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-   -   Info: Millennium - The King (https://www.schachcomputer.info/forum/showthread.php?t=5647)

Mythbuster 25.03.2018 13:54

AW: Millennium - The King
 
Hallo zusammen,
ich habe gestern und heute 15 Partien auf den Easy Stufen gespielt. Mein erster Eindruck dazu: Diese Spielstufen unterscheiden sich deutlich von dem, was man von anderen Schachcomputern kennt. Bei anderen Schachcomputern ist es ja in der Regel so, dass sie auf den ganz einfachen Stufen massive Fehler machen und einfach Figuren ungedeckt stehen lassen ... auf den höheren Stufen spielen die Computer dann ein paar Züge saustark, um dann eine massive Graupe einzustreuen.

Das ist hier nicht der Fall: In den Easy Spielstufen wird beim King nicht die Rechentiefe beschränkt oder schlechte Züge eingestreut ... nein, es wird die Anzahl der berechneten Knoten begrenzt.

Auf der Stufe 1 sind das 125 Knoten ... von Stufe zu Stufe verdoppelt sich die Anzahl der Knoten, bis sie auf Stufe 8 maximal 16.000 Knoten erreicht ...

Wie wirkt sich das nun aus? Im aktuellen Beta Stadium würde ich die Spielstärke der Stufe 1 bei ca. 1.250 bis 1.300 Elo einordnen ... auf Stufe 8 bei ca. 1.850 bis 1.900 Elo ...

Vermutlich wird das jetzt viele User, die sich mit den Hintergründen von Leistungssteigerung bei jeweils doppelter Leistung beschäftigt haben, verwundern ... denn würde man sieben Verdoppelungen ab 1.250 Elo mit jeweils 50 Elo gleichsetzen, wären wir bei 1.600 Elo auf Stufe 8 ...

Das kommt hier nicht hin, da das Programm bei Stufe 8 durchaus die genannten 1.850 bis 1.900 Elo aufweist ... aber in den Schwächeren Stufen dann deutlicher abfällt ...

Warum? Nun, das recht selektive Programm bekommt offenkundig immer stärkere Lücken, je weniger Knoten berechnet werden. Somit bleibt dann in Stufe 1 nur noch ein Basiswissen bestehen, was kein Wunder ist, wenn man überlegt, dass zwei Halbzüge bei vollem Brett 1.600 Zugmöglichkeiten bieten, aber nur 125 Knoten berechnet werden dürfen. ;)

Was aber wichtiger ist: Wie wirkt sich das auf das Spiel des Computers aus?

Nun, die taktischen Lücken werden größer ... wie bei jedem anderen Computer der entsprechenden Stufen auch ... aber das Spiel bleibt „natürlich“ ... sprich, man kann es nicht vom Spiel eines anderen Computers mit der jeweiligen Spielstärke unterscheiden ... ein aus meiner Sicht wichtiger Punkt, weil man nie das Gefühl hat, der Computer zieht absichtlich schlecht.

Was man jedoch sagen muss: Im Endspiel wirkt sich die Abschwächung subjektiv deutlicher als im Mittelspiel aus ... wobei ... andere Computer in der Klasse spielen im Endspiel auch „bescheiden“ ...

Aus meiner Sicht fast optimal gelöst ... warum nur fast? Nun, wenn die Kiste auf 300 MHz läuft, zieht er selbst auf Stufe 8 fast unmittelbar ... psychologisch verleitet das dazu, den Computer zu unterschätzen und man selbst zieht unwillkürlich schneller, als man dies tun würde, wenn der Rechner sich auch zum Beispiel 30 Sekunden gönnen würde ...

Man kann das ein wenig „abfedern“, wenn man den King auf 10 MHz drosselt, dann braucht er bei Easy 8 im Schnitt 20 Sekunden pro Zug!

Insofern denke ich, dass auch Selbstspieler mit einer schwächeren Elozahl durchaus Spaß haben können ...

Grüße,
Sascha

Wolfgang2 25.03.2018 14:50

AW: Millennium - The King
 
Ja, da kann man sich nicht beklagen. ;)
Ich testete mal folgende bekannte Studie, die ursprünglich in "Schach dem Computer" und später im "Schach-Computer Report `84" veröffentlicht wurde:

[Event "Computer Schach Partie"]
[Site "DESKTOP-806662H"]
[Date "2018.03.25"]
[Round "?"]
[White "wom"]
[Black "wom"]
[Result "1-0"]
[BlackElo "2400"]
[Time "14:42:46"]
[WhiteElo "2400"]
[SetUp "1"]
[FEN "q4rk1/1p3ppp/r2p4/2nN4/1pP5/4R3/1P3PPP/1Q2R1K1 w - - 0 1"]
[Termination "normal"]
[PlyCount "5"]
[WhiteType "human"]
[BlackType "human"]

{Studie entnommen aus "Schach dem Computer" von H.-P. Ketterling/F.
Schwenkel/O. Weiner. Der Test war seinerzeit dazu gedacht, fest zu stellen,
wie tief gerechnet wird. Verführungen: 1. ... Sxb4, oder etwas tiefer: 1.
... Sxc7 oder das dreizügige Matt.} 1. Ne7+ Kh8 2. Qxh7+ Kxh7 3. Rh3# {The
King zieht auch auf der untersten Easy-Stufe (125 Pos.) den besten Zug 1.
Se7!, verbunden mit einer Mattankündigung. 67 Positionen untersucht.} 1-0


Gruß
Wolfgang

Mythbuster 25.03.2018 14:53

AW: Millennium - The King
 
Schönes Beispiel, Wolfgang, ja, sein „Wissen“ ist und bleibt ja vorhanden und er nutzt es selbst dann, wenn er kaum Züge berechnen darf ... insgesamt wirklich recht gut gemacht!

Auf der anderen Seite hat er auf Stufe 1 eine 50 Züge Partie gegen den Mephisto II ESB „verkackt“ und nur Remis geholt ... Selektivität bringt mal Vorteile und mal Nachteile ... aber es macht Spaß, nie zu wissen, was er „sieht“ ... ;)

Mythbuster 30.03.2018 23:46

AW: Millennium - The King
 
Hallo zusammen,
abgesehen von zwei Partien, von denen eine wirklich sehenswert ist, heute mal ein Update zu den Funktionen vom King.

Die aktuelle Beta hat neue Spielstufen spendiert bekommen ... einerseits die öfter gewünschte Stufe "3 Minuten pro Zug" ... gut, da es eh eine frei einstellbare Spielstufe gibt, wäre das aus meiner Sicht nicht zwingend nötig gewesen, aber ist so natürlich einfacher ...

Dann gibt es jetzt noch sechs "Fun Level": Die Fun Level entsprechen einerseits den schon erwähnten Stufen mit limitierten Zugberechnungen. Allerdings wurde ein "Zufallsgenerator" hinzugefügt, der abhängig von der Spielstufe schlechtere Züge einstreut. Das Ergebnis: Auf Stufe 1 wird auch ein Anfänger ein Erfolgserlebnis haben, da auch mal ein Matt in 1 übersehen wird ... für einen Spieler ist das wirklich nicht schön anzusehen ...

Je höher die Spielstufe, desto geringer die Abweichungen ... und desto mehr Knoten werden berechnet ... bedeutet, dass bei Stufe 6 4.000 Knoten berechnet werden und Züge mit einer maximalen Abweichung von +/- 0,5 Bauerneinheiten eingestreut werden ... das sind Züge, die keine wirklichen Patzer sind, aber trotzdem auch dem engagierten Hobbyspieler Möglichkeiten geben ... ich denke, zumindest Easy vier bis sechs sind durchaus brauchbar.


Eine andere Funktion bietet für die Zukunft neue Möglichkeiten: Der King unterstützt die Möglichkeit, zwei Bücher gleichzeitig zu laden ... zum Beispiel das Masterbook und das Aegon Buch ... der King erkennt beide Bücher und wechselt bei Bedarf das Buch selbstständig. Welche Möglichkeiten sich hier künftig bieten, kann sich jeder selbst denken.

Nun noch zwei neue Beispielpartien. Hierbei handelt es sich um die ersten beiden Partien, die The King in der aktuellen Beta 033 auf 10 MHz gegen den Revelation II Hiarcs 1% gespielt hat.

Vor allem die erste Partie ist durchaus sehr sehenswert, in mehrfacher Hinsicht. The King geht die Partie sehr aktiv an, ggf. mit seinem Springereinschlag auf f2 zu aktiv ... danach war die Sache eigentlich schon gelaufen, da Hiarcs zwei verbundene Freibauern erspielt hatte ... tja, aber irgendwie hat es Hiarcs geschafft, seine deutliche Überlegenheit nicht nur zu verspielen, sondern das Blatt drehte sich ...

Praktisch war die Partie eigentlich dann schon gelaufen, die Bewertungen waren eindeutig, The King hatte das Ding gewonnen ... bis er Tf3?? zog ... und tatsächlich in die "falsche Läufer" Falle tappte ... direkt nachdem er in die Falle tappte, erkannte er seinen Fehler und erkannte das Remis ... eine wahrlich unglaubliche Partie!

Insgesamt waren die beiden in den ersten beiden Partien ebenbürdig ... sowohl von der Stärke als auch vom Stil.

Genug geschrieben, hier die Partien:


[Event "Aktivschach"]
[Site "Schachcomputer.info"]
[Date "2018.03.30"]
[Round "1"]
[White "Revelation II Hiarcs 1%"]
[Black "Millennium The King 10 MHz BETA (aktiv)"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "B22"]
[PlyCount "95"]
[EventDate "2018.??.??"]
[EventType "rapid"]

1. e4 c5 2. c3 d5 3. exd5 Qxd5 4. d4 e6 5. Nf3
Nf6 6. Na3 Nc6 7. Nb5 Qd8 8. dxc5 Bxc5 9. Qxd8+ Kxd8 {Buchende} 10. Bf4 Ne4 {
B22: Sizilianisch (Alapin 2.c3)} 11. Ng5 {LiveBook: 15 Partien Buchende} Nxf2
$146 (11... Nxg5 $15 12. Bxg5+ f6 13. Rd1+ Ke7) ({Vorgänger:} 11... Nxg5 12.
Bxg5+ f6 13. Be3 Bxe3 14. fxe3 Ke7 15. O-O-O Ne5 16. Be2 Bd7 17. Nd4 Rac8 18.
Rd2 {0-1 (57) Predojevic,B (2616)-Carlsen,M (2864) Lillehammer 2013}) 12. Nxf7+
Ke7 {Weiß steht besser.} 13. Nxh8 {zielt auf Sc7 ab.} Nxh1 14. Bd3 a6 (14... g6
$1 $14) 15. Nc7 $18 Rb8 16. Bxh7 e5 (16... Nf2 $142 17. b4 Bb6) 17. Ng6+ Kf6
18. Ne8+ Ke6 19. Nxg7+ Kf7 20. Bh6 (20. Nxe5+ $6 Kxg7 21. Bc2 Ra8) 20... Nf2
21. Nh8+ Kf6 22. Nh5+ Ke6 23. Bg7 Ng4 (23... b5 $142 24. Ke2 a5) 24. h3 Ne3 25.
Be4 (25. g4 $18) 25... Ne7 $16 26. b4 (26. Ke2 $18) 26... Ba7 27. g4 {Lh6 ist
eine echte Drohung.} b5 {[#]} 28. Nf6 ({Besser ist} 28. Ke2 $1 $16) 28... Bb7
$11 29. Bh7 (29. Ke2 $11 {ist eher angebracht.}) 29... Rd8 {[%mdl 1024] Droht .
..Sg2+ und aus. Schwarz hat Kompensation.} 30. Ke2 ({Nicht} 30. Be4 $2 Bxe4 31.
Nxe4 Nc2+ 32. Ke2 Nxa1 $19) 30... Ng2 31. Nh5 {[#]} (31. a4 $11 {bleibt in der
Remisbreite.}) 31... Bd5 $1 $17 32. Bf6 (32. Nf6 $17 Bc4+ 33. Kf3) 32... Nf4+
$19 33. Nxf4+ exf4 {[%cal Be5f4,Bf4f3][%mdl 32]} 34. Bxe7 $2 (34. g5 f3+ 35.
Kd3 Bc4+ 36. Ke4) 34... Rxh8 35. Bc5 {Schwarz muss nun Lf5+ beachten.} f3+ 36.
Kf1 {Droht stark Lf5+.} Bc4+ 37. Ke1 {Und Lf5+ würde nun gewinnen.} Rxh7 38.
Bxa7 Rxa7 {[%mdl 4096] Endspiel KTL-KT} 39. Kf2 Rh7 40. h4 Rxh4 41. Kxf3 Rh3+
42. Kf4 Rxc3 43. g5 Kf7 44. a4 bxa4 45. Rxa4 Rb3 46. Ra5 Kg6 ({Jedoch nicht}
46... Rxb4 47. Rf5+ Kg7 48. Ke3 $19) 47. Rf5 {[#]} Rf3+ $2 $11 {[%mdl 512] Mit
300 MHz benötigt der King 3 Sek., um den Irrtum zu bemerken.} (47... Rxb4 $17)
48. Kxf3 {Precision: Weiß = 35%, Schwarz = 54%.} 1/2-1/2

[Event "Aktivschach"]
[Site "Schachcomputer.info"]
[Date "2018.03.30"]
[Round "2"]
[White "Millennium The King 10 MHz BETA (aktiv)"]
[Black "Revelation II Hiarcs 1% CPU"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "D11"]
[PlyCount "74"]
[EventDate "2018.??.??"]
[EventType "rapid"]

1. d4 d5 2. c4
c6 3. Nf3 Nf6 4. Nbd2 Bf5 {Buchende} 5. g3 {[%cal Bg2g3,Bg3g4][%mdl 32]} e6 6.
Bg2 {LiveBook: 82 Partien. D11: Damengambit (Slawische Verteidigung) Buchende}
Na6 (6... h6 $11 {scheint genauer.}) (6... h6 7. Ne5 Nbd7 8. Nxd7 Qxd7 9. O-O
Be7 10. b3 O-O 11. Bb2 Rfd8 12. e3 b5 13. c5 a5 {1-0 (66) Krasenkow,M (2633)
-Cramling,P (2525) Stockholm 2014}) 7. Nh4 $146 ({Vorgänger:} 7. a3 Qa5 8. O-O
O-O-O 9. cxd5 cxd5 10. Ne5 Qc7 11. Qe1 Ne4 12. Nxe4 dxe4 13. Bf4 Nb8 14. Rc1 {
1-0 (14) Gnass,A (1767)-Schulz,D (1611) Bergisch Gladbach 2005}) 7... Bg4 (7...
dxc4 $11 {verdient Beachtung.} 8. Nxf5 exf5) 8. h3 {Weiß steht besser.} Bh5 9.
g4 Bg6 10. Nxg6 hxg6 11. cxd5 ({Lieber} 11. O-O $16) 11... Nxd5 (11... exd5 $11
12. e3 Qb6) 12. Qb3 Qc7 13. e4 Nf4 14. Bf1 Bb4 {[#] Und ...0-0-0 würde nun
gewinnen.} 15. a3 Ba5 16. Qg3 (16. Bxa6 {ist eher angebracht.} bxa6 17. Kf1)
16... c5 17. Bb5+ (17. b4 $5) 17... Kf8 18. b4 cxb4 {Droht ...b3! und aus.} 19.
Nc4 g5 {zielt auf ...Lb6 ab.} 20. Qb3 Rd8 21. Bxa6 bxa6 22. Bxf4 Qxf4 23. Qd3 (
23. Qe3 $11 {bleibt in der Remisbreite.} Bb6 24. Nxb6 axb6 25. axb4) 23... Bb6
24. Nxb6 axb6 25. axb4 Qd6 26. Rxa6 {Die Stellung ist ausgeglichen.} Qxb4+ 27.
Ke2 Rxd4 28. Ra8+ Ke7 29. Ra7+ Kd6 30. Rb1 Rxh3 31. Rxb4 Rhxd3 32. Rxb6+ $11 {
[%mdl 4096] Endspiel KTT-KTT} Ke5 33. Rxf7 {Weiss will Tb5+ spielen.} Rd2+ 34.
Ke1 Rd1+ 35. Ke2 R1d2+ 36. Ke1 Rd1+ 37. Ke2 {und nun wäre Tb5+ stark für Weiss.
} R1d2+ {Precision: Weiß = 41%, Schwarz = 30%.} 1/2-1/2



Bis zum nächsten Update,
Sascha

Hartmut 01.04.2018 22:07

AW: Millennium - The King
 
Hallo zusammen

Nachdem ich ja fleissig in meinem Emu-Turnier selber mitspiele hat mich Sascha mal gefragt ob ich Lust hätte mal 1 oder 2 Partien gegen den King auszutragen. Ein wenig mulmig wurde mir da ob der bisher geposteten Partien schon. Daher sind wir dabei verblieben, dass der King auf ca. 30 Sec / Zug eingestellt wird, während ich die doppelte Zeit, also im Schnitt 1 min / Zug zur Verfügung habe. Die Partien haben wir heute denn auch auf lichess.org gespielt. Ich muss vorwegnehmen... ich habe beide Partien gewonnen.

Aber das Gerät hat mch trotzdem überzeugt und ob ich bei gleichen Bedingungen auch so gut ausgesehen hätte... keine Ahnung. Der Fairness halber sei auch gesagt, dass ich gestern ein paar schnelle Partien gegen den Chessmaster 6000 auf meinem alten Mac mit einem der ersten PowerPCs ausgetragen habe. Die King-Version des CM 6000 ist die 2.6, dürfte sich also bis auf ein paar kleine Korrekturen nicht sehr stark unterscheiden. Nun... wenn ich aus diesen Partien etwas gelernt hatte, dann dass man die Kiste nicht zu ihrem Spiel finden lassen darf. Ich nahm mir also vor eröffnungstheoretisch ein paar "eigene" Wege zu gehen, habe diese Eröffnungen aber gegen den CM 6000 nicht ausprobiert (was in Bezug auf meine Weisspartie schon deswegen nicht ging, weil sich der CM 6000 bei mir geweigert hatte Französisch zu spielen. Ich war also auf vieles vorbereitet, nur darauf nicht).

Das Spiel des King-Programms gefiel mir außerordentlich gut. Er spielte aktiv und an einigen Stellen auch gefährlich. Taktisch ist er mit Sicherheit ein nicht zu unterschätzender Gegner. Ich nahm mir daher vor die Partien in Fahrwasser zu lenken wo es eher auf langfristige Planung denn auf kurzfristige taktische Scharmützel ankommt.

Hier nun die erste Partie. Die englischen Kommentare stammen von der Stockfish-Engine des Lichess-Portals, die deutschen entweder von Kommodo unter Fritz oder von mir.

[Event "Testpartie"]
[Site "https://lichess.org/8draulCg"]
[Date "2018.04.01"]
[Round "?"]
[White "Hartmut Hering"]
[Black "The King"]
[Result "1-0"]
[ECO "C00"]
[WhiteElo ""]
[BlackElo ""]
[Annotator "Komodo 10.3 32-bit (30s)"]
[PlyCount "75"]
[EventDate "2018.??.??"]

{C00: Französische Verteidigung (Seltene Züge)} 1. e4 e6 2. b3 {Nachdem ich
mich auf das deutlich größere Eröffnungswissen des AEGON- und MASTER-Buchs des
King nicht einlassen wollte, wählte ich eine Entgegnung die Reti-ähnliche Züge
trägt. Der Unterschied besteht darin, dass im Reti normalerweise der c-Bauer
zeitweise geopfert wird, während es hier der e-Bauer sein soll.
Überraschenderweise kannte das Programm auch noch ein paar Züge dieser
"Franco-Reti-Eröffnung", auch wenn die Datenbank sie hier anders benamt.} d5 3. Bb2 { C00 French Defense: Horwitz Attack,
Papa-Ticulat Gambit} dxe4 4. Nc3 Nf6 5. Qe2 {Ab hier musste der King
allerdings rechnen. Und das sollte in die Hose gehen. Der Plan ist nach z.B.
5. ...Le7 6. 0-0-0 Sd7 sofort einen Bauernsturm am Königsflügel zu entfachen
(z.B. 7. g4 h6 8. Lg2 c6 9. h4...) weswegen Schwarz nach der langen Rochade
oft auf das ruhigere 6. ...Sc6 ausweicht. Hier wählte Schwarz aber das
sofortige Sc6, was auch nicht falsch ist. } Nc6 6. Nxe4 e5 {Ab hier zeigt sich
allerdings, dass Schwarz mit diesem Stellungstyp so überhaupt nichts anfangen
kann. Richtig ist hier 6. ...Le7 7. Sf3 0-0 8. 0-0-0 a5 mit dem Versuch den
weißen Abbitionen am Königsflügel mit einem Gegensturm am Damenflügel
entgegenzutreten.} (6.. Be7 7. Nf3 O-O 8. O-O-O (8. g3 a5 9. a3 Nxe4 10. Qxe4
Bf6 11. c3 Qd5 12. Bd3 g6 13. Bc2 Ne5 14. Nxe5 Qxe4+ 15. Bxe4 Bxe5 16. d4 Bg7
17. f4 Rb8 18. O-O-O b6 19. Rhe1 Bb7 20. Bxb7 Rxb7 21. d5 exd5 22. Rxd5 c6 {
Weigand,B (2188)-Wendler,W (2052) Stuttgart GER 2016 1-0 (51)} ) 8.. a5 9. d4
a4 10. Nxf6+ Bxf6 11. Qe4 Qd5 12. Bd3 Qxe4 13. Bxe4 axb3 14. axb3 Rd8 15. Bxc6
bxc6 16. c4 Bb7 17. Rhe1 Kf8 18. Ne5 Be7 19. f3 Bf6 20. Kc2 Bxe5 21. Rxe5 {
Karasev,V (2460)-Farago,I (2475) Polanica Zdroj 1974 1-0 (41)} ) 7. f4 $146
(7. Bxe5 Nxe5 8. f4 Qd4 9. Nxf6+ gxf6 10. c3 Qxf4 11. d4 Bg4 12. Nf3 Bxf3 13.
gxf3 Qxf3 14. dxe5 Qxc3+ {0-1 (14) Erben,W-Scheck,H Wuerttemberg 1993} ) (7.
O-O-O Bf5 8. Ng3 Be6 $14 ) 7.. Bf5 (7.. Nd4 8. Qd3 Bf5 9. fxe5 Nxe4 10. Bxd4
$11 ) 8. Nxf6+ Qxf6 9. Nf3 {Da Schwarz noch nicht rochiert hat, ist ein
Bauernsturm, wie eigentlich geplant hier nicht sinnvoll. Also erstmal normale
Entwicklung.} O-O-O {Schwarz rochiert lang. Damit ist das Thema Bauernsturm am
Köigsflügel erstmal vom Tisch und meine schöne Planung kann ich vergessen. Ich
merke schon... Gegen die Lang-Programme aber auch gegen die Schröders ist es
einfacher. Die lassen sich auf die gefährlichen Varianten ein...} 10. fxe5 (10. O-O-O $142 Nb4 11. Qxe5 Nxa2+ 12. Kb1 $11 ) 10..
Qg6 $2 {(-0.19 → 0.88) Mistake. Best move was Qh6. Anmerkung: Damit hat
Stockfish und weiter unten Komodo natürlich recht, aber das ist für ältere
Programme und auch für einen King der wohl im Großen und Ganzen auf der Engine
des Chessmaster 6000 von 1999 basiert nicht zu sehen. Der Plan ist indessen
verständlich. Es soll Druck gegen c2 ausgeübt werden, was den Weißen König
erstmal in der Mitte hält, da eine lange Rochade unter diesen Voraussetzungen
eher nicht anzuraten wäre. Allerdings kann Weiß nun die derzeit einzige aktive Figur
des Schwarzen zum Abtausch zwingen, was der King hier zweifellos unterschätzt}
(10.. Qh6 11. a3 Bxc2 12. b4 Bd3 13. Qe3 Qxe3+ 14. dxe3 Be7 15. O-O-O Be4 16.
Bc4 Rhf8 17. Rhf1 ) (10.. Qh6 $142 {und Schwarz spielt mit} 11. a3 Bxc2 $11 )
11. Nh4 $16 Qe6 12. Nxf5 Qxf5 13. O-O-O {Und schon ist die weiße Rochade
wieder möglich. Weiß unternimmt möglichst wenig um dem Taktiker King keine
Angriffsfläche zu bieten. Anders kann man einem Programm wie dem King nur
schwer beikommen. } Nd4 {und prompt ist es auch der King der vor Aktivität
strotzend ins Messer läuft. Ich hätte eigentlich eher gedacht dass er den
Springer nach b4 bringt wo er nicht einfach abgetauscht werden kann.} 14. Bxd4
Rxd4 15. Qe3 {Weiß hat einen Mehrbauern und eine feste Stellung. Die schwarzen
Figuren sind zwar etwas aktiver, stehen aber völlig unharmonisch in der Gegend
rum, so dass Schwarz keinerlei Kompensation für den Bauern hat.} Ba3+ 16. Kb1
Rhd8 {Auf der verzweifelten Suche nach Aktivität. Doch der Druck gegen d2 kann
natürlich leicht geblockt werden.} 17. Bd3 {Weiß musste gar nichts groß
unternehmen und steht hervorragend., während Schwarz vor allem eines hat...
schwache Bauern. Schweren Herzens gibt er daher die Qualität...} Rxd3 18. Qxa7
{und plötzlich steht irgendwie jede schwarze Figur schlecht. Die beste
Fortsetzung und der von mir erwartete Zug wäre jetzt T8d5 gewesen, aber
Schwarz greift leider gewaltig daneben.} Qxe5 $2 {(0.59 → 2.26) Mistake.
Best move was R8d5.} (18.. R8d5 19. Qxa3 Rxd2 20. Rxd2 Rxd2 21. Rc1 b6 22.
Qf8+ Kb7 23. Qxg7 h5 24. h4 Re2 25. Qf6 ) (18.. R8d5 $142 {ist noch spielbar}
19. Qa8+ Kd7 20. Qa4+ b5 21. Qxa3 Rxd2 22. Rxd2 Rxd2 $14 ) 19. Qxa3 $18 R3d6
{Nun spielt sich die Partie fast schon von selbst.} 20. Qa8+ Kd7 21. Qxb7 Re8
{Schwer zu sagen ob Tc6 besser gewesen wäre. Vermutlich nicht. Aber nach dem
Textzug ist es für mich als Mensch einfacher, druckvoll weiterzuspielen.}
22. Qf3 {Ich hatte fest mit f5 gerechnet, aber der King öffnet mir mit dem
nächsten Zug Tür und Tor...} c5 $2 {(2.10 → 3.60) Mistake. Best move was
f5..} (22.. f5 23. Rhf1 g6 24. g4 Qe2 25. gxf5 Qxf3 26. Rxf3 Rf8 27. d3 Rxf5
28. Rxf5 gxf5 29. Rf1 ) (22.. f6 $18 ) 23. Qxf7+ {wenn er schon dasteht...}
Re7 24. Qc4 g6 $6 { (3.47 → 4.08) Inaccuracy. Best move was Kc7.Schön
festgestellt von Stockfish und in der Nachanalyse muss ich ihm recht geben.
Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben... ich hätte zumindest unter dem Druck
des Spiels am Brett auch nicht gesehen, dass Kc7 besser ist.} (24.. Kc7 25.
Rhf1 Qd4 26. Qg8 Qd5 27. Qf8 Qe6 28. d3 Kb7 29. a4 Rc6 30. Qf4 h6 31. Qh4 )
(24.. Qd5 {Ändert nichts am Ausgang der Partie} 25. Qa4+ Qc6 26. Qa7+ Qc7
27. Qa8 $18 ) 25. d3 $6 {(4.08 → 3.50) Inaccuracy. Best move was Qa4+. Und
auch da hat Stockfish sicher recht. Ich hatte auch über Da4+ nachgedacht, sah
aber nicht so wirklich wie es weitergeht. Daher dieser Sicherungszug der alle
Eventualitäten auf der d-Linie unterbinden sollte.} (25. Qa4+ Kc7 26. Rhf1 Kb7
27. Rf8 Ra6 28. Qc4 Qd4 29. Rf7 Qd7 30. Rf4 Qe6 31. Qxc5 Rc7 ) 25.. Kc6 $2 {
(3.50 → 5.56) Mistake. Best move was Kc7. Mir freiwillig Möglichkeiten zu
Schachgeboten zu geben kann nicht gut sein, auch wenn ich als Mensch jetzt
unter Zeitdruck die Konsequenzen auch nicht hätte abschätzen können.} (25..
Kc7 26. Rde1 Qxe1+ 27. Rxe1 Rxe1+ 28. Kb2 Re2 29. b4 Rf6 30. b5 Rff2 31. Qxc5+
Kb8 32. a4 ) (25.. Qd4 { wäre gleichermaßen fruchtlos} 26. Qb5+ Kc7 27.
Rde1 $18 ) 26. Qa6+ Kd7 27. Qb5+ {ein kleiner Hinweis an die Programmierer...
wenn man einigermaßen gefahrlos ausweichen kann, sollte man keine Fesselungen
zulassen... das sehe ich auch ohne die tiefgreifenden Analysen von Stockfish
und Kommodo.} Rc6 $2 {(5.18 → 7.10) Mistake. Best move was Kc7.} (27.. Kc7
28. Qa5+ Kb7 29. Rde1 Qf6 30. Rhf1 Rxe1+ 31. Rxe1 Re6 32. Qb5+ Ka8 33. Rxe6
Qxe6 34. Qxc5 ) (27.. Kc8 {holt die Kuh nicht vom Eis} 28. Rhf1 Rd8 29. Qa6+
Kb8 30. Qb6+ Kc8 31. Rf6 $18 ) 28. Rhf1 {einen wirklichen Plan hatte ich hier
nicht, aber eine offene Linie zu besetzen kann ja erstmal nicht schlecht
sein.} Qc3 (28.. Qd4 {Ändert nichts mehr} 29. a3 Qd6 30. Rf8 $18 ) 29. Rf4
{Objektiv war vielleicht Db7 besser. Ich sah hier aber mehrere Vorteile.
Einerseits die Möglichkeit bei Bedarf die Dame mit Tc4 vertreiben zu können,
andererseits die Möglichkeit zu Ta4 nebst Ta7+ (oder auch Ta6 wegen der
Fesselung des Turms c6)} (29. Qb7+ {lässt dem Gegner kaum Chancen} Rc7 30.
Qd5+ Ke8 $18 ) 29.. Kc7 $2 {(6.51 → 8.82) Mistake. Best move was Re1. OK, Te1
hätte die Aufgabe zwar erschwert, zu retten war die Partie indes nicht
mehr...} (29.. Re1 30. Qb7+ Kd6 31. Rf6+ Qxf6 32. Rxe1 Rc7 33. Qb6+ Rc6 34.
Qb8+ Kd7 35. Qe8+ Kd6 36. a4 ) (29.. Re1 {wäre noch eine kleine Chance} 30.
Qb7+ Kd6 31. Rf6+ Qxf6 32. Rxe1 Rc7 33. Qb6+ Rc6 34. Qb8+ Kd7 35. Qe8+ Kd6 36.
Qb8+ Kd7 37. Qe8+ Kd6 $18 ) 30. Ra4 Rd7 $2 {(8.53 → 10.05) Mistake. Best
move was Qf6.} (30.. Qf6 31. Ra8 Kd6 32. Qxc6+ Kxc6 33. Ra6+ Kd5 34. Rxf6 Re2
35. Rg1 Re6 36. Rxe6 Kxe6 37. Rf1 ) 31. Rf1 {Nachdem Schwarz
dankenswerterweise auf Df6 verzichtet hat, schiebe ich dem erstmal einen
Riegel vor...} Kd6 $6 {(9.23 → 58.90) Inaccuracy. Best move was Qg7.} (31..
Qg7 32. b4 Qd4 33. Ra7+ Kd6 34. Rxd7+ Kxd7 35. Qb7+ Rc7 36. Rf7+ Ke6 37. Rxc7
Qg1+ 38. Kb2 ) 32. Qb8+ {Hier gab es sicherlich mehrere Wege zum Sieg. Den
König in die Mitte und weg von seinen Türmen zu locken erschien mir hier
allerdings am vielversprechendsten...} Kd5 33. Re4 Rcc7 $6 {(10.97 → Mate in
15) Checkmate is now unavoidable. Best move was Rcd6. OK, ob das jetzt
wirklich ein Matt in 15 ist, weiss ich nicht. Aber dass es Bockmist war, den
Turm von der 6. Reihe zu entfernen... das weiss ich.} (33.. Rcd6 34. Qa8+ )
(33.. Re6 {hilft allerdings auch nicht} 34. Qa8+ Rc6 35. Qg8+ Kd6 36. Rf7
Rxf7 37. Qxf7 Qe5 38. Qf8+ Kc7 39. Rxe5 Kb7 40. Qe8 h6 41. Re7+ Kb6 42. Qd8+
Rc7 43. Rxc7 Ka6 44. Qb8 c4 45. Ra7+ $200 ) 34. Qe8 {droht matt auf e6} Kc6
(34.. Rd6 {hilft auch nicht mehr} 35. Qa8+ Rcc6 36. Qb7 Re6 37. Rxe6 Kxe6 38.
Qxc6+ Ke7 39. Qd5 Qe1+ 40. Rxe1+ Kf6 41. Qe5+ Kf7 42. Rf1+ Kg8 43. Qe8+ Kg7
44. Qf8+ $200 ) 35. Re6+ (35. Rf7 Qh8 36. Qxh8 Rxf7 37. Qa8+ Kd6 38. Qd8+ Kc6
39. Re6+ Kb7 40. Qd5+ Ka7 41. Qc4 Rf1+ 42. Kb2 Rb1+ 43. Kxb1 Kb8 44. Qa6 Rb7
45. Re8+ Kc7 46. Re7+ Kd8 47. Rxb7 c4 48. Qa8+ $200 ) 35.. Kd5 36. d4 $1
Re7 (36.. Qxd4 37. c4+ ) (36.. cxd4 37. Re5+) (36.. Kxd4 37. Re4+ )
37. Rxe7 Rxe7 38. Qxe7 {und hier hat Sascha für den King aufgegeben} (38. Qd8+
) (38. Qxe7 Qxd4 39. Re1 c4 40. b4 Qb6 41. c3 Kc6 42. Re6+ Kb5 43. Qe8+ Ka6
44. Qa8+ Kb5 45. a4+ $200 ) 1-0


Mythbuster 01.04.2018 22:13

AW: Millennium - The King
 
Hallo Hartmut,
schon an dieser Stelle erlaube ich mir zu sagen, dass es mir ein absolutes Vergnügen war, in jeglicher Hinsicht!

Waren zwei wirklich gute Partien, die auch gut zeigen, wo (zumindest bei 10 MHz) die Grenzen vom King sind!

Deine Partie mit weiß war ja von beiden Seiten aktiv geführt und recht ausgeglichen, bis der King gierig wurde ... ;)

Gruß,
Sascha

Hartmut 01.04.2018 22:24

AW: Millennium - The King
 
Zitieren:

Zitat von Mythbuster (Beitrag 72596)
Hallo Hartmut,
schon an dieser Stelle erlaube ich mir zu sagen, dass es mir ein absolutes Vergnügen war, in jeglicher Hinsicht!

Waren zwei wirklich gute Partien, die auch gut zeigen, wo (zumindest bei 10 MHz) die Grenzen vom King sind!

Deine Partie mit weiß war ja von beiden Seiten aktiv geführt und recht ausgeglichen, bis der King gierig wurde ... ;)

Gruß,
Sascha

Ja, sie war schon aktiv geführt, aber trotzdem so angelegt, dass Weiß nicht so viel tun musste. Ein wichtiger Hinweis ist hier auch, dass man am Eröffnungsbuch noch ein wenig feilen muss. Als Vorschlag: Entweder das Gambit ablehnen mit 3. ...Sf6 4. e5 Sfd7 oder die Varianten tiefer einprogrammieren. Gerade der Zug 6. ...e5 war für Schwarz eher kontraproduktiv.

Was die 2. Partie betrifft... darauf kann man glaub ich keinen Compi vorbereiten... das war einfach gemein von mir... lach. Aber die Partie muss ich erst noch kommentieren...

Mythbuster 01.04.2018 22:34

AW: Millennium - The King
 
Hallo Hartmut,
wie schon im Chat geschrieben, das Masterbuch ist sehr groß und damit abwechslungsreich ... aber hinterlässt den King oftmals in Stellungen, die er nicht versteht ... das ist so und habe ich auch schon so angemerkt.

Aber da wird ja aller Wahrscheinlichkeit nach noch etwas kommen und dann sieht es ja schon wieder anders aus. ;)

Das gleiche Problem hat ja der Genius mit dem großen Buch ...

Und ja, die zweite Partie war wahrlich fies ... aber ich werde hier nicht spoilern ... :D

Gruß,
Sascha

Hartmut 01.04.2018 23:41

AW: Millennium - The King
 
So und hier nun die 2. Partie. Auch und gerade mit Schwarz, war es mein Anliegen dem Gegner keinen Angriffspunkt zu bieten. David Levy mit seiner "Do nothing but do it well"-Methode hätte sicherlich seine wahre Freude dran. Eigentlich ist es eine moderne Verteidigung und eigentlich doch wieder was ganz anderes. Auf jeden Fall habe ich damit in der Bezirksliga jemanden fast zum Alkoholiker werden lassen. Das Schicksal des einzigen Fernschachgegners der sich ebenfalls gegen diese Eröffnung mit einem Remis zufrieden geben musste konnte bisher nicht geklärt werden

Auf jeden Fall war es ganz schön fies, was ich mit dem armen King hier für ein neckisches Spiel getrieben habe.

[Event "Testpartie"]
[Site "https://lichess.org/lu6YyXpG"]
[Date "2018.04.01"]
[Round "?"]
[White "King"]
[Black "Hartmut Hering"]
[Result "0-1"]
[ECO "B06"]
[WhiteElo ""]
[BlackElo ""]
[Annotator "Komodo 10.3 32-bit (30s)"]
[PlyCount "82"]
[EventDate "2018.??.??"]

{B06: Moderne Verteidigung} 1. d4 g6 2. e4 Bg7 3. Nc3 {B06 Modern Defense:
Standard Line} Nh6 $6 {(0.38 → 0.94) Inaccuracy. Best move was d6. Damit hat
Stockfish natürlich vollkommen recht. Andererseits... ich habe das schon mal
gegen einen menschlichen Gegner in der Bezirksliga gespielt (und gewonnen).
Danach hat er mehr als nur einen Doppelten gekippt... Der Vorteil ist halt,
dass man damit das Theoriewissen des Gegners komplett ausschaltet. Entweder er
kommt mit dem Stellungstyp zurecht oder eben nicht. Sprich er muss mehr drauf
haben als auswendig gelernte Theorie.} (3... d6 4. f3 Nf6 5. Be3 c6 6. Qd2 O-O
7. h4 b5 8. g4) 4. Nf3 (4. h3 b6 5. Be3 f6 6. Qd2 Nf7 7. Bc4 e6 8. O-O-O Ba6 9.
Bb3 Nd6 10. f4 Nc4 11. Bxc4 Bxc4 12. d5 Qe7 13. Nf3 O-O 14. f5 e5 15. g4 d6 16.
h4 Nd7 17. fxg6 hxg6 18. h5 g5 {Busch,K (2420)-Steinhart,K Germany 1991 1-0})
4... f6 $6 {(0.91 → 1.49) Inaccuracy. Best move was c6. Selbst wenn jemand
die Fortsetzung bisher kennen sollte... Mit diesem Zug kriegt man natürlich
jeden aus dem Konzept. Der Springer auf einem Randfeld, der Fianchettoläufer
absichtlich vom eigenen Bauern blockiert... wenn einen da keiner mehr
unterschätzt dann weiss ich nicht was ich noch machen muss um mich als
absoluter Anfänger darzustellen...} (4... c6 5. Bc4 O-O 6. Bb3 d5 7. O-O e6 8.
h3 f6 9. Re1) 5. Bc4 {Ich bin erschüttert... das hat tatsächlich schon
jemand vor mir so schräg gespielt... (siehe unten)} (5. Bd3 Nf7 6. Be3 d6 7.
Qd2 c6 8. h4 e5 9. O-O-O b6 10. Nh2 Nd7 11. f4 Qc7 12. g4 Bb7 13. Bc4 exf4 14.
Bxf7+ Kxf7 15. Bxf4 Rhe8 16. Rhf1 Kg8 17. g5 Rad8 18. Ng4 Rf8 19. Qh2 Nb8 {
Kruzhilin,A (1870)-Gagarkine,N (1929) Saratov 2012 1/2-1/2 (43)}) 5... e6 6.
Be3 $146 (6. O-O c6 7. d5 e5 8. dxc6 bxc6 9. Be3 Nf7 10. Bxf7+ Kxf7 11. Nd2 Re8
12. Nc4 Bf8 13. Qd2 Ba6 14. b3 Bxc4 15. bxc4 Qa5 16. Ne2 Qxd2 17. Bxd2 Bc5 18.
Rab1 Na6 19. Rfd1 Ke7 20. Nc1 Rab8 {Kviatkovska,Z-Chomistek,J Trencin 1995 0-1
(50)}) 6... O-O {(1.28 → 1.79) Inaccuracy. Best move was c6. Und meine
nächste "Ungenauigkeit". Einmal wenn ich keinen Bauer auf die 6. Reihe stelle,
mault Stockfish rum. Heul doch...} (6... c6) 7. O-O {(1.79 → 1.07)
Inaccuracy. Best move was Qd2. Schätze spätestens jetzt hab ich den King
völlig durcheinandergebracht. Viele unserer Oldies würden hier übrigens das
vorgeschlagene Dd2 spielen. Das der King hier eher einen solchen Sicherungszug
macht anstatt irgendeine Angriffstaktik zu entwickeln ist schon etwas
Verlegenheit} (7. Qd2 Nf7 8. h4 Na6 9. O-O-O c6 10. d5 b5 11. Bb3 b4 12. Ne2
cxd5 13. exd5 e5) 7... Nf7 8. Qe2 (8. d5 c6 $14) 8... d6 $14 {Sichert e5. Ich
gebs zu, die schwarze Stellung schaut absolut schräg aus. Aber sie ist fest,
dynamisch und gut geeignet dass sich jemand beim Erstürmen der Festung den
Schädel einrennt.} 9. Rad1 Nc6 (9... c6 10. h4 $14) 10. d5 $14 exd5 11. Bxd5
a6 {Nimmt Einfluss auf b5} (11... Kh8 12. h3 $14) 12. Bb3 {Weiß hat eine sehr
aktive Stellung, meint Kommodo. Dumm nur, dass ihm das nichts nutzt, da er im
gegnerischen Lager keine wirklichen Angriffspunkte findet.} (12. Nd2 Bd7 $14)
12... Na5 13. Bc4 $2 {(1.17 → -0.53) Mistake. Best move was Bd5. Ein
unverständlicher Zug. Wie in der vorherigen Partie wird die einzige Figur die
wirklich sinnvoll Aktivität entfalten kann zum Tausch angeboten. Alle anderen
sind ja durch die Bauern auf der 6. Reihe eher zur Untätigkeit verdammt und
finden keine Felder... Zumindest ein Hinweis auf eine eventuell notwendige Verbesserung der Bewertungsfunktion.} (13. Bd5 Nc6 14. h3 Kh8 15. Rfe1 Bd7 16. Nd4 Nxd4 17.
Bxd4 c6 18. Bb3 b5 19. Be3 f5) (13. Bd5 $142 $5 $14 {ist zu erwägen}) 13...
Nxc4 $11 14. Qxc4 Bg4 $6 {(-0.59 → -0.08) Inaccuracy. Best move was b5..
Schwarz hat eine gedrückte Stellung (mault jedenfalls Kommodo...). Nun ja,
der Zug mag nicht akkurat sein, aber langfristig hat er Weiss das Genick
gebrochen. Und die gedrückte Stellung ist ja hier gewollt. Der Zug b5 wäre
im Sinne der Logik meines Aufbaus auch eher eine Schwächung gewesen, geht es
mir doch in erster Linie darum die Felder der 5. Reihe für Weiss zu entwerten.
} (14... b5 15. Qd5 Bg4 16. h3 Bxf3 17. gxf3 Qd7 18. Kg2 c6 19. Qb3 f5 20. a4
Kh8 21. Ne2) 15. Qb3 b6 $6 {(-0.48 → 0.14) Inaccuracy. Best move was Kh8.
Lustigerweise wird das sogar von Stockfish angemault und auf den Abwartezug
Kh8 verwiesen. Ohne überheblich klingen zu wollen... aber manche Stellungen
begreift auch Stockfish nicht.} (15... Kh8) 16. Rfe1 {Tja... und allen
Korrekturempfehlungen von Stockfish und Co zum Trotz hat Weiss hier... nichts. Und schon
gar keinen Vorteil mehr.} (16. h3 Bxf3 17. gxf3 Qd7 $11) 16... Re8 17. Bd4 $6 {
(0.00 → -0.65) Inaccuracy. Best move was Nd5.} (17. Nd5 b5 18. Qc3 Bxf3 19.
gxf3 c6 20. Nb6 Rb8 21. Qxc6 Ne5 22. Qd5+ Nf7 23. Qc6) (17. h3 Be6 18. Qa3 c6
$11) 17... Bxf3 $6 {(-0.65 → 0.15) Inaccuracy. Best move was Be6. Hier
möchte ich Stockfish erneut widersprechen. Letztlich ist es genau dieser
Abtausch, der Weiss langfristig den Kopf kosten wird. Der König steht
offen da, Weiss hat einen Doppelbauern und keine Angriffspunkte, während
Schwarz nun auf einmal Aktivität entfalten kann. Was will man denn mehr?} (
17... Be6 18. Qa3 b5 19. Qa5 c5 20. Qxd8 Raxd8 21. Be3 f5 22. Ng5 Bc4 23. Nxf7
Kxf7 24. exf5) (17... Be6 18. Qa3 $11) 18. gxf3 $11 b5 19. a4 bxa4 $6 {(-0.25
→ 0.35) Inaccuracy. Best move was c6. Streng genommen stimmt das natürlich.
Aber ich wollte jetzt den Druck vom Damenflügel wegnehmen und nicht dauernd
aufpassen müssen ob Weiss hier vielleicht auf einmal aktiv werden kann. Zudem
hat die weisse Dame auf a4 weit weniger zu bestellen als auf der Diagonalen
a2-g8. Da hätte sie mich ziemlich gestört.} (19... c6) (19... c6 20. Bc5 Bf8 21. Kh1 $11) 20. Qxa4 Ng5 {Nun zeigt
sich, wie dynamisch und gefährlich die schwarze Stellung ist. Schwarz
entfaltet plötzlich Aktivität. Trotzdem sollte eigentlich nicht mehr als
gleiches Spiel dabei rauskommen...} 21. Re3 Ne6 (21... Nh3+ 22. Kf1 Nf4 23.
Qc4+ Kh8 24. Nd5 Nxd5 25. exd5 Rxe3 26. Bxe3 $14) 22. Nd5 $14 Nxd4 23. Qxd4 (
23. Rxd4 Kh8 $11) 23... Kh8 24. Qc4 c5 (24... Rc8 25. Qxa6 Bh6 26. Ree1 $11)
25. Rb3 $6 {(0.82 → 0.00) Inaccuracy. Best move was b3. Stockfish hat hier
vermutlich recht. 25. b3 hätte die Spannung aufrecht erhalten. Andererseits ist es natürlich irgendwie verständlich das Weiß diese Linie besetzen will...} (25. b3 a5 26.
Kh1 Rb8 27. Qa6 Ra8 28. Qc6 Rc8 29. Qa4 Rb8 30. f4 f5 31. exf5 gxf5) (25. b3 $5
$14) 25... f5 $11 26. exf5 gxf5 27. Rb6 $4 {Weiss will den Isolani a6 und den
rückständigen d6 unter Druck setzen, übersieht dabei aber, wie gefährlich
eine offene g-Linie sein kann. (0.00 → -5.32) Blunder. Best move was f4.} (
27. f4 Re4 28. Qf1 Rb8 29. Rxb8 Qxb8 30. c3 Qe8 31. Qxa6 Qg6+ 32. Kh1 Qh5 33.
Ra1 Qf3+) (27. Kh1 $142 $11 {ist gerade noch spielbar}) 27... Qg5+ $19 {
Tja und da hat Stockfish vorher noch gemault als ich diesen Weg zum König mit
dem Tausch auf f3 aufgemacht habe... Mag ja sein dass es objektiv nicht
das Beste war... aber es hatte Potential... Manchmal sind gerade die zweit-
und drittbesten Züge gefährlicher als der objektiv beste Zug.} 28. Kh1 $2 {(-4.74 → -5.81)
Mistake. Best move was Kf1.} (28. Kf1 Qh5) (28. Kf1 {ändert nichts mehr} Qh5
29. Ne3 Qxf3 $19) 28... Qh5 29. Rb3 (29. Kg2 {ändert den Lauf der Dinge nicht}
Rg8 30. Ne3 Bd4+ 31. Kf1 Bxe3 32. Qc3+ Bd4 33. Rxd4 cxd4 34. Qxd4+ Rg7 $19)
29... Be5 30. h4 $6 {(-5.47 → -6.39) Inaccuracy. Best move was Kg2.} (30. Kg2
Qxh2+ 31. Kf1 Bd4 32. Ne3 f4 33. Rxd4 fxe3 34. Rxe3 Qh1+ 35. Ke2 Rxe3+ 36. fxe3
Qg2+) (30. Kg2 {ändert den Lauf der Dinge nicht (kann der sich nicht mal nen anderen Spruch einfallen lassen...?)} Qxh2+ 31. Kf1 Bd4 $19) 30...
f4 $1 {Hinlenkung: f4} 31. Kg2 (31. Nxf4 Qxh4+ {Unterbrechung Hinlenkung
Doppelangriff}) (31. -- $140 Rg8 {Mattdrohung}) 31... Qxh4 32. Nc7 $4 {(-6.24
→ Mate in 21) Checkmate is now unavoidable. Best move was Ne3. Ja, Stockfish.
Is ja gut. Glaubt der ehrlich irgendjemand von uns würde hier im Aktivschach
ein Matt in 21 sehen???????} (32. Ne3 Rg8+ 33. Kf1 Qh3+ 34. Ke2 fxe3 35. Rxe3
Rg2 36. Rxe5 dxe5 37. Qd5 Re8 38. Qf7 Qe6) (32. Qe4 {ist noch eine Idee} Bd4
33. Rxd4 Rxe4 34. Rxe4 Rg8+ 35. Kf1 Qh1+ 36. Ke2 $19) 32... Bd4 $1 {Mattdrohung
} 33. Qxd4+ (33. -- $140 Rg8+ {Mattdrohung}) 33... cxd4 34. Nxa8 $6 {(-19.14
→ Mate in 8) Checkmate is now unavoidable. Best move was Nxe8.} (34. Nxe8
Rxe8) 34... Re2 35. Rb8+ Kg7 36. Rf1 (36. Rb7+ {nützt auch nichts mehr} Kg6 37.
Rf1 Qg3+ 38. Kh1 Qh3+ 39. Kg1 Re5 40. Rb5 axb5 41. Re1 Rxe1#) 36... Qg3+ $19
37. Kh1 Qh3+ 38. Kg1 Re6 39. Rb7+ Kh6 40. Rg7 Kxg7 41. b3 (41. Nc7 {macht
keinen großen Unterschied} Rg6#) 41... Rg6# 0-1


Egbert 02.04.2018 05:28

AW: Millennium - The King
 
Guten Morgen Hartmut,

eine wirklich schöne Partie, welche Dir hier gelungen ist. :)

Gruß
Egbert

Rashid 02.04.2018 09:55

AW: Millennium - The King
 
Eine sehr interessante Partie. Ich möchte nicht in der Haut des Programmiers stecken, der die Aufgabe hat, das Verhalten des Programms in solchen Stellungstypen spürbar zu verbessern. Gefragt ist große Weitsicht à la Petrosjan. - Erstaunlich auch die fehlerfreie Führung des Angriffs ab Dg5. Mich hat das Ganze leicht an die Strategie von Kasparov in dem Wettkampf gegen Deep Blue (1997) erinnert, v. a. an die eine Reti-Partie; es liegt ein ähnlicher Gedanke zu Grunde. - Eine andere Frage: Für wie wahrscheinlich halten es die Mitglieder der Community, dass tatsächlich ernsthaft und langfristig an der Weiterentwicklung des doch auch schon betagten King-Programms gearbeitet wird? Und: In welchem Umfang (gemessen in Elo) wäre eine Steigerung möglich?

Rashid 02.04.2018 09:59

AW: Millennium - The King
 
P.S.: Alexej Schirow hat eine Zeit lang mit einem Aufbau g6, Lg7, Sh6, f6, Sf7 experimentiert (in den Neunzigern). Allerdings hat er seine Bauern nach c6 und d5 gestellt. Es wäre interessant, auch das einmal zu testen.

Hartmut 02.04.2018 10:56

AW: Millennium - The King
 
Zitieren:

Zitat von Rashid (Beitrag 72602)
Erstaunlich auch die fehlerfreie Führung des Angriffs ab Dg5.

Ich glaube ganz fehlerfrei war der Angriff nun auch wieder nicht. Da müsste man jetzt mal die Engines dransetzen ob es noch schneller gegangen wäre. Aber die meisten Züge waren einfach selbstverständlich. Nach dem Fehler 27. Tb6? war es glaub ich sogar Sascha der im Chatt den Schlüsselzug 27. ...Dg5 zuerst ausgerufen hatte. Aber der Zug selbst war eigentlich klar. Ein direktes Matt war zwar nicht zu sehen aber es war einfach das Gefühl "Da muss jetzt was gehen". 28. ...Dh5 war einfach die einzügige Drohung gegen f3. 29. ... Le5 eine einzügige Mattdrohung auf h2. 30. ...f4 war hier das schwierigste, aber eigentlich auch nicht schwer zu sehen. Die Verteidigung des Bauern auf h4 wird unterbrochen und der Bauer kann nur unter Materialverlust genommen werden. Das ganze wieder verbunden mit dem Gefühl dass mit den ganzen offenen Linien "was gehen" muss. Wird der Bauer f4 nicht genommen hängt h4 und Schwarz kann mit dem Turm auf die offene g-Linie. Und so zieht sich das halt durch. Ich hab da glaub ich nie mehr als 2, vielleicht auch mal 3 Züge durchkalkuliert sondern mich enfach von einer 1 bis 2 zügigen Drohung zur nächsten "treiben" lassen. Aber das ist halt der Unterschied zwischen Computer und Mensch. Der Computer muss etwas konkret durchrechnen um zu sehen dass es gut oder schlecht ist, der Mensch kann sich da auf sein "Stellungsgefühl" verlassen. Da kann er zwar oft auch mal daneben liegen, wenn es irgendeinen stillen Zug gibt, den er übersehen hat, aber oft klappt es eben.

Zu deiner Frage. Wie wahrscheinlich ist eine wirkliche Weiterentwicklung... Gute Frage. Der Markt der "normalen" Schachcomputer ist ein anderer als der der Superengines auf einer weissderGeierwievielKerne-CPU. Da geht es auch um Spielspaß und nicht darum dass man wie meinereiner 20 Fernschachpartien analysiert. Ich denke schon dass es da noch Raum für Entwicklungen und Verbesserungen gibt.

Auch King Richard hat mal gesagt dass beim Genius der obere Rand der Skala erreicht ist und wollte da nichts mehr machen. Und nun? Wir haben nach vielen Jahren den MCGE. Und auch das King-Programm ist nicht mehr der normale Chessmaster von damals sondern wurde teilweise schon noch etwas geändert. Warum also sollte man nicht noch an den einen oder anderen Schräubchen drehen? Und wie gesagt, das Zielpublikum ist ja ein anderes.

Wer sich den MCGE kauft will keinen Stockfish, den er nicht schlagen kann. Und wer sich den King kauft, will auch nicht jeden Tag so ein System spielen wie ich in der 2. Partie, aber vielleicht mal verschiedene Methoden gegen einen nicht ganz unfehlbaren Gegner ausprobieren, die er dann im Verein ausprobieren kann. Wenn ich so einen Schnapsaufbau im Verein bringe dann klappt das 1-2mal den Gegner mit sowas zu überraschen und letztlich auch zu schlagen. Wenn ich das in der Bezirksliga bringe, wird es auch ein paarmal funktionieren. Im Fernschach gelingt es maximal 1mal, und auch nur, wenn man es genau mit mehreren Engines ausprobiert. Aber die Partie ist schnell im Internet und dann wars das mit dem Überraschungseffekt. Ein weiteres mal wird es nicht funktionieren, wenn sich die Gegner darauf vorbereiten.

Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, wer mich damals zuerst umbringen wollte, als ich das in der Bezzirksliga gespielt habe. Mein Gegner oder mein Mannschaftsführer, aber ich glaube es war der Mannschaftsführer...

In welchem Umfang ist eine Steigerung in ELO möglich... gute Frage. Möglich ist vieles, sei es durch schnellere Hardware oder durch Änderungen am Programm. Die Frage ist aber - gemessen am Zielpublikum eines solchen Gerätes - wieviel ELO lässt der Markt zu? Auch ein so altes Programm kann man mit dem Einbau einiger modernerer Routinen noch um 200-300 ELO und mehr steigern. Aber wie weit kann ich als Hersteller gehen, wenn ich das auch noch verkaufen will? Ich denke schon, dass da noch Luft nach oben ist. Wieviel der Markt hergibt um das dann auch verkaufen zu können... keine Ahnung.

Mythbuster 02.04.2018 11:27

AW: Millennium - The King
 
Hallo,
bitte auch nicht vergessen, dass der King hier auf 10 MHz lief! Das Programm ist sehr selektiv und berechnet hier lediglich im Schnitt 650 Knoten pro Sekunde ... wer somit nach 30 Sekunden nur ca. 20.000 Züge ... wenn man bedenkt, dass nach nur vier Halbzügen dort ca. 2,5 Mio. Möglichkeiten existieren, erahnt, dass hier natürliche Grenzen gesetzt sind.

Bei 300 MHz ist das Teil taktisch ein ganzes Stück stabiler und würde hier ja schon rund 600.000 Züge berechnen. Das hilft schon ungemein.

Dazu ist es eine Beta. Das Programm hat zwar noch die Nummer 2.6, entspricht aber in einigen Teilen nicht mehr der alten Version. Zudem hat JdK durchaus noch vor, einige Änderungen einfließen zu lassen.

Insofern, was wir hier haben, zeigt den Stil und die Anlagen ... aber halt noch nicht das Endprodukt.

Davon abgesehen: Was mich an dem Teil begeistert ist ja eben die Tatsache, dass er einerseits ein schönes aktives Spiel liefert, das für mich noch verständlich ist ... aber auch noch (zumindest bei 10 MHz) noch Lücken hat, die man mit Geduld und ein wenig Erfahrung ausnutzen kann ... im Laufe der Zeit sind mir immerhin auch zwei Siege und fünf Remis vergönnt gewesen ... bei unzähligen Fehlversuchen (so um die 50) ... aber das motiviert und macht Spaß.

Grüße,
Sascha


@Hartmut: Ja, Dg5 war einfach zu schön und man musste es probieren ... da waren wir beide sofort einig, dass da "irgendwas geht" ... früher oder später ... und genau das ist halt das "Gefühl", das Menschen haben, wo die Maschine rechnen muss ... in eine Tiefe, die nicht erreichbar ist.

Chessguru 23.07.2018 22:05

AW: Millennium - The King
 
Hallo,

um der warmen teilweise Schachcomputer armen Jahreszeit etwas Vorfreude zu verleihen, ein paar handfeste Infos zur kommenden King Engine.

Der BT 2630 Test ist immer ein erster Fingerzeig, in welchen Spielstärkeregionen sich ein Gerät einordnen wird.


OK, schauen wir mal. Wie schlägt sich die momentane BETA-King Engine:

<html lang=de><head><link rel=stylesheet href=menue.css type=text/css></head><table class=wikitable><tr><th class=wiki-header align=center>Hersteller<th class=wiki-header align=center colspan=2>Millennium</td><th class=wiki-header align=center><th class=wiki-header align=center>Hersteller<th class=wiki-header align=center colspan=2>Millennium</td></tr><tr><th class=wiki-header align=center>Gerät<th class=wiki-header align=center colspan=2>The King * BETA *<th class=wiki-header align=center><th class=wiki-header align=center>Gerät<th class=wiki-header align=center colspan=2>The King * BETA *</tr><tr><td class=all align=center rowspan=2><b><u>BT 2630</u></b><td class=all align=center colspan=2>normal</td><td class=all align=center rowspan=2><td class=all align=center rowspan=2><b><u>BT 2630</u></b><td class=all align=center colspan=2>aktiv</td></tr><tr><td class=all align=center colspan=2>300 MHz</td><td class=all align=center colspan=2>300 MHz</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 1</b></td><td class=all align=center>Sxg7</td><td class=all align=center>0</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 1</b></td><td class=all align=center>Sxg7</td><td class=all align=center>0</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 2</b></td><td class=all align=center>Lxb6</td><td class=all align=center>6</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 2</b></td><td class=all align=center>Lxb6</td><td class=all align=center>7</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 3</b></td><td class=all align=center>Te6</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 3</b></td><td class=all align=center>Te6</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 4</b></td><td class=all align=center>Df7</td><td class=all align=center>502</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 4</b></td><td class=all align=center>Df7</td><td class=all align=center>401</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 5</b></td><td class=all align=center>Ka6</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 5</b></td><td class=all align=center>Ka6</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 6</b></td><td class=all align=center>...e3</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 6</b></td><td class=all align=center>...e3</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 7</b></td><td class=all align=center>...Td6</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 7</b></td><td class=all align=center>...Td6</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 8</b></td><td class=all align=center>Txc6+</td><td class=all align=center>0</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 8</b></td><td class=all align=center>Txc6+</td><td class=all align=center>0</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 9</b></td><td class=all align=center>...g5</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 9</b></td><td class=all align=center>...g5</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 10</b></td><td class=all align=center>Txg7</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 10</b></td><td class=all align=center>Txg7</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 11</b></td><td class=all align=center>...Dxh2</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 11</b></td><td class=all align=center>...Dxh2</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 12</b></td><td class=all align=center>...De4</td><td class=all align=center>1</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 12</b></td><td class=all align=center>...De4</td><td class=all align=center>1</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 13</b></td><td class=all align=center>...Le6</td><td class=all align=center>66</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 13</b></td><td class=all align=center>...Le6</td><td class=all align=center>900</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 14</b></td><td class=all align=center>Txh7</td><td class=all align=center>0</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 14</b></td><td class=all align=center>Txh7</td><td class=all align=center>0</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 15</b></td><td class=all align=center>e5</td><td class=all align=center>35</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 15</b></td><td class=all align=center>e5</td><td class=all align=center>35</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 16</b></td><td class=all align=center>...Sxg2</td><td class=all align=center>34</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 16</b></td><td class=all align=center>...Sxg2</td><td class=all align=center>900</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 17</b></td><td class=all align=center>Dxf4</td><td class=all align=center>0</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 17</b></td><td class=all align=center>Dxf4</td><td class=all align=center>0</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 18</b></td><td class=all align=center>d6</td><td class=all align=center>7</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 18</b></td><td class=all align=center>d6</td><td class=all align=center>8</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 19</b></td><td class=all align=center>...f3</td><td class=all align=center>5</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 19</b></td><td class=all align=center>...f3</td><td class=all align=center>5</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 20</b></td><td class=all align=center>Ta2</td><td class=all align=center>3</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 20</b></td><td class=all align=center>Ta2</td><td class=all align=center>3</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 21</b></td><td class=all align=center>Te1</td><td class=all align=center>280</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 21</b></td><td class=all align=center>Te1</td><td class=all align=center>221</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 22</b></td><td class=all align=center>a3</td><td class=all align=center>2</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 22</b></td><td class=all align=center>a3</td><td class=all align=center>2</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 23</b></td><td class=all align=center>g4</td><td class=all align=center>900</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 23</b></td><td class=all align=center>g4</td><td class=all align=center>335</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 24</b></td><td class=all align=center>g6</td><td class=all align=center>382</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 24</b></td><td class=all align=center>g6</td><td class=all align=center>329</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 25</b></td><td class=all align=center>...Sd3</td><td class=all align=center>42</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 25</b></td><td class=all align=center>...Sd3</td><td class=all align=center>59</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 26</b></td><td class=all align=center>f5</td><td class=all align=center>900</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 26</b></td><td class=all align=center>f5</td><td class=all align=center>3</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 27</b></td><td class=all align=center>e6</td><td class=all align=center>7</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 27</b></td><td class=all align=center>e6</td><td class=all align=center>6</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 28</b></td><td class=all align=center>e5</td><td class=all align=center>43</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 28</b></td><td class=all align=center>e5</td><td class=all align=center>45</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 29</b></td><td class=all align=center>O-O-O</td><td class=all align=center>900</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 29</b></td><td class=all align=center>O-O-O</td><td class=all align=center>138</td></tr><tr><td class=all align=center><b>BT 30</b></td><td class=all align=center>f4</td><td class=all align=center>62</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center><b>BT 30</b></td><td class=all align=center>f4</td><td class=all align=center>90</td></tr><tr><td class=all align=center>Summe:</td><td class=all align=center>&nbsp;</td><td class=all align=center>4148</td><td class=all align=center></td><td class=all align=center>Summe:</td><td class=all align=center>&nbsp;</td><td class=all align=center>3277</td></tr><tr><th class=wiki-header align=center colspan=2>BT - Elo:&nbsp;<th class=wiki-header align=center>2491<th class=wiki-header align=center><th class=wiki-header align=center colspan=2>BT - Elo:&nbsp;<th class=wiki-header align=center>2521</tr></table></html>

Johan de Koning hat sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Nicht nur die Spielstärke wurde spürbar verbessert, sondern auch der Spielstil ist aus meiner Sicht aktiver bzw. aggressiver (Stil "offensive" - noch heftiger als die 2.2er Version) im Vergleich zu den ersten Beta-Versionen geworden. Nicht mehr zu vergleichen mit der betagten ursprünglichen 2.61 Chessmaster Version aus dem Jahr 1998.

Dazu ein kleines Beispiel. In der CSS 6/98 (Seite 35) findet sich eine Stellung, die Karsten Bauermeister damals als Vergleichstest diente.

Studie von L.I. Kubbel, 1914


1.g6!

Der Chessmaster 6000 benötigte 1998 auf einem Pentium 133 ~12 Minuten, die erste Millennium King Engine ~15 Minuten. Um den Engine Fortschritt zu verdeutlichen, die momentan aktuelle Millennium King Engine benötigt nur noch ~5 Minuten für den Lösungszug! Stileinstellung „Activ“.

Nun bleibt die Frage gegen welchen Schachcomputer soll man dieses Gerät ins Feld schicken, um einen Eindruck gewinnen zu können? Die alte Garde ist schlicht und ergreifend chancenlos. Wolfgang hatte es schon erwähnt, selbst der aktuelle Exclusive ChessGenius hat nicht viel zu melden.

OK, dann schauen wir doch mal. Wie wäre es mit dem Revelation Rybka (2.2)? In der SSDF Liste wird dieses Gerät mit 2629 Elo geführt, in der Aktivschach-Elo-Liste lag der Wert bei 2624. Ein starker Taktiker mit einem dynamischen Spielstil und gutem Endspiel.

Zu heftig?

Code:

Aktivschach

Revelation Rybka 2.2  - Millennium The King,activ        5.0 - 5.0    +5/=0/-5    50.00%
Revelation Rybka 2.2  - Millennium The King,normal        5.5 - 4.5    +4/=3/-3    55.00%
Revelation Rybka 2.2  - Millennium The King,offensive    5.5 - 4.5    +4/=3/-3    55.00%

Nein, sieht nicht so aus...

Spielstärke ist gut und schön, aber für mich steht und fällt ein Programm mit dem Spielstil. Und selten hat mich ein Schachcomputerprogramm so begeistern können.

Gruß
Micha

P.S.: Bei dem Wert für die "normal" Einstellung ist mir leider ein Fehler (fehlerhafter Wert eingetragen) unterlaufen. Der BT-Wert für "normal" beläuft sich auf 2491.

Egbert 24.07.2018 03:43

AW: Millennium - The King
 
Hallo Micha,

vielen Dank für die Informationen, wirklich beeindruckend. Die Vorfreude auf das neue "The King -Modul" wächst stetig. :)

Gruß
Egbert

Mythbuster 29.07.2018 17:37

AW: Millennium - The King
 
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Zitat von Egbert (Beitrag 74424)
Die Vorfreude auf das neue "The King -Modul" wächst stetig. :)

Hallo Egbert,
ist ja nicht mehr lange hin ... so alles glatt geht, maximal etwas mehr als zwei Monate ... also passend zur kalten Jahreszeit ist das neue Spielzeug da ... :top:

Gruß,
Sascha

Egbert 29.07.2018 18:58

AW: Millennium - The King
 
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Zitat von Mythbuster (Beitrag 74449)
Hallo Egbert,
ist ja nicht mehr lange hin ... so alles glatt geht, maximal etwas mehr als zwei Monate ... also passend zur kalten Jahreszeit ist das neue Spielzeug da ... :top:

Gruß,
Sascha

Hallo Sascha,

das stimmt. Aktuell verbringt man die Freizeit ohnehin besser im Schwimmbad :D

Gruß
Egbert

Mythbuster 29.07.2018 19:05

AW: Millennium - The King
 
Noch ein paar allgemeine Worte zur aktuellen (endgültigen?) Version. Ich denke, der "neue" King wird die Schachcomputer Freunde hier im Forum begeistern.

Das Ding ist extrem spielstark, keine Frage, wenngleich auch nicht "perfekt", was aber auch langweilig wäre. In der Werbung wird von "Großmeisterniveau" gesprochen … erinnert an die gute alte Zeit, in der die jeweils aktuellen Mephistos ja ebenfalls für Meister und Großmeister geeignet waren … und damals wie heute ist einer der damals Verantwortlichen für die Werbung mit dabei … :D

Ja, ich denke schon, dass das Teil die Elo in unserer Liste erreichen wird ... aber auf der anderen Seite sage ich auch, dass es keine ausgeglichene Bilanz gegen einen 2.500er Spieler aus Fleisch und Blut erreichen wird ... dazu ist vor allem das Endspiel zu schwach ... wie es das schon früher bei den Brettcomputern der Fall war.

Damit wären wir wieder bei der Diskussion über die Genauigkeit bzw. Eichung der Eloliste ... nein, die werde ich hier nicht fortführen ... und trotz meiner Kritik, würde ich sie so belassen, wie sie ist, Punkt!

Um zum King zu kommen ... bzw. zur Werbung für denselben. Statt mit Großmeisterniveau zu werben (sorry, wer unendliche Elo will, kann SF auf dem iPhone, PC oder was auch immer nutzen), sollte man lieber die Stärken hervorheben, denn davon hat er mehr als genug ... die da (meiner Meinung nach) wären:

1. Sehr viele Einstellmöglichkeiten. Letztendlich bietet der King mehr Möglichkeiten als der alte R30 oder ein London ... als Beispiel seien die unterschiedlichen Geschwindigkeiten genannt … und die Spielstufen, in denen nicht das Wissen, sondern die Zahl der berechneten Knoten begrenzt wird … wirklich jeder kann sich den King so "anpassen", dass er "seinen" Gegner bekommt.

2. Nach so vielen Jahren eine komplett neue Engine in einem Brettgerät … dazu noch von JdK, dessen Programme selten und begehrt sind. Ja, die Basis war ein Chessmaster, aber es hat sich dermaßen viel geändert, dass ich den King als komplett neues Gerät bezeichnen würde ... der Unterschied ist jedenfalls größer als zum Beispiel zwischen Mephisto Genius und London ...

3. Schon ab "Werk" bietet er fünf sehr verschiedene Spielstile. Ja, verschiedene Stile gibt es auch bei anderen Geräten ... aber hier merkt man den Unterschied wirklich deutlich. Aber als wenn das nicht reichen würde, gibt es die Möglichkeit, zusätzlich bis zu drei eigene "Persönlichkeiten" zu erschaffen ... das macht Spaß und bringt interessante Ergebnisse zu Tage, über die man lange Diskussionen wird führen können.

Dazu möchte ich nur ein Beispiel nennen: Mit bestimmten Werten ist es möglich, eine Engine zu kreeiren, die im BT Test runde 50 Elo mehr schafft ... dafür aber in ersten "echten" Partien schlechter abschneidet ... was sagt das über den BT Test ... :bigeyes:

4. Der wichtigste Punkt: Jeder, den ich kenne und der mit dem Teil ein paar Partien spielen durfte, hat eines bestätigt: Es macht einfach Spaß mit ihm zu spielen! Sein Stil ist sehr aktiv, teilweise geht es ins Spekulative ... und es macht einfach Laune, gegen ihn zu spielen ... da verzeihen ihm auch starke Spieler mal einen Fehler ... denn selbst ein 2.400 Mensch hat mir bestätigt, dass man jederzeit höllisch aufpassen muss ...

Ich denke, all das sind Dinge, die weit wichtiger sind als die reine Elo … und ich denke, der King wird ein riesiger Erfolg, egal, ob er 2.300 oder 2.600 Elo in der Liste hat … einfach weil er "als Paket" sehr gelungen ist … ich denke, Millennium hätte mehr auf diese Eigenschaften eingehen sollen, dann hätte man Diskussionen, wie sie zum Teil an anderer Stelle bereits geführt werden, vermeiden können …


Beste Grüße,
Sascha

applechess 30.07.2018 09:12

AW: Millennium - The King
 
Zitieren:

Zitat von Mythbuster (Beitrag 74451)
Noch ein paar allgemeine Worte zur aktuellen (endgültigen?) Version. Ich denke, der "neue" King wird die Schachcomputer Freunde hier im Forum begeistern.
[...]
Beste Grüße,
Sascha

Hallo Sascha

Wenn noch mehr solch gute Beiträge kommen, dann werde ich vielleicht
bezüglich eines Kaufs doch noch schwach :)

Gruss
Kurt

Mythbuster 30.07.2018 11:31

AW: Millennium - The King
 
Hallo Kurt,
ganz ehrlich, ich freue mich auf die Auslieferung Anfang Oktober! Einfach deshalb, weil ich es auch kaum abwarten kann, die Meinungen anderer Mitglieder hier zu lesen. Abgesehen vom Rev II ist das hier aus meiner Sicht die coolste Neuerscheinung seit vielen Jahren im Bereich der Schachcomputer, gefolgt vom DGT PI, den ich sehr mag, den ich aber immer als "den Unvollendeten" bezeichne, einfach weil so dermaßen viel Potential von DGT nicht genutzt wurde … ich wünschte, sie wären mit jemanden wie Jürgen eine Zusammenarbeit eingegangen …

Ich habe ja damals den CGE mit deutlichen Worten kritisiert, vor allem die ersten Versionen aufgrund der damaligen Werbung (London etc.) und dass es halt "nur" eine "Smartphone Engine" war. Inzwischen hat RL ja auch hier nachgelegt und dem Programm des CGE eine gewisse Eigenständigkeit verpasst.

Aber der CGE ist mit dem King absolut nicht vergleichbar (sage ich als RL Fan). So sehr ich den CGE (und seine Vorgänger) kritisiert habe, so sehr überzeugt mich der King.

Zumindest gilt das für mich und für meine Anforderungen, die ich an einen Schachcomputer stelle: Ich spiele auch selbst gegen meine Geräte und möchte einen attraktiven Gegner, der nicht mauert und auch mal ein Risiko eingeht … ich denke, der Ausdruck Kaffeehausschach (auf hohem Niveau) trifft es recht gut. Im Spiel gegen Menschen ist die Kiste einfach nur geil …

Wenn man ihn gegen andere Computer / PC Programme auf einem vergleichbaren Level spielen lässt, treten die zwangsläufig auch die Schwächen zutage. Irgendwann setzt die Hardware hier die Grenzen. Aber Chapeau, was JdK aus der beschränkten Hardware gezaubert hat!

Manchmal fragt man sich, warum er eigentlich eine Partie gewonnen hat, da der Gegner eigentlich die Partie im Griff hatte … aber wenn der Gegner einen Fehler macht, ist er oft genug da. Es erinnert mich manchmal an Partien zwischen Mephisto und Fidelity Geräten um 1990, wo der Mephi eigentlich in sicheren Gewässern war und dann der Fidelity plötzlich doch ein Feuerwerk zündelte, das dem Mephisto Probleme machte.

Manchmal ist der Stil durchaus sogar spekulativ bis hin zu Opfern … vor allem in der offensivsten Einstellung. Das erinnert dann schon an den berüchtigten "PSH Algorithmus" des Super Conny, der von F. Friedel scherzhaft in "passt sicher halbwegs" übersetzt wurde. Das macht im Spiel gegen den Menschen viel Spaß … gegen einen gleichstarken Computer kann das aber auch gerne mal "in die Hose gehen" … aber auch das stört mich ehrlich gesagt nicht, es macht die Kiste für mich sogar noch "menschlicher" ... letztendlich ist es ein wenig wie der Mephisto Glasgow auf sehr viel höherem Niveau ... man weiß nie, was das sehr selektive Programm sieht ... und ob es wirklich etwas sieht oder nur spekuliert ... mir macht er jedenfalls unendlich viel Spaß, weit mehr Spaß, als man es mit Elozahlen oder anderen nackten Werten je ausdrücken könnte ...

Statt mit Elozahlen zu werben, sollte Millennium das Ding lieber so bewerben: Der persönlichste und aufregendste Schachpartner, den Sie je hatten!

Das beschreibt das Teil für mich in einem Satz. Denn das Ding ist für mich Emotion pur!

Grüße,
Sascha

Gast 01.08.2018 20:46

AW: Millennium - The King
 
Zitieren:

Zitat von Mythbuster (Beitrag 74453)

Statt mit Elozahlen zu werben, sollte Millennium das Ding lieber so bewerben: Der persönlichste und aufregendste Schachpartner, den Sie je hatten!

Grüße,
Sascha

Genau das habe ich von Anfang an propagiert. Bereits bei der Lang-Engine war es die falsche Marketingstrategie, in der Zeitschrift ROCHADE die Spielstärke in den Vordergrund zu stellen und damit zu werben, wie man mit dem ChessGenius Exclusive die WM-Partien analysieren kann.

Mit dem King-Programm wird der Spielspaß nochmal deutlich unterstrichen und genau das muss man bewerben.

Chessguru 01.08.2018 21:12

AW: Millennium - The King
 
Man sollte ein Produkt sachlich und seriös bewerben, sehe ich ähnlich. Denn die Werbeversprechungen müssen am Tag der Veröffentlichung genau diesen Aussagen standhalten können.

Allerdings verstehe ich unter Sachlichkeit auch, dass eine außenstehende Bewertung für ein Produkt, welches noch nicht offiziell erhältlich ist, ebenfalls korrekt und sachlich dargestellt wird.

Ob es in diesem Zusammenhang seriös ist, Produkttester in ein fragwürdiges bzw. herabsetzendes Licht zu zerren, ohne einen Hintergrund über ihre Spielstärke zu kennen, darüber sollte man eventuell auch einmal nachdenken. Hat man solche Aussagen wirklich nötig?

Kritik ist aus meiner Sicht immer sinnvoll, allerdings sollte diese sachlich gehalten sein, ansonsten verliert man schnell an Glaubwürdigkeit.

Gruß
Micha

Mythbuster 01.08.2018 21:49

AW: Millennium - The King
 
Yep, Aussagen wie, Zitat: Bei diesen Insidern handelt es sich fast ausschließlich um Hobby-Schachspieler, welche teilweise schon mit dem unteren Vereinsniveau zu kämpfen haben. Um trotzdem irgendwie eine Aussage über die Spielstärke des Programms treffen zu können, lassen diese „Insider“ das Programm gegen andere Engines antreten.


... sind weder besonders sachlich, noch sind sie sonderlich fair ... aber gut ... lassen wir das ...

Gast 01.08.2018 23:01

AW: Millennium - The King
 
Zitieren:

Zitat von Mythbuster (Beitrag 74473)
Yep, Aussagen wie, Zitat: Bei diesen Insidern handelt es sich fast ausschließlich um Hobby-Schachspieler, welche teilweise schon mit dem unteren Vereinsniveau zu kämpfen haben. Um trotzdem irgendwie eine Aussage über die Spielstärke des Programms treffen zu können, lassen diese „Insider“ das Programm gegen andere Engines antreten.


... sind weder besonders sachlich, noch sind sie sonderlich fair ... aber gut ... lassen wir das ...

Bitte diese Aussage nicht aus dem Zusammenhang reißen. Wenn man mein Preview komplett liest, findet man auch entsprechende Begründungen.

Anstatt Insider hätte man auch einfach Betatester in der Werbebroschüre schreiben können.

Der Begriff Insider suggeriert beim lesenden Kunden eine fachliche Schach-Kompetenz, welche zum Einschätzen der Spielstärke notwendig ist.

Natürlich finde auch ich einige der gezeigten Engine-Zweikämpfe sehr unterhaltsam und habe die Partien auch in meine Trainings-Seminare einfließen lassen, aber zur Feststellung der Spielstärke ziehe ich, zumindest bei Brettschachcomputern, Partien gegen Menschen vor.

Wenn man sich mal mit den Schachbüchern von Josif Dorfman beschäftigt hat (Die Schachmethode / Der kritische Augenblick), bekommt man einen wesentlich besseren Blick auf die Fähigkeiten der Geräte.

Ich kann hierbei auch nur jedem Schachcomputer-Fan empfehlen, die gespielten Partien mit einem IM oder GM anzuschauen. Gerade im strategischen Bereich sehen diese starken Spieler ziemlich schnell partieentscheidende Defizite und können dies wunderbar erklären. Die Einschätzung eines Meisterspielers über die Spielstärke eines Brettschachcomputers finde ich persönlich glaubwürdiger, als Engine-Zweikämpfe.

Gerade weil diese Brettschachcomputer im Gegensatz zu Stockfish & Co noch schlagbar sind, würde ich mir gerne mehr Testpartien gegen menschliche Spieler wünschen.


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