Hallo Wolfgang2 und Forum,
ich habe mir mal erlaubt, ein Posting aus dem Thread "Neue Turnier-Elo-Liste" herauszunehmen, die sich mit der geschätzten Spielstärke des Mephisto II befasst. Im ursprünglichen Thread wäre es wohl zu offtopic, ausschliesslich über den Mephisto II weiter zu diskutieren.

Zitat von
Wolfgang2
Mein Mephisto II / 3.5 MHz (Wiki-Elo 1332) löst die von Dir angesprochene Situation zuverlässig in 24 Sekunden (Sb8-a6) und behält dies auch bei. (Rochade-Recht wurde bei Eingabe richtig berücksichtigt).
Speziell bei Mephisto II ist es keine gute Idee, die Zeit zu begrenzen, da er betont langsam rechnet, wenn "Gefahr" droht. Das sieht man in komplizierteren Situationen (ab Zwei-Züger) daran, daß der Computer zwar "merkt", daß etwas droht, daher eine zweite Iteration der gleichen Suchtiefe rechnet (mit Spitzen-Tiefen-Selektion), es aber oft lange dauert, bis eine brauchbare Alternative gefunden ist, d.h. "Horizontzüge" verworfen werden.
Das ist ein interessanter Aspekt. Den Horizonteffekt kenne ich, die Auswirkung eines "harten" Abschneidens der Bedenkzeit dagegen war mir nicht so bewusst. Von Schachprogrammen war man es immer gewöhnt, dass sie anytime, also zu jedem beliebigen Zeitpunkt den bisher bestmöglichen Zug angeben können. Vielleicht wurde das Mephisto II zum Verhängnis, dass er die Spitzen-Tiefen-Selektion zu spät startet und die Gefahr erst nach der 30.Sekunde richtig begegnen würde.
Den Modus mit der festen Zeiteinstellung von 30 Sekunden habe ich damals deshalb gewählt, weil laut Anleitung Level 3 im Schnitt 20s und Level 4 45s benötigt und ich an der Einhaltung des Zeitmodus 30s/Zug oder 30min/Partie festhalten wollte.
Es gab wie schon erwähnt wurde in einer anderen Partie einen Patzer von Mephisto II, der aber quasi zweizügig war.
[Event "30min/Partie"]
[Date "2007.04.06"]
[Round "1"]
[White "The Chessmaster 2000"]
[Black "Mephisto II"]
[Result "1-0"]
[ECO "C07"]
[PlyCount "41"]
1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nd2 c5 4. exd5 Qxd5
5. Ngf3 cxd4 6. Bc4 Qd6 7. Qe2 Be7 8. Ne4 Qb4+ 9. c3 dxc3 10. bxc3 Qa5 11. Bb2
Nf6 12. O-O O-O 13. Rfe1 Nbd7 14. Nxf6+ Nxf6 15. Ne5 Bd7 16. Nxd7 Nxd7 17. Bxe6
$5 Nc5 18. Bd5 Rae8 19. c4 Bf6 $4 20. Qxe8 Rxe8 21. Rxe8# 1-0
Chessmaster 2000 - Mephisto IIStellung nach 19.c4 | |  | | a | b | c | d | e | f | g | h | | | | | | | | | | 8 | | 8 | | 7 | 7 | | 6 | 6 | | 5 | 5 | | 4 | 4 | | 3 | 3 | | 2 | 2 | | 1 | 1 | | | | | | | | | | | | a | b | c | d | e | f | g | h | |
|
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In der Diagrammstellung zog Schwarz 19. ... Lf6, was zum Grundlinienmatt (zumindest Turmngewinn) für Weiß führte. Ich fand das etwas seltsam, dass Mephisto II das nicht gesehen hat und probierte dieselbe Stellung mit den Level 3 und 4 aus. Ganz genau kann ich es nicht mehr sagen, aber er hatte wohl denselben Zug (Lf6) gespielt, erst bei höheren Leveln besann er sich auf einen anderen Zug.
Gut, ich will jetzt auch nicht ständig auf den Kleinen einboxen

. Mir ist das im Turnier aufgefallen, und war nicht ganz sicher, ob da eine falsche Leveleinstellung bzgl. Zufallsgenerator vorlag. Ich würde nach Abschluss meines Turnieres gerne ein Experiment machen, gegen dieselben Gegner mit derselben Farbwahl würde ich den Computer bei Level 3 und/oder 4 nochmal antreten lassen und die Ergebnisse vergleichen.

Zitat von
Wolfgang2
Mephisto II / 3.5 MHz habe ich vor vielen Jahren in ca. 150 Partien gegen Fidelity Sensory "12" getestet. (Vor allem bei ungleichen Zeitvorgaben. Wieviel Zeit braucht der Mephisto mehr, um halbwegs mithalten zu können ? Ergebnis: ca. Faktor 15).
Es gibt ja diese Faustformel, dass eine Verdopplung der Zeit zu einer Leistungssteigerung von ca. 70 ELO-Punkten bei Schachprogrammen führt. Auf den genauen publizierten Zahlenwert möchte ich mich nicht festlegen, ist natürlich auch individuell abhängig. Faktor 15 würde ungefähr einer 4-maligen Verdopplung entsprechen, da 2 hoch 4 = 16. Das umgerechnet würde das einen Leistungsunterschied von ca. 280 ELO bedeuten. Der Fidelity Sensory "12" wird hier im Forum bei ungefähr 1680 eingestuft. Das käme ja dem Wert von Mephisto II sogar relativ nahe.

Zitat von
Wolfgang2
Mephisto I (II) reagiert auf den beiden untersten Stufen mitunter sehr schlecht gegen eigentlich schwächere Geräte, die da mit einfachsten, oftmals unsinnigen, Mattdrohungen Erfolg haben.
Es mag Programme geben, die fangen erst ab einer gewissen Tiefe an, vernünftig zu spielen. Allerdings auf der anderen Seite hat auch die Faustformel "Wer im Blitzschach verliert(gewinnt), der wird es auch beim Turnierschach tun" seine Gültigkeit. Nunja, es wäre mal interessant zu erfahren, ob die oben genannte "Verdopplungsregel" für alle Programme zutrifft. Evtl. hat die Kurve auch Sprünge oder ab einer gewissen Rechentiefe wird das Programm nicht mehr besser.

Zitat von
Wolfgang2
Mein Eindruck: (Sehr) alte Geräte wurden bei Wiki mit 1300 Elo "taxiert", neuere Geräte wurden dann gegen nur neuere Kontrahenten getestet.
Das ist auch mein Anliegen, bei den "schwächeren" Geräten, egal ob neu oder alt, eine größere Datenbasis aufzubauen. Allerdings mit meinen bescheidenen Mitteln ein viel zu groß gewähltes Ziel


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Gruss
Sören