Der Polgar lieferte hier ein gutes Beispiel dafür, warum
ich vorsichtiger gegen die Lang-Programme spiele. Aber das gilt ja eigentlich allgemein. Wenn man mit einem Angriff nicht durch kommt, bleibt unter Umständen ein ganzer Sack voller schwacher Felder übrig.
24. Le4 war eine Einladung an den Gegner. Allerdings drohte MCP natürlich mit Se3! und weiß hätte dann schon mit Tg1 verteidigen müssen.
Spätestens
20. f4-f5! wäre für den Polgar in Betracht zu kommen. Aber es gibt Gründe, diesen Zug nicht zu spielen. Wenn auf f5 abgetauscht wird, bleibt weiß zunächst ein isolierter Bauer auf der e-Linie übrig. Der wird zwar stark mit e5-e6! (worauf schwarz eigentlich nur f7-f6 hat). Aber das muss man alles auch erst noch gewinnen können. Schwarz hat immerhin das starke Bauernpaar c5-d5 und die lange Diagonale b7-h1. Wenn die Situation verflacht, ist der vorgerückte weiße Bauer weg - und schwarz gewinnt dann anders im Endspiel.
Im
ersten Spiel hat der Polgar Glück gehabt. Dass ein Turm gegen zwei vor gerückte Bauern nichts machen kann, "wissen" die Computer nicht. Da müsste man schon sehr viel mehr Zeit geben, wie ich mit Genius 2 (PII/266) fest gestellt habe.
Warum er allerdings Kb4 ?? und nicht wenigstens Kd4! spielt, wo doch der Weg nach c5 genauso nah ist, ist unbegreiflich. Nach Kd4 hätte der MCP seinen Fehler wenigstens ungestraft noch korrigieren können - eben doch nicht Kc5 spielen.
Taktisch ist der (Serien-)Polgar vergleichsweise anfällig. Leider habe ich kein wirklich starkes Schröder-Programm, um da ein wenig zu schauen, was gehen könnte. Aber ich habe mal mit dem PC-Programm
Rebel Decade ein wenig gespielt. Angst habe ich keine bekommen (verloren bei 30s/Zug auch nicht). So arg unterscheidet sich meine Spielweise jetzt nicht vom MCP.
Ich bin aber echt mal gespannt, wie das ganze Turnier ausgeht. Wahrscheinlich passend zur Überschrift: "
Polgar in Schönheit gestorben"
Gruß
Wolfgang