
Zitat von
Chesswalker
Schach macht mir persönlich weniger Spass, wenn ich nur noch positionell aufpasse und schon froh bin, wenn ich gegen eine starke Maschine remis halten kann. Dieser "Erfolg" ist zweifelhaft. Es nimmt aufgrund positioneller Faktoren (Zwänge) das wunderbare und spanndende und verwickelte Schach Schaden.
Die Frage ist doch ob man vielleicht gar nur Remis halten will, weil man möglichst jedem Risko aus dem Wege geht und eigentlich im Hinterkopf hat,das Schachspiel zu vereinfachen ,um dann eine Maus (Remis) zu gebären? Mir macht so etwas keinen Spass.
David Levy spielte auch anders gegen Maschinen als gegen Menschen - auch diskussionswürdig

. Dann spielt der Mensch in der Endkonsequenz nicht den Zug, den er für vernünftigsten hält ,sondern einen Zug , wo er hofft eine Schwäche der Maschine zu treffen. Und das soll das bezaubernde Schachpiel sein
mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten?
Das ist ja alles schön und gut, nur: Es gab vor Jahrzehnten (Werbe-)Veranstaltungen der Art "Mensch gegen Computer". Und hier galt das gleiche, wie für die meisten Sportarten: Das Ergebnis zählt. Jedenfalls dann, wenn man (wie ich) ein wenig nach dem Preisgeld schielte - und auch erhielt.
Und wenn ich es mit einem prinzipiell in der Rechentiefe überlegenen Computer zu tun hatte, kamen nur drei Möglichkeiten in Betracht:
1.) Der Versuch einer "raffinierten" Eröffnung
2.) Eine ruhige Partie, mit der Absicht ein ausgeglichenes Turm- oder reines Bauernendspiel irgend wie zu gewinnen.
3) Ein geschlossenes Spiel, mit komplett verzahnter Bauernstruktur und dem Spiel auf Remis.
Möglichkeit (1) hat das Risiko, wenn's nicht klappt, hat man unter Umständen ein Problem. Ich erinnere mich an einen eigen Versuch gegen eine Mephisto Lyon 68030 - Turniermaschine, der komplett daneben ging.
Es gab auch unter Großmeistern immer welche, die eher "farblos" gespielt haben. Ich weiß noch, Garry Kasparov hatte einen anderen Stil als Anatoly Karpov. Dennoch waren für mich die Karpov-Partien die lehrreicheren. Es kann aber auch damit zusammen hängen, dass ab 1978, als ich erstmals Schachbücher las, Kasparov noch nicht in Erscheinung trat.
All diese Überlegungen ändern aber nichts daran, dass es gewisse Endspielschwächen gibt, die man ausnutzen kann. Nach meiner Erfahrung gilt das aber für das Schach gegen Menschen ein Stück weit auch. Mir sind schon häufiger Schachspieler begegnet, die die Schlussphase einer Partie überhaupt nicht mögen - und darin dann auch nicht so gut sind.