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  #1  
Alt 20.08.2009, 17:03
Benutzerbild von Tom
Tom Tom ist offline
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Der großartigste Zug der Schachgeschichte



Breslau 1912. Frank Marshall sah zufrieden aus. Levitzky, der die weißen Steine führte, wurde unruhig. Er wusste, wenn sein amerikanischer Kollege, der ein Meister der Kombinationen und Taktiken war, zufrieden war, musste er sich Sorgen machen. Aber was sollte passieren? Levtzky hatte alles genau berechnet, die schwarze Dame und der schwarze Turm standen unter Feuer ..., also konnte es nur gut um ihn stehen. Und dann kam der Schock!

Frank Marshall zog, was man in der Literatur oft als den "großartigsten Zug der Schachgeschichte" beschrieben findet: 1. ... Dg3!!

Levitzky überlegte fieberhaft: Es droht unmittelbar Dxh2 matt.

1. ... Dg3 2. hxg3 Se2 matt
1. ... Dg3 2. fxg3 Se2+ 3. Kh1 Tf8xf1 matt
1. ... Dg3 2. Dxg3 Se2+ 3. Kh1 Sxg3+ und Weiß hat eine Figur weniger.

Levitzky resignierte und gab auf.

Diese wunderbare Stellung sollte man auf seinem Schachcomputer ausprobieren. Alle Geräte, die den Zug 1. ... Dg3 mitsamt Folgezügen innerhalb vernünftiger Zeit (vielleicht 3-5 Minuten) finden, dürfen sich fortan "taktische Genies und Meister der Kombination" nennen.

Gruß Tom

(PS: Der Atlanta findet den Zug sofort.
Textquelle: frei zitiert aus "Teste Dein Schach", J.N.Walker, S. 57)
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  #2  
Alt 20.08.2009, 17:55
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BlackPawn BlackPawn ist offline
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

Hallo Tom,

das ist Schachkunst vom Allerfeinsten...einfach nur grossartig.

Und damals gab es noch keine PCs, keine Datenbanken und so'n Kram...das mussten die sich definitiv wirklich selber ausdenken!
__________________
Gruss,
René
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  #3  
Alt 20.08.2009, 18:08
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Feuerstein Feuerstein ist offline
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

Hallo Tom,

ich habe Deine Überschrift gelesen und dann mal den Test probiert, schnell die Notatation und Deinen Text weggemacht und nach Mattzügen gesucht und erstmal nichts gefunden, konnte ich auch nicht..... weil ich es mit Weiss probiert habe.

Die anschließende Suche mit Schwarz brachte nach etwa 4 Min das Ergebnis. Ehrlich im normalen Spielbetrieb hätte ich diese Chance übersehen.

Danke für den Spaß
Fred
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Schach ist ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann. - Indisches Sprichwort
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  #4  
Alt 20.08.2009, 19:34
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

Eine nette Stellung.

Zuerst war ich etwas über die schnellen Lösungszeiten unserer kleinen Freunde verwundert.
Bloß ist für einen „eiskalten Rechner“ die Stellung relativ trivial. Er muss nicht einmal sonderlich tief rechnen.

Für Menschen ist der Zug absurd, geradezu skurril – ich wäre niemals darauf gekommen...

Berling Pro 68020: sofort
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Designer 2265 – Gurke: 1Min 30 Sek.

Gruß
Björn
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  #5  
Alt 21.08.2009, 09:36
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

 Zitat von Tom Beitrag anzeigen

Frank Marshall zog, was man in der Literatur oft als den "großartigsten Zug der Schachgeschichte" beschrieben findet: 1. ... Dg3!!
Krass!

Grüße, Olaf
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  #6  
Alt 21.08.2009, 11:11
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Robert Robert ist offline
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

 Zitat von Tom Beitrag anzeigen
Frank Marshall zog, was man in der Literatur oft als den "großartigsten Zug der Schachgeschichte" beschrieben findet: 1. ... Dg3!!
Der Zug schaut so widersinnig aus, dass ich mich unwillkürlich frage, wieviele Spitzenspieler ihn finden würden (ohne die Partie zu kennen)

Der Normal-Spieler blendet solche Züge ja fast schon automatisch in seinem Denkprozeß aus.


viele Grüße,
Robert
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  #7  
Alt 22.08.2009, 08:40
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

Im Nachhinein beschäftigt mich hier wie es wohl zu dieser Stellung gekommen ist. Wie konnte schwarz in die Situation kommen, daß zwei seiner Figuren angegriffen wurden?

Was war der letzte Zug von Weiß? Diese Frage beschäftigt mich. Denkt auch Ihr mal darüber nach.

Da ich über keine Datenbanken verfüge, wäre es schön, wenn jemand mal die komplette Partie einstellen könnte.
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  #8  
Alt 22.08.2009, 09:44
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

 Zitat von Matze Beitrag anzeigen
Im Nachhinein beschäftigt mich hier wie es wohl zu dieser Stellung gekommen ist. Wie konnte schwarz in die Situation kommen, daß zwei seiner Figuren angegriffen wurden?

Was war der letzte Zug von Weiß? Diese Frage beschäftigt mich. Denkt auch Ihr mal darüber nach.

Da ich über keine Datenbanken verfüge, wäre es schön, wenn jemand mal die komplette Partie einstellen könnte.
Bitte sehr:


__________________
Gruss,
René
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  #9  
Alt 22.08.2009, 11:39
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

Hallo Tom,
ich kannte diesen Zug bereits (vermutlich wie viele andere auch) aus dem Begleitbuch zum Polgar (Seite 67)!

Es ist aber immer wieder schön solche geniale Momente "mit erleben" zu dürfen!

Ein wirklich tolles Stück Schachgeschichte!

Gruß,
Boris
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  #10  
Alt 22.08.2009, 15:50
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AW: Der großartigste Zug der Schachgeschichte

@René: Danke für das Posten der Partie!

@all: Danke für die zahlreiche Teilnahme!

In der Tat ist auch für mich dieser Zug (wobei ich nur die Stellung kannte, nicht jedoch die gesamte Partie, die aber vermutlich auch bei Jan Timmans kostenloser Partiendatenbank www.chessgames.com gespeichert sein dürfte) absolut "shocking". Marshall rennt scheinbar vom Regen in die Traufe und gewinnt!

Die Kunst der alten Meister wird in der heutigen, computerdominierten Zeit m.E. ein wenig unterschätzt, und man behauptet, sie hätten "nur" kombiniert, jedoch nichts von Positionsspiel verstanden. Berücksichtigt man aber die Tatsache, dass Kombinationen nur aus gesunden bzw. überlegenen Stellungen heraus möglich sind, erscheinen die alten Meister in einem ganz anderen Licht.

Paul Morphy war der erste Spieler, der die Schachwelt dominierte wie kein anderer. Er war "Weltmeister" im wahrsten Sinne des Wortes. Er spielte alle Konkurrenten in USA und Europa in Grund und Boden (Russland spielte damals schachlich noch nicht so die Rolle wie heute). Ich habe heute einige seiner Partien auf meinem Gerät nachgespielt und die entsprechenden Texte zu den Begleitumständen aus dem Buch "Die Weltmeister des Schachspiels" gelesen und bin begeistert. Nicht nur die Partien sind klasse, sondern auch die Texte.
Sehr empfehlenswert!

@Marshalls Zug: Ich glaube auch, dass viele schwächere Brettis den Zug relativ schnell finden, obwohl er für Menschen schwer verständlich ist. Deshalb habe ich geschrieben, dass sie sich "Genies" nennen dürfen, wenn sie den Zug finden, um den kleinen Brettis psychologisch ein wenig aufzuhelfen!

Gruß Tom
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