Hallo Jürgen,
ja, der „friendly“ Level soll sich an die Spielstärke des Gegners anpassen und auf seinem Niveau spielen, also wohl auf längere Sicht 50% der Punkte geben.
Im Challenge Level soll er dann eine Herausforderung für den Gegner sein ... man soll sich mehr anstrengen müssen, aber trotzdem gewinnen können ... was damit genau gemeint ist, verrät das Handbuch leider nicht, aber ich denke, der Gegner sollte 10 bis 25 Prozent der Punkte abgreifen, damit man nicht die Motivation verliert.
Die Umsetzung solcher Stufen ist gewiss nicht trivial, denn der Centaur darf nicht gegen einen 1800er Spieler zehn Züge eines 2500er Profis spielen, um dann eine echte Graupe einzustreuen, mit der der Gegner einen Bauern oder eine Figur bekommt, um das Spiel zu gewinnen. Jeder Spieler mit mehr als 1400 Elo merkt dann recht schnell, dass da was „faul“ ist und der Computer absichtliche Fehler einstreut ... das ist dann einfach nur demotivierend.
Man muss schon sagen, dass so ein Projekt eine echte Herausforderung darstellt und es gibt nur wenige Schachcomputer, bei denen eine künstliche Herabsetzung der Spielstärke wirklich gut gelungen ist.
Es gibt verschiedene Wege, die Spielstärke zu begrenzen: Anzahl der berechneten Züge bzw. Knoten pro Spielzug zu begrenzen (The King, Wasp), die Geschwindigkeit zu reduzieren (The King, Rev II bei diversen Natives auf bis zu 1%). Diese Methoden erzeugen ein sehr „natürliches“ Verhalten des Computers, da er sein Wissen behält, aber trotzdem geschwächt wird. Allerdings haben diese Computer alle jeweils „feste Stufen“ ... der Benutzer muss selbst herausfinden, welche Stufe für ihn geeignet ist ... was aber auch den Vorteil hat, selbst Erfolge besser zu erkennen, wenn man sieht, wie man sich von Stufe zu Stufe nach oben arbeitet.
Der Centaur will sich selbstständig an den Gegner während des Spiels anpassen. Das ist so noch nicht da gewesen und ist eine weit komplexere Aufgabe: Der Computer muss im friendly Level immer die Bewertung ausgeglichen halten, aber auch dem Gegner Chancen zum Gewinn einräumen ... hört sich einfach an und wäre auch (theoretisch) einfach umzusetzen, indem die Kiste immer in der Zugliste einfach den Zug auswählt, der die Bewertung ausgeglichen hält .... das kann mal der beste Zug sein, aber auch mal der fünfte oder zehnte Zug ...
Nur, so leicht ist es dann doch nicht: Wenn ein Spieler mit einer Elo von 1500 nun leichtfertig einen Springer einstellt, dann müsste der Centaur dieses „Opfer“ ablehnen, da er im Modus „friendly“ ja die Stellung ausgeglichen halten sollte ... nimmt er den Springer, hat er plötzlich +3,5 ...
Aber er kann den Springer auch nicht einfach nach fünf oder zehn Zügen wieder „zurückgeben“ ... darüber würde sich vielleicht ein absoluter Anfänger freuen, aber ein Spieler mit ein wenig Erfahrung wäre bei so einem Verhalten eher frustriert.
Beim Modus „Challenge“ ist das sogar noch ein klein wenig schwieriger umzusetzen, da hier der Computer die Waage zwischen „Herausforderung“ und „machbar“ halten muss.
Dies dazu noch bei einer Bandbreite von über 1000 Elo. Sollte das den Machern von DGT gelungen sein, gebührt ihnen dafür absoluter Respekt, denn das ist alles, aber gewiss nicht trivial.
Deshalb wird es interessant sein, eine große Zahl an Partien gegen verschiedene Gegner zu bekommen und auszuwerten ...
Gruß,
Sascha