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Alt 07.03.2026, 12:37
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Boris Boris ist offline
Schachcomputer Koryphäe
 
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AW: 3‑Gruppen‑Aktivturnier – Fidelity vs. Mephisto vs. Novag/Saitek

Round "11. 32"
*cxd4 Dd3

[Event "fimenosa"] [Site "W"] [Date "2026.03.06"] [Round "11. 32"] [White "Novag Zircon II"] [Black "Fidelity Designer 2000 9.2 MHz"] [Result "1/2-1/2"] 1. c4 c5 2. Nc3 Nc6 3. g3 g6 4. Bg2 Bg7 5. Nf3 Nf6 6. O-O O-O 7. d4 cxd4 8. Nxd4 Nxd4 9. Qxd4 d6 10. Qd3 Qb6 11. Qe3 Qc7 12. b3 Ng4 13. Qd2 Bh6 14. Qd1 Bg7 15. Bb2 Be6 16. Nb5 Qb6 17. Bxg7 Kxg7 18. Qd4+ Qxd4 19. Nxd4 Bc8 20. h3 Nf6 21. a3 Rb8 22. Nb5 a6 23. Nc3 Be6 24. Rfd1 b5 25. Nd5 bxc4 26. bxc4 Rb2 27. Nxe7 Bxc4 28. e3 Re8 29. Nc6 d5 30. Rab1 Rxb1 31. Rxb1 Ne4 32. Rb7 Nc5 33. Ra7 Kf6 34. Nb4 Re5 35. f4 Re7 36. Rxe7 Kxe7 37. Nxd5+ Ke6 38. Nc3 f5 39. e4 fxe4 40. Nxe4 Nxe4 41. Bxe4 Bd5 42. Bd3 a5 43. Kf2 Kf6 44. g4 Be6 45. Be4 Bd7 46. Kf3 Be6 47. Ke3 h6 48. Kd3 a4 49. Bc6 Bb3 50. Ke4 Bc2+ 51. Kd5 h5 52. gxh5 gxh5 53. Bd7 Bf5 54. Bxa4 h4 55. Kd4 Bxh3 56. Bc6 Bc8 57. a4 h3 58. Be4 Bf5 59. Bb7 Be6 60. Be4 Bf5 61. Bf3 Bc8 62. Ke3 Kf5 63. Bd5 h2 64. Be4+ Kg4 65. a5 Kg3 66. Bh1 Kg4 67. Kf2 Kxf4 68. Kg2 Ke4 69. Kxh2+ Kd4 70. Bg2 Kc4 71. Bh3 Kb5 72. Bxc8 Kxa5 1/2-1/2


1. Eröffnung: Symmetrische Englische Struktur (Züge 1–10)
c4 c5 2. Nc3 Nc6 3. g3 g6 4. Bg2 Bg7 5. Nf3 Nf6 6. O-O O-O 7. d4 cxd4 8. Nxd4 Nxd4 9. Qxd4 d6 10. Qd3

Solide Theorie: Beide Seiten entwickeln sich logisch, fianchettieren und landen in einer symmetrischen Englischen Struktur.

9.Qxd4: Weiß nimmt mit der Dame zurück, was völlig spielbar ist.

10.Qd3: Die Dame steht hier nicht schlecht, aber Weiß verliert bereits etwas Flexibilität. Alternativen wären z.B. Qd2 oder Qh4 mit latentem Druck auf e7/g6.

Schwarz steht nach 10…Qb6 leicht angenehmer, weil er den weißen Damenmanövern kleine Temponachteile entlockt.

2. Mittelspielbeginn: Leichte Ungenauigkeiten, aber noch im Gleichgewicht (Züge 11–20)
Qe3 Qc7 12. b3 Ng4 13. Qd2 Bh6 14. Qd1 Bg7 15. Bb2 Be6

Damenmanöver: Qd3–Qe3–Qd2–Qd1 ist klar ein Zeitverlust. Das ist sehr typisch für viele Schachcomputer dieser Generation: sie „korrigieren“ ihre Dame mehrfach.

Schwarz reagiert vernünftig, entwickelt sich weiter und stellt die Läufer gut auf.

Nb5 Qb6 17. Bxg7 Kxg7 18. Qd4+ Qxd4 19. Nxd4 Bc8 20. h3 Nf6

Damentausch: Nach 18.Qd4+ Qxd4 19.Nxd4 entsteht ein relativ ausgeglichenes Mittelspiel ohne Damen.

Weiß hat etwas Raum, Schwarz dafür eine sehr solide Bauernstruktur.

Objektiv: =, vielleicht minimal angenehmer für Schwarz, weil Weiß schon einige Tempi investiert hat.

3. Übergang ins dynamische Mittelspiel (Züge 21–27)
a3 Rb8 22. Nb5 a6 23. Nc3 Be6 24. Rfd1 b5 25. Nd5 bxc4 26. bxc4 Rb2

22.Nb5–23.Nc3: Wieder ein typischer Computertanz – der Springer geht nach b5 und gleich wieder zurück. Das kostet Zeit, ohne wirklich etwas zu erreichen.

Schwarz spielt sehr thematisch: …Rb8, …b5, …bxc4, …Rb2 – Aktivität auf der b-Linie, Druck gegen die zweite Reihe.

Nxe7 Bxc4

27.Nxe7: Weiß gewinnt hier einen Bauern – das ist der erste klare materielle Vorteil für den Zircon II.

Schwarz erhält dafür aber aktives Figurenspiel und offene Linien. Das ist wichtig: der Mehrbauer ist nicht „sauber“, sondern mit Gegenspiel verbunden.

Stellung nach 27…Bxc4:
Weiß: +1 Bauer, aber etwas unkoordininiert.
Schwarz: aktive Figuren, Druck auf c4/c2, gute Chancen auf Ausgleich.

4. Kritische Phase: Aktivität vs. Mehrbauer (Züge 28–37)
e3 Re8 29. Nc6 d5 30. Rab1 Rb1 31. Rxb1 Ne4

28.e3: Solide, Weiß stabilisiert das Zentrum.

29.Nc6: Springer zentral, aber Schwarz nutzt sofort die Gelegenheit mit …d5.

Nach 31…Ne4 hat Schwarz eine sehr aktive Stellung: Springer zentral, Türme aktiv, Druck auf c4 und d5.

Rb7 Nc5 33. Ra7 Kf6 34. Nb4 Re5 35. f4 Re7 36. Rxe7 Kxe7 37. Nxd5+ Ke6

Weiß konsolidiert sich langsam, tauscht Material und nimmt auf d5 einen Bauern zurück.

Nach 37.Nxd5+ Ke6 ist die Stellung ungefähr ausgeglichen:

Material: wieder gleich

Beide Seiten haben leichte strukturelle Schwächen, aber nichts Dramatisches

Die Könige werden aktiv, das Endspiel beginnt.

5. Endspiel: Aktivität, aber keine echten Gewinnchancen (Züge 38–57)
Nc3 f5 39. e4 fxe4 40. Nxe4 Nxe4 41. Bxe4 Bd5 42. Bd3 a5

Schwarz spielt sehr logisch: …f5, …fxe4, Figurenabtausch, dann …Bd5 und …a5 – Raumgewinn am Damenflügel.

Weiß hat das Läuferpaar, aber die Stellung ist sehr symmetrisch.

Kf2 Kf6 44. g4 Be6 45. Be4 Bd7 46. Kf3 Be6 47. Ke3 h6 48. Kd3 a4 49. Bc6 Bb3

Beide Könige sind aktiv, die Figuren gut koordiniert.

Schwarz stellt den Läufer auf b3 sehr schön hin – er stützt den a4-Bauern und kontrolliert wichtige Felder.

Ke4 Bc2+ 51. Kd5 h5 52. gxh5 gxh5 53. Bd7 Bf5 54. Bxa4 h4

Weiß nimmt auf a4 einen Bauern, aber Schwarz bekommt dafür einen gefährlichen Freibauern auf h4.

Das ist ein typischer Computerkompromiss: Material vs. Gegenspiel.

6. Schlussphase: Remisabwicklung (Züge 55–72)
Kd4 Bxh3 56. Bc6 Bc8 57. a4 h3 58. Be4 Bf5 59. Bb7 Be6 60. Be4 Bf5 61. Bf3 Bc8

Hier sieht man sehr schön die „Schleifenlogik“ der Geräte:

Schwarz hält die Stellung mit Läuferzügen (Be6–Bf5–Bc8) zusammen.

Weiß findet keinen klaren Plan, den Mehrbauern (bzw. seine Aktivität) in einen Gewinn umzusetzen.

Ke3 Kf5 63. Bd5 h2 64. Be4+ Kg4 65. a5 Kg3 66. Bh1 Kg4 67. Kf2 Kxf4 68. Kg2 Ke4 69. Kxh2+ Kd4 70. Bg2 Kc4 71. Bh3 Kb5 72. Bxc8 Kxa5 ½–½

Am Ende wird alles abgetauscht, der a-Bauer fällt, und die Stellung ist klar remis.

Beide Seiten haben zwar noch Bauern, aber die König- und Läuferaktivität reicht nicht, um etwas zu erzwingen.

Fazit zur Partie
Eröffnung: sauber, aber Weiß verliert einige Tempi mit der Dame und den Springern.

Mittelspiel: Weiß gewinnt einen Bauern (27.Nxe7), aber Schwarz kompensiert das durch Aktivität und gutes Figurenspiel.

Endspiel: sehr typisch für diese Geräte:

Der Fidelity Designer 2000 @ 9,2 MHz zeigt seine Stärke in der Verteidigung und im Endspiel.

Der Novag Zircon II spielt solide, aber ohne klaren Gewinnplan, als er materiell im Vorteil ist.

Objektiv: Das Remis ist vollkommen gerecht. Weiß hatte nie einen klaren, forcierten Gewinnweg, Schwarz stand nie wirklich auf Verlust.

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Tibono (07.03.2026)