
Zitat von
Hartmut
Vermutlich hast Du da recht, aber auch die Boardengine bewertet g3 als schlecht. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass die (ohnehin verlorene) Stellung durch die Schachgebote einfach nach hinten geschoben wird und dadurch die Bewertung wieder steigt.
Hallo Hartmut
Wo ich nicht richtig liege ist, dass 56...g3 der schnellste Gewinnweg sei. Aber als Binsenwahrheit im Schach gilt, dass man aus praktischen Gründen stets den Übergang zu einem theoretisch gewonnenen Endspiel wählen sollte. Schon viele Partien sind "vermorkst" worden, weil man diesen Leitsatz nicht beherzigt hat. Und das auch auf GM-Ebene. Ein gutes Beispiel haben Artur Jussupow und Mark Dworezki in ihrem Buch "Effektives Endspieltraining" gebracht. Ich zitiere wie folgt:
[Event "Interzonal-09a"]
[Site "Leningrad"]
[Date "1973.06.07"]
[Round "4"]
[White "Larsen, Bent"]
[Black "Torre, Eugenio"]
[Result "1/2-1/2"]
[Annotator "Jussupow/Dworezki"]
[ECO "A27"]
[SetUp "1"]
[FEN "4k3/7R/8/2P2P2/6K1/8/8/2r5 w - - 0 78"]
[PlyCount "38"]
[EventDate "1973.06.02"]
[EventType "tourn"]
[EventRounds "17"]
[EventCountry "URS"]
[EventCategory "12"]
[SourceTitle "IZT"]
[Source "ChessBase"]
[SourceDate "1999.07.01"]
[SourceVersion "1"]
[SourceVersionDate "1999.07.01"]
[SourceQuality "1"]
{[#]} 78. Rc7 $6 {Larsen möchte beide Bauern behalten, was selbstverständlich den Gewinn nicht verschenkt. Warum verdient diese Entscheidung dennoch Kritik? Nun, weil nach 78.Kg5! das Spiel zu Ende wäre und die Larsen gut bekannte Theorie begann. Ein Fehler wäre dann schon unmöglich. Bei dem von ihm gewählten Zug geht das Spiel jedoch in einer unbekannten Stellung weiter, wobei Versehen nicht auszuschliessen sind.} ({Der einfachste Gewinnweg besteht darin, den Bauern c5 zu opfern. Nach} 78. Kg5 $1 Rxc5 79. Kg6 {nebst 80.Th8+ entsteht ein elementares theoretisches Endspiel, das für den Nachziehenden völlig hoffnungslos ist, da sich dessen König auf der "langen" Seite befindet. ***kutzi*** Ich gebe ich noch einen Gewinnweg an.} Rc1 80. Rh8+ Kd7 81. f6 Rg1+ 82. Kf7 Ra1 83. Kg7 Rg1+ 84. Kf8 Ke6 85. f7 Ra1 86. Rh6+ Ke5 87. Kg7 Ra7 88. Kg8 {und gewinnt}) 78... Kd8 79. Rc6 Kd7 80. Rd6+ Ke7 {[#]} 81. f6+ $2 {Das ist der entscheidende Fehler, der zum Remis führt. Erforderlich war entweder} (81. Re6+ Kf7 82. c6 $18) ({oder} 81. Rd5 Rg1+ 82. Kf3 Rf1+ 83. Ke2 Ra1 84. Kd3 Ra4 85. c6 $18) 81... Kf7 82. c6 Kg6 $1 {erzwungen} 83. Kf3 Re1 $1 {Das ist des Pudels Kern, der König bleibt von seinen Bauern abgeschnitten.} 84. Kf4 Re2 85. Rd5 Rc2 86. Rd6 Re2 87. f7+ Kxf7 88. Kf5 {Dass Larsen nicht schon hier mit dem Remis einverstanden war, muss auf seinen Frust über die weggeworfene Gewinnpartie zurückzuführen sein (kutzi).} Ke7 89. Rd7+ Ke8 90. Kf6 Re1 91. Rd5 Rc1 92. Rd6 Rf1+ 93. Ke6 Re1+ 94. Kd5 Rd1+ 95. Kc5 Rxd6 96. Kxd6 Kd8 1/2-1/2