr)
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Alt 17.02.2021, 22:14
BHGP BHGP ist offline
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AW: Der DGT Centaur - Die Review

Hartmut hat es schon wirklich gut beschrieben. Ich würde vielleicht noch ergänzen: Wenn Du gegen einen gestandenen Vereinsspieler eine Figur einstellst, dann wirst Du normalerweise keine Chance mehr bekommen. Nicht mal ein Carlsen kann das ohne direkte Kompensation aufholen...Der Centaur wird dir dagegen noch eine Chance geben, die Figur zurückgewinnen. Mir persönlich geht das zu weit. Wenn ich eine ernste Partie gewinne, dann analysiere ich anschließend selbstkritisch die Partie. Sollte mein Gegner sich selbst geschlagen haben, dann bin ich über den Punkt nicht so glücklich, wie wenn ich mit starkem Spiel meinen Gegner zu einem Fehler gezwungen habe. Wenn ich aber z. B. Blitz oder Bullet auf Lichess spiele, dann gewinne ich gerne auch mal "dreckig". Das ist eine andere Disziplin.

Dass die Emotionen beim Centaur immer so schnell hochkochen, liegt wohl auch an der Art und Weise, wie er seinerzeit auf dem Markt eingeführt wurde:

Da wurden vorab Videos auf Youtoube platziert, wo offensichtlich ein Prototyp zum Einsatz kam,
Da wurden Gerüchte geschürt, welche Extras das Seriengerät noch bekommen würde und dann doch nie bekam.
Da wurde über den adaptiven Spielstil geschwärmt, aber nicht eine Partie wurde vorab veröffentlicht.


Und nachdem das Gerät dann ohne die erhoffen Zusatzfeatures auf dem Markt kam, da war die Enttäuschung bei vielen von uns natürlich groß. Warum hatte DGT denn nicht auf die Fangemeinde gehört? Stattdessen wurde plötzlich der Purismus des DGT als Alleinstellungsmerkmal beworben. Manchen von uns ist das sauer aufgestoßen...

Geändert von BHGP (17.02.2021 um 23:31 Uhr)
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