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Alt 24.08.2016, 21:59
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Re: Aktivschachpartien Millennium ChessGenius Pro

Guten Abend Schachcomputer Freunde

so, nun ist die 20. Partie meines Aktivschach-Wettkampfs beendet. Die Partie endete mit einem Schwarz-Sieg des CGP, der in dieser Partie ein äußerst starkes Endspiel auf das Brett zauberte. Somit konnte der CGP auf 7,5:12,5 verkürzen. Hier nun die 20. Partie:

[Event "ChessGenius Pro - Aktivschach"]
[Site "?"]
[Date "2016.08.24"]
[Round "20"]
[White "Rev. II Meph. Vancouver, 68030, 66 MHz"]
[Black "ChessGenius Pro"]
[Result "0-1"]
[ECO "C60"]
[Annotator "Rapp,Egbert"]
[PlyCount "181"]
[EventType "rapid"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nge7 5. O-O {Ende Buch} g6 6. d4 exd4 {
Ende Buch} 7. Nxd4 Bg7 8. c3 O-O 9. Bg5 Nxd4 10. cxd4 d5 11. e5 h6 12. Bf4 c6
13. Nc3 Qb6 14. Bb3 Nf5 {Die vorausgegangenen Partien haben gezeigt, dass der
CGP ein sehr zäher Gegner sein kann, wenn "er" mit der aus dem Buch
entstandenen Eröffnungsstellung etwas anfangen kann und nicht schon hier mit
Nachteilen zu kämpfen hat. Mal schauen wie es in dieser Partie weiter geht.}
15. Ne2 a5 16. Rb1 Re8 17. Qd2 f6 18. exf6 Bxf6 19. Bc2 g5 20. Be3 Qb4 21. Qc3
Kg7 22. Bxf5 {? Ein schwacher Zug des Turbo Vancouver, nach z.B. 22. Dc3-d3
ist die Stellung im Gleichgewicht. Nach dem Textzug steht Schwarz besser!} Bxf5
23. Rbc1 Re7 24. Ng3 Bg6 25. a3 Qb6 26. Qd2 Kh7 27. Rc5 Qb3 28. Rc3 Qa4 29. Ne2
Bh8 {? was war denn dass für ein Zug? Nach 29. ...Ta8-e8 hätte der CGP
seinen Stellungsvorteil behaupten können.} 30. f4 gxf4 31. Rxf4 Rae8 32. Ng3
c5 33. dxc5 {? nicht gut, 33. Le3-f2 in die Stellung ist in etwas im
Gleichgewicht.} Bxc3 34. Rxa4 Bxd2 35. Bxd2 Rc8 36. Rxa5 Bd3 37. Nh5 Rf7 38.
Nf4 Bc4 39. b4 d4 40. a4 Re8 41. Ra7 Kg7 42. a5 {? wiederum nicht gut genug,
besser ist hier 42. g2-g3 oder g2-g4.} Re4 43. Nh5+ {? Der Turbo Vancouver hat
den Faden verloren.} Kg6 44. Ng3 Re8 45. h4 h5 {Nun spielt der CGP ein
wirklich brutal gutes Endspiel, dass ich "ihm" so nicht zugetraut hätte.} 46.
c6 bxc6 47. Rxf7 Bxf7 48. Kf2 Bc4 49. Bg5 Rf8+ 50. Ke1 Rb8 51. Bd2 Re8+ 52. Kf2
Re6 53. Bg5 Ba6 54. Kf3 Re1 55. Bf4 Rb1 56. Bd6 d3 57. Ne4 Rb2 58. Bf4 Rxb4 59.
Bd2 Rb5 60. g4 hxg4+ 61. Kxg4 Rd5 62. Kf3 c5 63. Bc3 c4 64. Kf4 Rh5 65. Kg3 Rb5
66. Kg4 Bc8+ 67. Kf4 Rb1 68. Ke5 Rh1 69. Nd2 Rxh4 70. Kd6 Kf5 71. Kc6 Be6 72.
a6 Rh7 73. Kb5 Rc7 74. Kb6 Rc8 75. Kb7 Kf4 76. a7 Rg8 77. Kb6 Ke3 78. Bb4 {
? 78. Sd2-b1 hätte noch mehr Widerstand geleistet.} Ra8 {? warum nicht gleich
78. Ke3-e2? Will der CGP den Turbo Vancouver langsam und qualvoll umbringen?}
79. Ba5 {? wiederum hätte Sd2-b1 mehr Widerstand geleistet.} Bd5 80. Bc3 Rc8
81. Nb1 Ke2 82. Bb4 Ba8 83. Bc3 Kd1 84. Na3 d2 85. Nb1 Kc2 86. Bxd2 Kxb1 87.
Bc3 Kc2 88. Be5 c3 89. Bd4 Kd3 90. Be5 Kc4 91. Bf4 {und der Rev. II Mephisto
Vancouver gib t die Partie. Ein beeindruckendes Endspiel des CGP.} 0-1




Markus hat ja bereits ein sehr profundes Statement zum CGP in einem "Nachbar-Thread" abgegeben. siehe hier:

https://www.schachcomputer.info/foru...?t=5234&page=3

Ergänzend hierzu noch einige Einschätzungen von meiner Seite, welche allerdings bislang nur auf den 20 gespielten Aktivschach-Partien gegen den Revelation II Mephisto Vancouver beruhen.

Das Spiel des CGP wirkt oftmals sehr statisch und ein wenig "uninspiriert". Dies lässt sich leicht durch fehlendes Schachwissen und "verloren gegangene Such- Algorithmen" gegenüber den letzten Lang-Programmen erklären.

Im Gegensatz zu Hans bin ich der Meinung, dass das Hiarcs-Buch nicht sonderlich gut geeignet ist für das Spiel des CGP. Nicht selten werden Gambit Eröffnungen gespielt, die den CGP in Stellungen entlassen, welche das Programm gegen starke Gegner vor kaum lösbare Probleme stellt. Auch die mangelnde Königssicherheit ist auffällig, hier hat Richard Lang im Laufe der Jahre doch wirklich erheblich verbessern können. Außerdem wird oft unnötig auf die eigene Rochade verzichtet, das war mit allerdings schon beim Vorgänger "ChessGenius" aufgefgallen.

Eine mögliche Ursache für die zeitweisen "Aussetzer" des CGP dürften meiner Ansicht nach Hashtables - Kollisionen sein, denn für den starken Prozessor sind die 160 KB eindeutig erheblich zu knapp bemessen.

Das Endspiel hingegen ist trotz manch fehlendem Schachwissen (Sascha hatte hierzu eine schöne Stellung gepostet) sehr stark und auf Augenhöhe mit dem Revelation II Vancouver!

Trotz all dieser spielerischen Mängel, hat Millenium ein Gerät hergestellt dass sich langsam an die Spitzengruppe unserer Schachcomputer-Oldies herantastet, auch wenn mir persönlich der Spielstil des "alten Lang-Programms" nicht sonderlich gefällt, mir fehlt hier einfach der Esprit eines Vancouvers oder Glasgows (auch wenn letzterer natürlich in einer anderen Liga spielt). Dies ist aber wie gesagt nur meine ganz persönliche Meinung.

Ein großes Lob muss ich hingegen dem Hersteller Millenium machen, denn es wurden einige Schwachpunkte des Vorgängers "ChessGenius" ausgemerzt, z.B. ECO-Modus, leichtgängigeres Brett, Filz an den Figuren. Hier hatte Millenium das Ohr am Kunden. Gelingt dies beim potentiellen Nachfolger des CGP auch hinsichtlich der Schachengine und weiterer Faktoren wie Bedienungskomfort, Brett, etc.? Ein weiterer Aufguss der Android-Lang Engine, in welchem Kleide auch immer ist wohl für die meisten hier keine Option. Ich traue hier Millenium wesentlich mehr zu, einen weiteren Schritt in die richtige Richtung zu tun.

Gruß
Egbert
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