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Schachpartien in der Literatur
Es gibt eine ganze Reihe von Romanen, in denen Schach nicht nur gespielt wird, sondern in denen auch ganze Partien geschildert und abgedruckt werden.
In diesem Thread sollen solche Partien vorgestellt werden, und es können gerne auch andere Community-Mitglieder solche Partien aus von ihnen gelesenen Romanen hier vorstellen. Beginnen möchte ich mit einer Partie aus dem Roman "Zugzwang" von Ronan Bennett, erschienen im Bloomsbury-Berlin Verlag 2007. Der Roman spielt 1914 im russischen St. Petersburg, und es geht, neben einigen vorrevolutionären Verschwörungsattentaten, um ein Großmeisterturnier, an dem u.a. auch das polnische Schachgenie Awrom Rozental teilnehmen soll, um u.a. gegen Capablanca zu spielen - eine Art Kandidatenturnier, dessen Sieger schließlich gegen den amtierenden Weltmeister Emmanual Lasker antreten darf. Aber Rozental ist psychisch schwer angeschlagen, und sein Freund, der polnische Geiger Kopelzon, bringt ihn in die Praxis des mit ihm befreundeten Psychoanalytikers Dr. Otto Spethmann. Kurzum, Spethmann, der Erzähler, und Kopelzon sind beide leidenschaftliche Schachspieler, und eine ihrer Fern-Partien ist gerade im Gange, als Rozental bei Dr. Spethmann eintrifft, wobei Spethmann zugibt, Kopelzon noch nie zuvor geschlagen zu haben. Die Partie ist bis zum 34. Zug vorgedrungen, und Dr. Spethmann stellt sich und damit dem Leser die Frage, wie er die Partie mit Weiß wohl zum Sieg führen könnte:
[Site "St. Petersburg 1913-1914"]
[Date "1914"] [White "Spethmann"] [Black "Kapelzon"] [ECO "B24"] [Opening "Sicilian Defense, Closed Variation, Fianchetto Variation"] [Result "?"] 1. e4 c5 2. Nc3 Nc6 3. g3 {Opening: B24: Sicilian Defense, Closed Variation, Fianchetto Variation} g6 4. Bg2 Bg7 5. d3 d6 6. Nge2 e5 7. h4 h5 8. Nd5 Nce7 9. Nec3 Nxd5 10. Nxd5 Be6 11. c4 Bxd5 12. cxd5 Bh6 13. b4 Bxc1 14. Rxc1 b6 15. Bh3 Nh6 16. Qd2 Kf8 17. O-O Kg7 18. f4 exf4 19. Rxf4 Re8 20. Qb2+ Re5 21. bxc5 bxc5 22. Rxc5 g5 23. hxg5 Qxg5 24. Rc2 Kh7 25. Rg2 Rg8 26. Qf2 Qe7 27. Rf6 Kg7 28. Rf4 Kh7 29. Bf5+ Nxf5 30. Rxf5 Rxf5 31. Qxf5+ Kh6 32. Qf4+ Rg5 33. g4 hxg4 34. Rxg4 Kh5 Auffällig an dieser Partie ist, dass beide Kontrahenten ein makelloses und praktisch fehlerfreies Schach spielen. Insofern ist es eine doch recht anspruchsvolle Aufgabe, diese Partie mit Weiß zum Gewinn zu führen. Die Auflösung werde ich dann demnächst hier auch noch präsentieren. |
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Also ich habe keine Highendmaschine mit Highendstockfish etc., sondern nur einen Atlanta, gegen den (in 30-Sek-Modus) ich als Weißer einen Vorteil zu erringen hoffte. Meine Idee war, die Figuren so zu ziehen, dass der weiße König ins Zentrum rückt/rutscht, von wo er das Spiel "beherrschen'" sollte.
34. Tg2 f5 35. Df3+ Kh6 36. Kf2 De5 37. Txg5 Kxg5 38. Dg3+ Kf6 39. Dh4+ Kg6 40. Ke3 fxe4 41. Dxe4+ Kf6 42. d4 Dg3+ 43. Df3+ Dxf3 44. Kxg3 Kg5 45. Ke4 Kg4 Der weiße König steht zwar im Zentrum, aber ein Durchkommen ist (für meine Spielklasse) nicht möglich. Das ist sicher nicht die Lösung, aber immerhin hat man sich aktiv mit der Stellung beschäftigt. Das Selbstspiel ist für mich wichtig. Sorry, dass ich keine Zeit habe, die Züge in ein Diagramm zu gießen. Wer Lust hat, kann die Züge bei Gelegenheit ja so mal mit einem Taschenschach nachspielen. Ist nicht so wichtig. ;-)) Auf die Auflösung bin ich gespannt. Gruß! |
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Er läuft allerdings auf ein Remis hinaus. Und Spethmann denkt im Roman tatsächlich auch darüber nach, ob er Kopelzon, den er zuvor noch nie geschlagen hatte, nicht ein Remis anbieten sollte. Die Lösung wäre jedoch ein Sieg von Spethmann. Wie also ließe sich dieser erreichen? Mit Hilfe der beigefügten Analyse-Engine läßt sich der Weg dorhin vielleicht doch noch finden. |
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Aber du hast ja einen PC/Notebook oder? Und so könntest du diese Partie ab dem Schachbrett hier im Forum weiterführen und dann die PGN speichern und hier auch in das Forum stellen. Ein Arbeitsaufwand von 30 Sek, statt händische Zugseingaben im Forum bringen. Mfg Kurt |
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Gruß! |
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[Event ""]
[White "Spethmann"] [Black "Kapelzon"] [Site "St. Petersburg 1913-1914"] [Round ""] [Annotator ""] [Result "*"] [Date ""] [PlyCount "92"] 1. e4 c5 2. Nc3 Nc6 3. g3 {Opening: B24: Sicilian Defense, Closed Variation, Fianchetto Variation} g6 4. Bg2 Bg7 5. d3 d6 6. Nge2 e5 7. h4 h5 8. Nd5 Nce7 9. Nec3 Nxd5 10. Nxd5 Be6 11. c4 Bxd5 12. cxd5 Bh6 13. b4 Bxc1 14. Rxc1 b6 15. Bh3 Nh6 16. Qd2 Kf8 17. O-O Kg7 18. f4 exf4 19. Rxf4 Re8 20. Qb2+ Re5 21. bxc5 bxc5 22. Rxc5 g5 23. hxg5 Qxg5 24. Rc2 Kh7 25. Rg2 Rg8 26. Qf2 Qe7 27. Rf6 Kg7 28. Rf4 Kh7 29. Bf5+ Nxf5 30. Rxf5 Rxf5 31. Qxf5+ Kh6 32. Qf4+ Rg5 33. g4 hxg4 34. Rxg4 Kh5 {ab hier Lucky versus Atlanta 0:30 min} 35. Rg2 f5 36. Qf3+ Kh6 37. Kf2 Qe5 38. Rxg5 Kxg5 39. Qg3+ Kf6 40. Qh4+ Kg6 41. Ke3 fxe4 42. Qxe4+ Kf6 43. d4 Qg3+ 44. Qf3+ Qxf3+ 45. Kxf3 Kg5 46. Ke4 Kg4 * |
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Jöh, brutal, das geht ja einfacher als gedacht! Danke, Kurt, für den Tipp!
Gruß! |
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Prima, das funktioniert doch gut!
Aber eben nur ein Remis. Warten wir also ab, ob Spethmann die Partie schließlich doch noch gewinnen konnte... |
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Soviel aber sei jetzt schon verraten:
35. Tg2 ist der richtige Zug. Im Roman macht Spethmann den Zug allerdings nicht selbst, sondern einer seiner Patienten in einem unbeobachteten Moment. Sodass Spethmann am nächsten Tag, als er wieder auf die Stellung blickt, zunächst glaubt, der Turm sei aus Versehen verrutscht. Bis er bemerkt, dass dies tatsächlich ein starker Zug ist! |
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Inzwischen wurde Spethmann wegen Verdachts, mit einer terroristischen Gruppe in Verbindung zu stehen, festgenommen.
Nach längerer Untersuchung wird er aber offensichtlich unschuldig befunden und wieder auf freien Fuß gesetzt. Anschließend telefoniert er mit Kopelzon, und sie führen die Partie am Telefon weiter. Die auf 34. ... Kh5 folgenden Züge sind dann diese:
[Event ""]
[White "Spethmann"] [Black "Kapelzon"] [Site "St. Petersburg 1913-1914"] [Round ""] [Annotator ""] [Result "*"] [Date ""] [PlyCount "92"] 1. e4 c5 2. Nc3 Nc6 3. g3 {Opening: B24: Sicilian Defense, Closed Variation, Fianchetto Variation} g6 4. Bg2 Bg7 5. d3 d6 6. Nge2 e5 7. h4 h5 8. Nd5 Nce7 9. Nec3 Nxd5 10. Nxd5 Be6 11. c4 Bxd5 12. cxd5 Bh6 13. b4 Bxc1 14. Rxc1 b6 15. Bh3 Nh6 16. Qd2 Kf8 17. O-O Kg7 18. f4 exf4 19. Rxf4 Re8 20. Qb2+ Re5 21. bxc5 bxc5 22. Rxc5 g5 23. hxg5 Qxg5 24. Rc2 Kh7 25. Rg2 Rg8 26. Qf2 Qe7 27. Rf6 Kg7 28. Rf4 Kh7 29. Bf5+ Nxf5 30. Rxf5 Rxf5 31. Qxf5+ Kh6 32. Qf4+ Rg5 33. g4 hxg4 34. Rxg4 Kh5 35. Rg2 Rxg2 36. Kg2 Qc7 37. Qf5+ Kh6 In die Falle von 37. ...Kh4 fiel Kopelzon nicht, denn nach 38. Kf3 und 39. Dg4 würde Schwarz matt gesetzt. Wobei Kopelzon längst davon ausgeht, dass diese Partie Remis enden wird. Aber Spethmann glaubt fest an einen Sieg. |
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