Liebe Schachfreunde
Match Nr. 69 ist zu Ende. Der Sieger heisst Saitek D+ mit 11,5-8,5 Punkten.
Wie üblich hier noch die letzte Partie. Dann ein kurzes Fazit dieses Matches
mit einem Vergleich zwischen D++ und D+ sowie zum Download die PGN
aller 20 kommentierten Partie.
Freundliche Grüsse
Kurt
[Event "Match Nr. 69"]
[Site "Zürich"]
[Date "2021.??.??"]
[Round "20"]
[White "Saitek D+ EGR 10 MHz"]
[Black "Novag Obsidian"]
[Result "0-1"]
[ECO "C84"]
[WhiteElo "2022"]
[BlackElo "2004"]
[Annotator "KUT"]
[PlyCount "201"]
[EventDate "2021.??.??"]
1. e4 e5 {Match 120'/40 | Bediener: Rolf Bühler | 20. Partie: Schwarz (Novag
Obsidian) gewinnt | ENDSTAND: 11,5-8,5 (57,5%) für Saitek D+ | Vergleich mit
Saitek D++: 8,5-7,5 (62,5%) für Saitek D++ | Wie im kürzlichen WM-Match
zwischen Magnus Carlsen und Ian Nepomniachtchi wählt Weiss in der Spanischen
Partie die Anti-Marshall-Variante mit 8.a4. Aber schon frühzeitig greift der
Saitek D++ mit 12.d4? fehl und hätte eine Figur gegen einen Bauern verlieren
sollen. Doch zeigt sich der Novag Obsidian taktisch schwach, ist er doch nicht
in der Lage, den Figurengewinn zu erkennen. In ausgeglichener Stellung begeht
das Programm von Julio Kaplan aber später noch einen weiteren schweren Fehler
(21.Lg5?), aber auch hier gibt sich der Novag Obsidian mit einer harmlosen
Erwiderung zufrieden. Hernach bleibt die Partie anfänglich ruhig und
ausgeglichen, bis Weiss (Saitek D+) mit einem Läuferopfer auf h6 eine
Abwicklung wählt, der ihm einen Minusbauern beschert. Damit ist die Partie
aber noch nicht verloren, was sich aber ändert, als Weiss im falschen Moment
die Damen tauscht und in ein trostloses Läuferendspiel abwickelt. Den Rest
dieses lehrreichen Endspiels muss man geniessen. Der Novag Obsidian kann einen
Freibauern in die Dame umwandeln. Das kostet Weiss den Läufer und macht die
Sache sonnenklar. Ein falscher Königszug von Schwarz erlaubt dem Saitek D+
indessen, eine Barriere gegen das Eindringen des gegnerischen Königs und eine
Remisstellung aufzubauen. Nach längeren und vergeblichen Versuchen, diese
einfach zu verteidigende Barriere zu durchbrechen, begibt sich der weisse
König unerwartet und plötzlich aus der wichtigen Remiszone, indem er an den
Damenflügel eilt. Dankbar nimmt der Novag Obsidian das Geschenk an, holt den
b2-Bauern ab, was den Gegner nach wenigen Zügen zur Partieaufgabe zwingt.} 2.
Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. d3 b5 6. Bb3 Be7 7. O-O O-O 8. a4 Bb7 9. axb5
axb5 10. Rxa8 Qxa8 11. Nc3 Qa6 {[#]} 12. d4 $2 {Damit bringt sich Weiss in
Teufels Küche.} exd4 (12... Nxd4 {gewinnt einen Bauern} 13. Nxd4 (13. Nxe5
Nxb3 14. cxb3 b4 15. Nd5 Nxd5 16. exd5 Qb5 17. Re1 Bxd5 $17) 13... exd4 14. Nd5
{erzwungen} Nxd5 15. exd5 Bf6 16. Bf4 d6 17. Re1 Qa8 18. Qf3 Re8 $17) 13. Nxd4
Nxd4 14. Qxd4 {Diese Figur muss natürlich geschlagen werden, aber nun kann
der weisse Lb3 erobert werden.} c5 15. Qe5 Bd6 16. Qg5 Nxe4 $2 {Schwach in dem
Sinne, dass Schwarz hätte Material erobern und gewinnen können. Mein
weiterer erster Kommentar: "Hier sind trotz erzwungener Schlagfolgen nur
gerade 5 Halbzüge zu viel für den Novag Obsidian, was schwer verständlich
ist." verdient eine Korrektur, wie mich Schachfreund Hans-Jürgen (CC 7) im
Schachcomputer.info aufmerksam gemacht hat. Durch einen Zwischenzug wird die
ganze Variante bedeutend komplizierter, so dass viel mehr Rechentiefe -
jedenfalls weit mehr als die beiden Recken zur Verfügung haben - benötigt
wird, um den durchaus vorhandenen Gewinn zu erkennen.} (16... c4 17. Qxb5 cxb3
18. Qxa6 Bxa6 $19 {nach 5 HZ schwarze Gewinnstellung}) (16... h6 {Ein
sinnvoller Zwischenzug, der dem König ein Luftloch öffnet.} 17. Qf5 c4 18.
Qxb5 cxb3 19. Qxa6 Bxa6 $19 {nach 7 HZ schwarze Gewinnstellung}) 17. Nxe4 Bxe4
18. Qg4 Qc6 {Jetzt hat Schwarz nur einen Bauern mehr und nichts ist schon klar.
} 19. Re1 Bg6 (19... Re8 20. c4 bxc4 21. Bxc4 Bc7 22. Qe2 Be5 $17) 20. c3 Ra8
21. Bg5 $2 {Ein harmloser aussehender, aber schlechter Zug. Notwendig war 21.
Ld1, um den Läufer nach f3 zu führen.} Kh8 $2 {Schwarz revanchiert sich und
verpasst es, deutlichen Vorteil zu erlangen. Einmal mehr lässt die mangelnde
Rechentiefe grüssen.} (21... c4 $1 22. Bd1 Ra1 {bringt Weiss in eine
kritische Lage} 23. Bd2 Qd5 24. Be2 Bf5 25. Qf3 Qxf3 26. Bxf3 Rxe1+ 27. Bxe1
Bf4 28. Bb7 Bc1 29. Ba6 Bxb2 30. Bxb5 d5 31. f3 d4 32. g4 Bb1 33. Bxc4 dxc3 $19
) 22. Qe2 {Logischer geschah 22.Ld1, um Df3 oder Lf3 zu ermöglichen.} (22. Qd1
Qc7 23. h3 Be5 $6 24. Qd5 Re8 25. f4 f6 26. Bh4 c4 27. fxe5 cxb3 28. exf6 Rxe1+
29. Bxe1 gxf6 30. Qxb3 $11 Qc5+ 31. Bf2 Qf5 32. Qb4 Kg7 33. Bd4 Bf7 34. Qd6 h5
35. Qg3+ Qg6 36. Kf2 Be6 37. Qf4 Bd5 38. g4 hxg4 39. Qxg4 Qxg4 40. hxg4 Kf7 $11
41. Ke3 d6 42. Kf4 Ke6 43. Bb6 Bg2 44. Bc7 d5 45. Bb6 Be4 46. Bc5 Bc2 47. Bd4
Ke7 48. Bb6 Kd7 49. Be3 Ke7 50. Bf2 Ke6 51. Bc5 Bd1 52. Bb6 Bb3 53. Be3 Bc2 54.
Bf2 Ke7 55. Bg1 Ke6 56. Ba7 Kd7 57. Bb6 Kd6 58. Ba5 Ke7 59. Bb4+ Ke6 60. Ba3
Be4 61. Bf8 Bg6 62. Ke3 Ke5 63. Bg7 Ke6 64. Kd4 f5 65. gxf5+ Bxf5 66. Bf8 Bc2
67. Bg7 Kd6 68. Bf6 Ba4 69. Bg5 Bc2 70. Bf4+ Kc6 71. Bh6 Kd6 {½-½ (71)
Saitek D++ EGR 10 MHz (2022)-Novag Obsidian (2004) Zürich 2021}) 22... h6 23.
Be3 Re8 {Fesselt den weissen Läufer.} 24. Qd2 {Entfesslung kann selten
schaden.} Qc7 {Doppelangriff auf den h2-Bauern. Recht gut sieht auch 24...c4
aus.} 25. h3 Be5 26. Bd5 f5 27. Bxh6 $5 {Einleitung zu interessanten
Verwicklungen, ohne dass Weiss allerdings damit einen Vorteil erreichen
könnte, im Gegenteil bleibt er schliesslich mit einem Minusbauern hängen.
Das hätte vom Stellungstyp aber keine schlimmen Folgen haben sollen. Doch
tauscht der Saitek D+ im falschen Moment auf dem falschen Feld die Damen und}
Bh2+ 28. Kh1 Rxe1+ 29. Qxe1 gxh6 {Nach 6 Halbzügen besitzt Schwarz einen
Läufer mehr. Da muss der selektive Kombinationskünstler Saitek D+ die
Variante tiefer berechnet und gesehen haben, dass er das Material wieder
zurückerobern wird.} 30. g3 {Nun hat der schwarze Läufer kein Fluchtfeld
mehr.} Qd6 {Gewinnt ein Tempo durch den Angriff auf den Läufer.} 31. Bg2 Bxg3
32. fxg3 {Schwarz hat einen Bauern mehr, vermag damit allerdings nicht viel
anzufangen.} f4 $2 {Öffnet die Stellung und vergibt alle Chancen, die mit
einem Mehrbauern trotz allem noch verbunden waren.} 33. gxf4 {Es gab noch eine
viel einfachere Lösung, um sofort Ausgleich zu erhalten:} (33. Qc1 $1 {
zum Beispiel} f3 (33... fxg3 34. Qxh6+ Kg8 35. Bf3 Kf7 36. Kg2 $11) (33... Kg7
34. gxf4 (34. Qxf4 Qxf4 35. gxf4 $11) 34... Kf7 35. Qe3 $11) 34. Qxh6+ Kg8 35.
Bxf3 Qxg3 36. Bd5+ Bf7 37. Bxf7+ Kxf7 38. Qh5+ Kf6 39. Qxc5 Qxh3+ 40. Kg1 $11)
33... Qxf4 34. Qe7 $1 $11 {Nach diesem Eindringen der weissen Dame auf der 7.
Reihe und in die unmittelbare Nähe des gegnerischen Königs ist Weiss derart
aktiv, dass Schwarz nicht mehr in der Lage sein sollte, Fortschritte zu machen.
} Qf5 35. Kh2 Kg8 36. Kg3 {Einfach 36.Dd6, was die schwarzen Kräfte bindet,
verspricht am wenigsten Sorgen, bzw. den Ausgleich.} (36. Qd6 Kg7 37. h4 Bf7
38. Kg3 Qg6+ 39. Qxg6+ Bxg6 40. b4 d6 41. Bf1 $11) 36... Bf7 37. h4 Qg6+ 38.
Kh2 d6 39. Qd7 $6 {Besser ist 39.b4 nach dem Motto, die Bauern auf die
entgegengesetzte Farbe des eigenen und gegnerischen Läufers zu stellen.} Qf6
40. Qc8+ Kg7 41. Qg4+ Kf8 42. Qc8+ Be8 43. Qg4 Qe5+ 44. Kh1 $2 {Richtig war 44.
Dg3, denn nach dem Damentausch sind die schwarzen Gewinnchancen im
Läuferendspiel äusserst minim. Ob das im Kampf der beiden Programme aber
auch so herausgekommen wäre, steht in den Sternen. Jedenfalls ist der Textzug
wesentlich schwächer.} Bf7 $6 {Mit 44...Ke7 stand dem Schwarz eine deutlich
stärkere Fortsetzung zur Verfügung.} 45. Kg1 $6 {Verpasst 45.Dc8+ als beste
Möglichkeit.} Qe3+ 46. Kh2 Ke7 {[#]} 47. Qe4+ $2 {Tauscht die Damen im
absolut falschen Moment, weil danach Schwarz mit Tempo ...d5 antworten kann.}
Qxe4 48. Bxe4 d5 49. Bd3 b4 {Eine andere Gewinnmethode ist 49...c4 und Weiss
wird bald einmal in Zugzwang geraten.} (49... c4 50. Bc2 Kd6 51. Kg3 d4 52. Kf2
Kc5 53. Ke1 b4 54. cxd4+ (54. Kd2 dxc3+ 55. bxc3 b3 $19) 54... Kxd4 55. Kd2 h5
$1 56. Bd1 Ke4 57. Ke2 Kf4 58. Kf2 b3 59. Ke2 c3 60. bxc3 b2 61. Bc2 Ba2 62.
Kd2 b1=Q 63. Bxb1 Bxb1 $19) 50. cxb4 cxb4 51. Kg3 Ke6 52. Kf4 Bh5 53. Ba6 Bg6
54. Bb7 d4 55. Be4 {Nun würde der Läufertausch zu einem remislichen
Bauernendspiel führen.} Be8 56. Bd3 Bc6 57. Kg4 {Zäher gestaltet sich Ld3-c4,
wo ich zweifle, dass die beiden Oldies imstande wäre, dieses Endspiel mit
Schwarz bei bester Verteidigung zu gewinnen. Eine beispielhafte Variante ist
angegeben.} (57. Bc4+ Bd5 58. Bd3 Kd6 59. Bg6 Kc5 60. Bd3 Bc4 61. Bf5 Be2 62.
Be6 Bf1 63. Bc8 Bb5 64. Ke4 Bc6+ 65. Kd3 Kd5 66. Bf5 Bb5+ 67. Kd2 Ke5 68. Bc2
Kf4 69. Bg6 Kg4 70. h5 Kg5 71. Bf7 Bf1 72. Ke1 Bh3 73. Kd2 Bg4 74. Kd3 Bxh5 75.
Bc4 Bf3 76. Kxd4 h5 $19 {und gewinnt}) 57... Ke5 58. Kh5 $2 {Das sollte sich
Weiss nicht erlauben, weil es damit die Sache selbst für den Novag Obsidian
leicht macht zu gewinnen.} Be4 59. Bc4 d3 60. Kxh6 d2 61. Bb3 Bf3 62. Kg6 d1=Q
63. Bxd1 Bxd1 64. Kg5 Bc2 65. h5 Bf5 66. h6 b3 67. Kh4 {[#]} Kf6 $2 {Aus
heutiger Sicht unglaublich: Schwarz vermasselt den leichten Gewinn mit 67...
Kf4 und dann Königsmarsch nach c2 nebst Abholzung des b2-Bauern. Weiss kann
ja nichts unternehmen, da der gegnerische Läufer sich jederzeit gegen den
weissen Freibauern auf der h-Linie opfern könnte.} (67... Kf4 68. Kh5 Ke3 69.
Kg5 Bd3 70. Kf6 Kd2 71. Kg7 Kc1 72. h7 Bxh7 73. Kxh7 Kxb2 $19) 68. Kg3 $1 {
[#]Die entstandene Stellung ist Remis, weil Weiss bei korrektem Manövrieren
verhindern kann, dass der schwarze König je nach c2 oder c1 gelangen wird,
was eine absolute Voraussetzung für den Gewinn wäre.} Kg5 69. Kf3 Kxh6 70.
Kf4 Bg6 71. Ke5 Kg5 72. Kd4 Kf5 73. Kc3 Bf7 74. Kd4 Kf4 75. Kd3 $1 {Der
einzige Zug, der das Eindringen des schwarzen Königs verhindert.} (75. Kc3 Ke3
76. Kb4 Kd2 $19) 75... Bd5 76. Kd4 Be6 77. Kd3 $1 Ke5 78. Kc3 Bg8 79. Kd3 Kd5
80. Kc3 Kc5 81. Kd3 Bd5 82. Ke3 Kc4 83. Ke2 Be4 84. Kd2 Kd4 85. Ke2 Bc2 86. Kd2
{Weiss, bzw. Saitek D+ scheint begriffen zu haben, um was es geht.} Kd5 87. Kc3
Kc5 88. Kd2 Bf5 89. Kc3 Be6 90. Kd3 Kd5 91. Kc3 Ke4 92. Kd2 Bc4 93. Kc3 Kd5 {
[#]} 94. Kb4 $4 {Im allerletzten Moment stolpert der Saitek D+ doch noch in
den Verlust, indem er dem gegnerischen König die Annäherung an den b2-Bauern
erlaubt.} (94. Kd2 Kd4 95. Kd1 Ke3 96. Kc1 $11 {und Remis, weil Schwarz seine
Stellung nicht verstärken kann.}) 94... Kd4 95. Ka4 Bf7 96. Kb4 Kd3 97. Ka4
Bd5 98. Kb4 Kc2 99. Kc5 Bf7 100. Kd6 Kxb2 101. Ke5 0-1
Fazit des 120'/40 Matches über 20 Partien zwischen
Saitek D+ EGR 10 MHz (Elo 2022) - Novag Obsidian (Elo 2004) 11,5-8,5
Aufgrund der Elo-Differenz von 20 Punkten war eine Gewinnquote von 53% bzw. ein Sieg von 10,5 : 9,5 zugunsten des Saitek D+ EGR 10 MHz von Julio Kaplan zu erwarten. Doch erzielte der selektive D+ mit dem Sieg von 11,5 : 8,5 eine Gewinnquote von 57,5% oder einem Punkt mehr, aber auch einen Punkt weniger als sein Bruder D++. Dieser Sieg war absolut verdient, denn der Novag Obsidian von David Kittinger machte einfach zu viele Fehler oder konnte auch klar bessere (Gewinn-)Stellungen nicht zum Sieg führen. Rein vom nüchteren Partieverlauf her betrachtet, hätte das Match fast ausgeglichen enden können/sollen. Ansonsten bleibt anzumerken, dass in den meisten Partien ein Auf- und Ab zwischen normalen, guten, zweifelhaften und schlechten Zügen in wechselnder Folge von Weiss oder Schwarz herrschte und es oftmals genug einzig darum ging, wer den "allerletzten" Fehler begeht. Wie schon in früheren Matches stellte das meines Erachtens schlechte Eröffnungsbuch des Novag Obsidian in vielen Partien ein echtes Handicap für das Programm dar. Deshalb und wegen der stark unterschiedlichen Spielstile entstanden auch selten harmonisch wirkende Partien, an denen man sich hätte freuen können. Einmal mehr wurde auch ersichtlich, dass vor allem die geringen zu erzielenden Rechentiefen der beiden Programme auf Turnierstufe verantwortlich dafür sind, dass taktische Abwicklungen falsch eingeschätzt oder taktische Möglichkeiten schlicht nicht bemerkt werden. Das Endspielwissen beider Programme ist rudimentär: (starke) Freibauern scheinen keinen besonderen Bonus zu geniessen, Königszüge nach h1 - weg vom Zentrum - statt nach f1, erwecken den Eindruck, dass noch immer Mittelspiel-Algorithmen wirken, Turmendspiele werden gewöhnlich richtiggehend vergewaltigt, der korrekte Umgang mit Tempi bei Bauernendspielen fehlt und insbesondere Damenendspiele überfordern die Programme der geringen Rechentiefe wegen völlig. Positionell ist der Saitek D+ dem Novag Obsidian spürbar überlegen, doch ist das Programm von Julio Kaplan auf harmonische Stellungen angewiesen ist, um daraus Nutzen ziehen zu können. Wenn nun aber - wie in diesem Match - schon aus der Eröffnung heraus "komische" Stellungen auf dem Brett sind, also mehr oder weniger Chaos herrscht, dann kann der Saitek D+ seine positiven Eigenschaften in diesem Bereich nicht zur Geltung bringen.
Nachdem nun mit dem Saitek D+ EGR 10 MHz und dem Saitek D++ EGR 10 MHz schon je 4 Matches, bzw. total 80 Partien gespielt worden sind, drängt sich Vergleich der beiden sehr ähnlichen Programme von Julio Kaplan auf. Es zeigt sich folgendes Bild:
Saitek D++ EGR 10 MHz
4,5 : 15,5 Niederlage gegen Novag Star Diamond
10,0 : 10,0 Unentschieden gegen Novag Super Forte C 6 MHz sel. 4
10,5 : 9,5 Sieg gegen Novag Scorpio 68000 sel. 4
12,5 : 7,5 Sieg gegen Novag Obsidian
Saitek D+ EGR 10 MHz
3,0 : 17,0 Niederlage gegen Novag Star Diamond
10,0 : 10,0 Untentschieden gegen Novag Super Forte C 6 MHz sel. 4
8,0 : 10,0 Niederlage gegen Novag Scorpio 68000 sel. 4
11,5 : 8,5 Sieg gegen Novag Obsidian
Total
37,5/80 (46,8%) für Saitek D++ mit einer Leistung von 2043 Elo (+ 21 Elo)
32,5/80 (40,6%) für Saitek D+ mit einer Leistung von 1999 Elo (- 23 Elo)
Aufgrund der noch immer viel zu geringen Partienzahl, wäre es vermessen, zu behaupten, dass der Saitek D++ das bessere Programm ist. Abzulesen ist diesbezüglich einzig eine noch unsichere Tendenz.