Hallo Christian und Nick,
als ich gestern mehr zufällig zu Eurer Partie hinzustieß, war 23.Ta4 noch nicht geschehen. Ich erinnere mich sehr genau, ausgerufen zu haben: "Was will der Turm denn da?!?" - so gut das hochgezüchtete GK2100 Programm auch spielen mag, so bleibt es unverkennbar ein Zögling Morsch's. Derartige Züge machen vielleicht blutigste Schachanfänger...
Aus meiner Sicht war die Partie vor 23.Ta4 noch ausgeglichen. Eine mögliche Fortsetzung, die ich persönlich gewählt hätte ist 23.Sd1 Txc2 24.exf5 gxf5 25.Txd7 - interessant, weil von der Materialverteilung gänzlich verschieden und dennoch (zumindest auf die Schnelle betrachtet) gleichwertig erscheint mir 23.exf5 Txc3 24.Txd7 Sc5 25.Txa7. Laut PC - ihn habe ich jetzt mal kurz hinzugezogen - geht auch 23.Sa4 Txc2 24.exf5 gxf5 25.Txd7, was mir aber stylistisch nicht so gut gefällt. Auch die Variante 23.Txd7 Tf7 24.Txf7 Kxf7 25.Sd1 Txc2 26.exf5 exf5 scheint der PC für ausgeglichen anzusehen. Es gab also viele spielbare Forsetzungsmöglichkeiten. Ich nehme an, Cosmos rechnete mit dem sofortigen 23...Txc3, was in der Tat vorteilhaft für den Anziehenden wäre. Doch dieser Zug ist sowas von fragwürdig...
Die Bewertung seitens des PC nach 23.Ta4 fällt m.E. zu freundlich aus (nahezu ausgeglichen!?!), da sich erhebliche positionelle Nachteile für den Anziehenden ergeben, die sich später als spielentscheidend erweisen dürften. Dies heißt wohl, dass auch der PC die Folgen dieses Zuges nicht richtig einschätzt! Ein paar Ungenauigkeiten noch und aus ist es für Cosmos: 28.Td2 war wohl nicht so besonders - hier scheint 28.Lf1 Txc2 29.Lxb5 besser und das anschließende 29.Tb1 lässt das Ganze sogar zu einem Doppelfehler werden. Frans hat also gut daran getan, kein Tennisprogramm zu schreiben...
Das 32.Tc3 positionell besser ist als das gespielte 32.c3, macht schon fast nichts mehr aus. Die Vorteile auf Seiten des Nachziehenden überwiegen bereits. Schön gespielt war seitens der V9 dann insbesondere 39...Txb3 und nicht etwa 39...b4 40.Txa3 bxa3, was zu nichts führt. Die Partie ist an dieser Stelle wohl endgültig entschieden. Aber Cosmos scheint das noch zu unsicher und er macht einen "morschtypischen" Endspielfehler mittels 46.Le2??. Die V9 nimmt den Tausch dankend an und unsereins ist vielleicht ganz froh, keinen mehr sehr langzügigen Sterbeweg des Cosmos begleiten zu müssen. Der rasch herbeieilende sK erreicht den Bd4 bequem vor dem wK und nun entscheidet die Zugzwangsituation. Angesichts des in absehbarer Zugzahl drohenden Matts, war die Aufgabe in Zug 51 leicht gerechtfertigt.
Tja, 23.Ta4 - ein Zug mit gewaltigen Folgen! Ich würde gerne wissen, welche Programme diesen Zug vermeiden und welche ihn ebenfalls spielen. Meine Vermutung geht dahin, dass die Morschis ihn allesamt bevorzugen - innerhalb 30 Sekunden. Vielleicht testet das mal jemand mit dem Atlanta? Allerdings werden sicher auch Programme anderer Autoren Ta4 in Erwägung ziehen. Ich kann irgendwie nicht glauben, dass nur die Morschis hier fehlgreifen.
Man darf dem Cosmos allerdings auch keinen Vorwurf aus seiner Zugwahl machen. Das Ta4 ihn ins Hintertreffen stellt, kann er aufgrund seines ihm möglichen Horizonts garnicht erkennen. Er hat weder das nötige Wissen, noch die nötige Rechenleistung - trotz seiner 24 MHz. Hier tut sich sogar ein PC noch sehr schwer. Interessant aber, dass wir "Kohlenstoffeinheiten" sowas quasi in "Nullzeit" erkennen, ebenso wie den fatalen Läufertausch in Zug 46. Letzterer ist für den PC freilich kein Problem.
Gruß, Willi <--- der das GK2100 Programm weiterhin mag!
