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Alt 09.01.2017, 14:58
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Liebe Schachfreunde

Gerne beschäftige ich mich mit den alten Zeiten des Computerschachs. Und für Interessierte lasse ich das hier etwas aufleben. Gut in Erinnerung geblieben sind mir die Einsätze von Schachcomputern an unseren internen Klub-Turnieren. Machen wir also eine Reise zu diesen alten Partien, die ich alle kommentiert hier präsentiere.

Die Kommentare sind in Englisch/Deutsch abgefasst, was ich wegen der zusätzlichen Bearbeitungszeit belasse, denn die Partien gehen auch nach Übersee.

Das im Jahre 1986 erste zum Einsatz kommende Gerät war der frisch gekürte Weltmeister Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz von Richard Lang.

Die 1. Partie im Klubturnier sollte für das Computerprogramm keine grosse Hürde darstellen ... aber man sehe selbst.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "1"]
[White "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Black "Kindler, Udo"]
[Result "0-1"]
[ECO "A40"]
[WhiteElo "2000"]
[BlackElo "1751"]
[Annotator "Utzinger,K"]
[PlyCount "46"]
[EventDate "1986.??.??"]

1. d4 {Club Tournament Pfaeffikon 1986; Mephisto Amsterdam 16bit with the
68000 CPU vs Udo Kindler, ELO 1751; Considering the ELO rating of Mephisto
Amsterdam, this game should be a clear win for the computer. But Udo Kindler
likes gambits and unusual openings, he is good at tactics and an excellent
blitz player. And indeed: the first game was a great disappointment for all
chess computer fans. Mephisto Amsterdam had never a chance to show his good
manners and clearly lost a bad played game. / Von der ELO-Wertung her eine
klare Sache zugunsten des Computers. Der Schwarz-Spieler, ELO 1751, wendet
stets Gambite oder ungewoehnliche Eroeffnungen an, ist ein guter Taktiker und
excellenter Blitzspieler, der in dieser Sparte regelmaessig 2000 ELO-Gegner
erledigt. Und tatsaechlich: die erste Partie war eine herbe Enttaeuschung fuer
die Computerfans, denn Mephisto Amsterdam verlor auf klaegliche, eines
Weltmeisters unwuerdige Art und Weise.} e5 2. dxe5 Nc6 3. Nf3 d6 (3... Qe7 4.
Nc3 Nxe5 5. e4 c6 {is a more common continuation but Udo Kindler does not want
to regain the pawn with a better position for White. Instead he plays a gambit
to get a lead in developement and active placed pieces / ist die ueblichere
Fortsetzung, doch Udo Kindler will nicht den Bauern zurueck mit besserer
Stellung fuer Weiss. Stattdessen spielt er ein Gambit, um die bessere
Entwicklung und aktiver postierte Figuren zu erhalten.}) 4. Bg5 {This is of
course not a fault but after black's answer the half open f-file will be to
black's advantage. Therefore it was more solid to reply 4.Bf4 and to force
Black to clarify the situation in the centre. / Fraglich, die erzwungene
Oeffnung der f-Linie dient nur dem schwarzen Angriff, weshalb es besser war,
Schwarz durch 4.Lf4 zur Klaerung der Situation im Zentrum zu zwingen.} f6 5.
exf6 Nxf6 6. Nc3 Be7 7. e4 {OK although 7.e3 - keeping the squares d4 and f4
under control - looks somewhat more solid. / In Ordnung, obwohl 7.e3 - was die
Felder d4 und f4 kontrolliert - etwas solider erscheint.} O-O 8. Bc4+ {Gaining
a tempo but In view of the coming Bc8-g4, 8.Be2 was maybe safer / Gewinnt ein
Tempo, doch der die Fesslung vermeidende Zug Le2 war vielleicht vorzuziehen.}
Kh8 9. O-O Bg4 10. Be3 Bh5 11. h3 {Not the best move and only weakening the
king position. Why not simply the unpinning 11.Be2 / Nicht das Beste und nur
die Koenigsstellung schwaechend. Weshalb nicht einfach der Entfesslungszug 11.
Le2} Qd7 {Prevents g2-g4 on account of Nxg4 / Verhindert g4 wegen Sxg4} 12. a3
{?! To repeat me: 12.Be2 looks better / Um mich zu wiederholen: 12.Le2 sieht
besser aus.} Rae8 {Black is a pawn down but has actively placed pieces.
Nevertheless should it still be possible for white to at least equalize by 13.
Be2 when it is not clear whether Black has sufficient compensation for the
material / Durch Mephisto Amsterdam's Spielweise gelang es dem Schwarzen, sich
zu entwickeln und die Figuren gut aufzustellen. Trotz allem ist es fraglich,
ob nach dem Entfesslungszug 13.Le2 Kindler genuegend Kompensation fuer den
Bauern gehabt haette.} 13. Kh2 {What the hell is the king doing here? / Was
zum Teufel will der Koenig hier?} Bd8 {[#] Now black's pieces exert enormous
pressure on white's centre and there is no alternative for Mephisto Amsterdam
but to give back the pawn / Nun ueben die schwarzen Figuren enormen Druck auf
das weisse Zentrum aus und es gibt nichts anderes für Mephisto Amsterdam als
den Bauern zurueckzugeben.} 14. Qd3 {?? A horrible mistake just losing the
game / Ein schrecklicher Fehler, der einfach zum Partieverlust fuehrt.} (14.
Be2 Nxe4 15. Nxe4 Rxe4 {was the best continuation with about an equal position
/ war die beste Fortsetzung mit etwa ausgeglichener Stellung}) 14... Bxf3 15.
gxf3 Ne5 $19 {Gaining an important tempo for the attack. / Gewinnt fuer den
Angriff ein wichtiges Tempo.} 16. Qe2 Nh5 {Mephisto Amsterdam has allowed his
opponent to demolish white's kingside. Some players were laughing when they
saw this bad position for white: this should be the computer world champion? /
Nach der von Mephisto Amsterdam angestrebten Abwicklung ist die weisse
Stellung mit zersplittertem Koenigsfluegel zu einer unheilbaren Ruine geworden.
Einige Spieler konnten sich nicht verklemmen, die schwache Vorstellung des
Computer-Weltmeisters mitleidig zu belaecheln.} 17. Rh1 (17. f4 {does not help
after / hilft nichts wegen} Nxf4 18. Bxf4 Rxf4 19. f3 Rh4 {-+}) 17... Nxf3+ {
Even stronger was of course 17...Rxf3 / gar staerker war natuerlich 17...Txf3}
18. Kg2 Nf4+ (18... Nh4+ 19. Kg1 Rf3 {wins too but is more complicated /
gewinnt ebenfalls, ist aber komplizierter}) 19. Bxf4 {Forced / Erzwungen} Rxf4
{White has such a bad position that it's no longer possible to find a
satisfacory defence / Die weisse Stellung ist derart schlecht, dass es keine
befriedigende Verteidigung mehr gibt} 20. Qe3 Nh4+ {Black has already several
ways to win here. / Schwarz hat hier schon mehrere Wege zum Sieg.} 21. Kg1 {or}
({a)} 21. Kh2 Rf3 22. Qxa7 Qxh3+ 23. Kg1 Qg2#) ({b)} 21. Kf1 Rf3 22. Qd2 Rxh3
23. Rxh3 Qxh3+ 24. Ke2 Qf3+ 25. Ke1 Ng2+ 26. Kf1 Nf4 {-+}) 21... Rf3 22. Qe2
Rxh3 23. Be6 {Desperation / Verzweiflung} (23. Rxh3 Qxh3 24. f4 Nf3+ 25. Kf2
Nd4 {and in view of the threat ...Bh4+ White loses his queen / und angesichts
der Drohung ...Lh4+ verliert Weiss seine Dame}) 23... Qxe6 0-1


Geändert von applechess (10.01.2017 um 17:12 Uhr)
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Mapi (09.01.2017), RetroComp (09.01.2017)
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Alt 10.01.2017, 14:09
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Gerne beschäftige ich mich mit den alten Zeiten des Computerschachs. Und für Interessierte lasse ich das hier etwas aufleben. Gut in Erinnerung geblieben sind mir die Einsätze von Schachcomputern an unseren internen Klub-Turnieren. Machen wir also eine Reise zu diesen alten Partien, die ich alle kommentiert hier präsentiere.

Das im Jahre 1986 erste zum Einsatz kommende Gerät war der frisch gekürte Weltmeister Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz von Richard Lang.

Hier nun die 2. Partie im Klubturnier Pfäffikon ZH gegen den Turnierfavoriten.

[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon (publiziert)"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "2"]
[White "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Black "Hugentobler, Patrik"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "2000"]
[BlackElo "2120"]
[ECO "B05"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.e4 Nf6
{Gegen den Turnierfavoriten mit 2120 ELO gab ich dem Mephisto Amsterdam keine Chance, insbesondere nachdem der Computerschach-Weltmeister in der ersten Runde mit Weiss gegen einen 1751 ELO-Spieler schmachvoll schwach spielend verloren hatte.}
2.e5 Nd5 3.d4 d6 4.Nf3 Bg4 5.Be2 c6
{Eine interessante Idee von Salo Flohr. Schwarz ist bereit, das Laeuferpaar aufzugeben mit Lxf3, um dann nach dxe5 Druck auf den weissen e5-Bauern auszuueben und die Entwicklung zu vollenden.}
6.Ng5
( 6.O-O Bxf3 7.Bxf3 dxe5 8.dxe5 e6 9.Qe2 Nd7 {ist die normale Hauptvariante.} )
6...Bf5
( 6...Bxe2 7.Qxe2 dxe5 8.dxe5 e6 9.O-O Nd7 {ist eine ebenfalls noch bekannte Theorievariante, doch Theoriekenner Patrik Hugentobler waehlt die populaerste Antwort} )
7.Bg4
{Mephisto Amsterdam ist noch immer in der Eroeffnungsbibliothek, waehrend P.Hugentobler zum ersten Mal zur Denkarbeit gezwungen wird. Denn so hat noch niemand gegen ihn gespielt. Die ueblichen Zuege hier sind 7.Ld3 oder das unklare 7.e6.}
7...Bxg4 8.Qxg4
{Weiss letzter Buchzug}
8...h6
{Der gefaehrliche Springer soll weichen, bevor er am Koenigsfluegel noch Schaden anrichten kann.}
9.Nf3
{Eine vernuenftige Antwort. In Frage kam auch 9.Se4 oder gar das unklare 9.Dh3}
9...Qd7
{Hugentobler ist stark im Endspiel mit viel Geduld und wuerde deshalb den Damentausch begruessen. Allerdings hinterlaesst der Textzug einen leicht gekuenstelten Eindruck, denn Weiss wird nicht so dumm sein, die Damen zu tauschen und den gegnerischen Sb8 gratis zu entwickeln. So wird die schwarze Dame bald wieder ziehen und ein Tempo verlieren muessen.}
10.Qe4 e6 11.O-O Qc7
{Macht das Feld d7 fuer den Sb8 frei und bereitet die Entwicklung seines Koenigsfluegels vor. Der Computer hat die Eroeffnung ganz ansprechend behandelt und leichtes Uebergewicht erzielt; der Schwarze war mit seiner Stellung nicht ganz zufrieden.}
12.c4
{Gut gespielt: Weiss erhoeht seinen Einfluss im Zentrum und vertreibt den stark stehenden d5-Springer, der nicht auf das uebliche Feld nach b6 ziehen darf.}
12...Nb4
{Das ist aktiver als der Rueckzug 12...Se7, aber ebenfalls mit Nacheilen behaftet, was das Computerprogramm allerdings nicht ausnutzt.}
( {Nach} 12...Nb6 $2 13.exd6 Qxd6 14.c5 Qd5 15.Qf4 Nc8 16.Ne5 {liegt die schwarze Stellung schon fast in Truemmern.} )
13.a3
{!? Schade fuer die verpasste Gelegenheit, mit 13.exd6 die klar bessere Stellung zu erhalten.}
( 13.exd6 Bxd6 14.a3 N4a6 15.c5 Be7 16.Qg4 g6 17.Bf4 Qd8 18.Nc3 {+/-} )
13...d5
{! Diesen das Zentrum schliessenden Zwischenzug, der die wichtigsten Probleme von Schwarz loest, hat Mephisto Amsterdam nicht beachtet.}
( )
14.Qe2 N4a6 15.Bf4
{?! Dies dient keinem ersichtlichen Zweck. Hugentobler erwartete c5 oder cxd5 mit weissem Vorteil. Jetzt nimmt Schwarz nach dem Tausch auf c4 das starke Feld d5 in Beschlag.}
15...dxc4 16.Qxc4
( 16.Nfd2 b5 17.Nc3 Qd7 18.Nde4 {war eine starke Alternative, die einem Computerprogramm des Jahres 1986 natuerlich nie und nimmer in den Sinn gekommen waere.} )
16...Nd7 17.Nbd2
{Logischer scheint 17.Sc3 und das Feld d5 ist unter Kontrolle}
17...Nb6 18.Qc2 Nd5
( 18...g5 19.Be3 O-O-O {waere eine Variante fuer agressiv eingestellte Spieler.} )
19.Bg3 c5
{Eine Befreiungsaktion, bevor der Einengungszug b2-b4 moeglich ist. Der durch den Computer nun eingeleitete Damentausch erleichtert das schwarze Spiel; andererseits ist nicht zu sehen, wie Weiss seine Stellung verstaerken koennte.}
20.Qa4+ Qd7 21.Qxd7+ Kxd7
{P.Hugentobler hat den Damentausch erreicht und muss sich nun vor überraschenden Angriffen keine Sorgen mehr machen.}
22.Rfc1
( 22.Nc4 {um einen Turm auf die d-Linie zu bringen - wo der schwarze Koenig steht - war eine dem Textzug zu bevorzugende Alternative} 22...Be7 23.Rad1 {=} )
22...Rc8 23.Rc4
{?! Die Einleitung zu einem verfehlten Plan mit Turmverdoppelung auf der c-Linie. Mephisto Amsterdam uebersieht vollkommen den 24.Zug von Schwarz}
23...Be7 24.Rac1
{? Hier gab es bessere Alternativen wie 24.dxc5 oder 24.Se4}
24...b5
{! Die fuer den Computer ueberraschende Antwort}
25.R4c2 c4
{Das Blatt hat sich gewendet. Dank der Bauernmehrheit am Damenfluegel und dem "toten" weissen Lg3 steht nun Schwarz besser.}
26.Ne4 Nb8 27.Nc3 a6 28.a4
{Zweckmaessiger scheint der Springertausch im Zentrum 28.Sxd5 exd5 mit nur leichtem schwarzen Vorteil. Immerhin koennte Weiss in der Folge seine Bauernmehrheit am Koenigsfluegel nach genuegender Vorbereitung ebenfalls in Bewegung setzen}
28...Nb4
{Alles scheint sich plangemaess abzuspielen. Der schwarze Sb4 wird sich auf d3 einnisten, der schwarze b5-Bauer rueckt nach b4 vor und es waere nur noch eine Frage der Zeit, bis das schwarze Uebergewicht am Damenfluegel die Entscheidung herbeifuehren wuerde. Voellig ueberraschend gibt nun Mephisto Amsterdam die Qualitaet, laesst sich somit nicht erdruecken, macht die Lage kompliziert und spannend.}
29.axb5
{Diese Ueberraschung haette ich vom ansonsten zaghaft agierenden Mephisto Amsterdam nicht erwartet.}
29...Nxc2 30.Rxc2 axb5 31.Nxb5 Bb4
{Die heutigen (2017) Computerprogramme bevorzugen 31...Sc6 in dieser Stellung.}
( 31...Nc6 32.Rxc4 Na7 33.Rxc8 Rxc8 34.Nc3 Bb4 35.Bf4 Bxc3 36.bxc3 Rxc3 {-+} )
32.Nd6
{?! Nach nur drei Minuten Bedenkzeit eine schwer wiegende Entscheidung, da der auf d6 entstehende Freibauer zur Schwaeche neigt}
32...Bxd6 33.exd6 f6
{Nimmt dem Gegner das wichtige Zentrumsfeld e5}
34.Nd2
{Weiss will wenigstens den c4-Bauern abholen.}
34...Rc6 35.Rxc4 Rxc4 36.Nxc4 Kc6 37.Kf1
( 37.Ne3 Nd7 38.Kf1 Rb8 39.Ke2 Rxb2+ 40.Kd3 {sieht auf lange Frist betrachtet auch nicht besser aus.} )
37...Nd7
{? Kurz vor der Zeitkontrolle eine fuer Patrik Hugentobler unuebliche Ungenauigkeit, denn 37...Kd5 haette hier den Kampf viel rascher entschieden; so kommt es gar zum Partieabbruch und Schwarz muss sich noch lange plagen.}
38.Ke2 Kb5
{!? Etwas besser war 38...Tb8}
39.Kd3 Rc8 40.Ne3 Kb4
{Genauer waren 40...Tb8 oder 40...Kc6}
41.d5
{?! Weiss kann leider nicht still halten, was mit 41.f4 oder 41.Sd1 vorzuziehen war.}
41...Nc5+ 42.Kd2 e5 43.f4
{Etwas ueberraschend, aber durchaus nicht schlecht.}
43...Ne4+ 44.Kd3 Nc5+
{Hier wurde die Partie abgebrochen.}
45.Ke2 Nd7 46.fxe5 fxe5 47.Kd3 Kc5 48.Nf5 $6
{Verhindert Kxd5 wegen der Gabel Se7+. Aber mit 48.Le1 konnte Weiss dem Gegner das Leben noch schwerer machen. Die Erzielung des Gewinns erfordert nun ploetzlich viel Arbeit.}
48...Rb8 49.Kc3
{Wie soll das Programm auch erkennen, dass es wichtiger war, die schwarzen Bauern am Koenigsfluegel zu beseitigen, statt den unnuetzen Bauern auf b2 zu halten. Da die Partie auf jeden Fall verloren war, kann man dem Computer keinen Vorwurf machen. Wie man sieht, muss sich der Turnierfavorit weiterhin gehoerig anstrengen, bis der volle Punkt im Trockenen ist}
49...g6
{! Eine starke Erwiderung}
50.Nxh6 Kxd6 51.Ng4 Kxd5 52.Ne3+ Ke4 53.Ng4 Rc8+ 54.Kd2 Rc5 55.h3 Rd5+ 56.Kc2
{Der weisse Koenig muss bei seinem b-Bauern bleiben.}
56...Rb5 57.Kc3 Ra5 58.Nf2+ Kd5 59.Nd3 Ra1 60.b3 Rg1
{Sieht entscheidend aus, aber ...}
61.Bh2
{! Eine unerwartete Riposte mit einer boesartigen Falle, sollte der Turm auf g2 zugreifen.}
61...Rf1
( 61...Rxg2 62.Bxe5 Nxe5 {?} 63.Nf4+ Ke4 64.Nxg2 )
62.Nb4+
{? Schade, richtig war 62.Lg3 und Schwarz hat es viel schwerer. Das Eindringen des schwarzen Koenigs nach e4 haette Weiss nicht zulassen duerfen.}
62...Ke4 63.Nd3 Rf5 64.Bg1
{Geschickt haelt Mephisto Amsterdam die Einbruchspforten verschlossen}
64...Rf1 65.Bh2 Rf6
{Stark, damit der Turm wieder auf den Damenfluegel schwenken kann}
66.Ne1 Ke3
( {Schneller haette} 66...Rf2 67.Bg3 Re2 68.Kc4 Nf6 69.b4 Nh5 70.Bxe5 Kxe5 71.Nd3+ Kd6 {gewonnen.} )
67.Bg3 Rc6+ 68.Kb2 Rc8
{Weiss geraet langsam in Zugzwang und gegen das weitere Vorruecken des schwarzen e-Bauern ist der Computer machtlos}
69.Nc2+ Ke2 70.b4 e4 71.Bf4 Nb6
{Nun eilt gar noch der Springer zu Hilfe, der je nach den Umstaenden auf c4 oder d5 opimale Felder findet.}
72.Ne3 Kd3 73.Kb3 Rc3+ 74.Ka2 Nc4
{Das Ende naht ...}
75.Nd5 Rc2+ 76.Kb3 Rxg2 77.b5 Rb2+ 78.Ka4 e3 79.Nb4+
{Nach dem naechsten Zug von Schwarz habe ich die Partie abgebrochen, da der Schwarzspieler auch die zweite Zeitkontrolle unbeschadet ueberstanden hat. P. Hugentobler war voll des Lobes ueber die Leistung von Mephisto Amsterdam, und nach diesem Kampf erhoehte sich auch bei den kuenftigen Gegnern der Respekt vor dem Elektronenhirn. Resultatmaessig konnte man natuerlich nicht zufrieden sein, denn 0 Punkte aus 2 Partien verheissen nichts Gutes fuer den weiteren Turnierverlauf.}
79...Ke4 0-1

Geändert von applechess (11.01.2017 um 08:02 Uhr)
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Egbert (10.01.2017), RetroComp (10.01.2017)
  #3  
Alt 10.01.2017, 23:14
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Hier nun die 3. Partie im Klubturnier Pfäffikon ZH. Ein dramatischer Kampf voller Hochspannung, die meine Nerven als Bediener bis zum äussersten strapazierten.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "3"]
[White "Scheidegger, Andreas"]
[Black "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "1989"]
[BlackElo "2000"]
[ECO "C47"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.e4
{Andreas Scheidegger, ELO 1989, pflegt einen aktiven, dynamischen Stil}
1...e5
{Wie froh war ich, dass Mephisto Amsterdam nicht die Sizilianische Verteidigung waehlte gegen einen Spezialisten des Morra-Gambits}
2.Nf3 Nc6 3.Nc3 Nf6 4.d4 exd4 5.Nd5
{Das so genannte Belgrader-Gambit im Vierspringer-Spiel, falls Schwarz auf e4 schlaegt. Die Annahme kann man nur jenen empfehlen, welche diese Variante studiert haben, ansonsten die Gefahr eines raschen Untergangs gross ist.}
5...Be7
{Gluecklicherweise verzichtet das Computerprogramm auf das scharfe und von Weiss anvisierte 5...Sxe4}
6.Bc4 O-O 7.O-O d6 8.Nxd4 Nxd4 9.Qxd4 Nxd5
{Der Mephisto Amsterdam hat das Gambit nicht angenommen und soeben den letzten Zug aus der Bibliothek gespielt.}
10.Bxd5 Bf6
{Logisch, dass Schwarz seinen Laeufer auf die gute Diagonale stellt.}
11.Qd3 Qe7 12.c3
{Hebt den Druck gegen b2 auf und schraenkt damit auch die Beweglichkeit des gegnerischen Lf6 ein.}
12...Re8
{Druck gegen den weissen e4-Bauer, ein guter Zug von Mephisto Amsterdam.}
13.Bf4 a6
{Dient keinem besonderen Zweck. Wenn schon ein Zug mit dem a-Bauer, dann war 13...a5 gut, um dem raumgreifenden b2-b4 des Gegners zu begegnen. Gut war aber einfach 13...Tb8, damit b7 deckend zur Vorbereitung der Entwicklung des weissfeldrigen Laeufers.}
( 13...c6 {?! verliert einen Bauer nach} 14.Bxd6 Qd8
( 14...Qxd6 {??} 15.Bxf7+ Kxf7 16.Qxd6 {und die schwarze Dame ist futsch.} )
15.Bb3 Be6 16.Bc2 g6 )
14.Rae1 Rb8
{Der Lc8 soll endlich zur Entwicklung gelangen.}
15.Bb3 Be6
{Trotz des getadelten 13...a6 hat Schwarz die Eroeffnung gut gemeistert und eine fast gleichwertige Stellung erlangt.}
16.Bc2
{Mit dem toedlichen Plan e4-e5 mit Angriff auf den Lf6 und der Mattdrohung Dxh7.}
16...Be5
{Geht so den unguenstigen Verwicklungen nach ...Lxa2 aus dem Weg. Eine gute Alternative war hier jedoch auch 16...g6, womit gleichzeitig dem Koenig ein Luftloch geoeffnet wird.}
( 16...Bxa2 {?!} 17.b3 {schliesst den Laeufer ein} 17...Be5 18.Bxe5 Qxe5 19.Qd2 Qe6 20.Qd5 Qxd5 21.exd5 Rxe1 22.Rxe1 {bald gefolgt von Te1-a1, was Schwarz zwingt, den Laeufer mit Lxb3 herzugeben.} )
17.Bc1 Bxa2
{? Bis zum 16.Zug hatte Mephisto Amsterdam 33 Min. verbraucht, weshalb es nicht verstaendlich ist, einen derart waghalsigen Bauerngewinn innert 99 Sekunden auszuspielen. Die folgende weisse Antwort lag auf der Hand, auch musste stets der Laeuferfang mit b3 usw. untersucht werden}
18.f4
{A.Scheidegger hat Vorteil und eine dynamische Stellung erreicht, die ihm eigentlich liegt.}
18...Qe6
{à tempo}
19.b3
{Weiss stand vor einer schwierigen Wahl und er entscheidet sich, den gegnerischen Laeufer einzuschliessen. }
( 19.fxe5 {!?} 19...Bc4 20.Qd1 Bxf1 21.Rxf1 Qxe5 {mit einer schwer abschaetzbaren Stellung; materiell herrscht Gleichstand, denn fuer die verlorene Qualitaet hat Schwarz zwei Bauern, doch besitzt Weiss das Laeuferpaar und ich tendiere auf weissen Vorteil.} )
19...Bxb3 20.Bxb3 Qxb3 21.fxe5 Rxe5
{Nach beendeter Schlaegerei besitzt Mephisto Amsterdam drei Bauern fuer die Figur; Weiss versucht nun einen Koenigsangriff, wobei er viel Zeit fuer die einzelnen Zuege investiert. Schon hier zeichnet sich ab, dass die komplexe Partie wohl kaum mit Remis ausgehen duerfte.}
22.Bf4
{Wie die Alternative 22.Le3 zu bewerten ist, vermoegen nur tiefere Analysen zu zeigen. Intuitiv gefaellt mir Le3 besser.}
22...Rc5
{Mit Doppelangriff auf den c3-Bauer. Es herrscht Hochspannung auf dem Brett. Die Klubmitglieder verfolgten den weiteren Gang der Dinge mit grossem Interesse. In dieser komplizierten Stellung schlagen die heutigen Schachprogramme des Jahres 2016 den Bauernvorstoss 23.e5 vor und bevorzugen klar die weisse Stellung.}
23.Re3
{Ein verstaendliches Manoever, mit dem der c3-Bauer gedeckt und der moegliche Turmschwenk nach g3 oder h3 vorbereitet wird.}
23...Qb6
{Weshalb nicht das noch bessere 23...Dc4?}
24.Kh1
{Dass Weiss den Damentausch nach 24.Dd4 Tb5 vermeiden will, ist erklaerbar, denn Weiss traeumt vom Koenigsangriff. Objektiv betrachtet ist 24.Kh1 aber die schliesslich schlechtere Wahl, denn eigentlich verfehlt Weiss mit diesem Zug seinen Wunsch, den Damentausch zu vermeiden, den Schwarz nun mit ...Db5 haette erzwingen koennen.}
( {a) Mit} 24.Rb1 Rxc3
( 24...Rb5 25.Rxb5 axb5 26.e5 dxe5 27.Bxe5 {+=} )
( 24...Qc6 25.e5 dxe5 26.Bxe5 Re8 27.Rbe1 {+=} )
25.Rxb6 Rxd3 26.Rxd3 cxb6 27.Rxd6 {konnte Weiss noch immer das bessere Spiel haben. Doch fuer A.Scheidegger war der Wegzug seines Turms von der halboffenen f-Linie und der Uebergang in ein Endspiel keine erstrebenswerte Option.} )
( {b) } 24.Qd4 Rb5 25.Qxb6 Rxb6 26.e5 d5 {zumindest unklar} )
24...Re8
( 24...Qb5 25.Qd1 Re8 {macht einen gar noch besseren Eindruck} )
25.Rh3
{? Damit geraet Weiss auf die schiefe Bahn. Es gab nur zwei Optionen, um den Kampf gleichwertig zu gestalten, naemlich 25.e5 und 25.Tg3.}
25...Qb5 26.Qf3
{? Andreas Scheidegger war mit seiner Stellung zufrieden, uebersah jedoch, dass die weisse Dame an die Deckung des wTf1 gebunden ist, was der Gegner zu einem erneuten Bauerngewinn nutzt. Deshalb haette Weiss die Damen tauschen und in ein schwieriges Endspiel einklenken sollen.}
26...Rxc3
{Das haette Schwarz nicht haben duerfen}
27.Be3
{Natuerlich nicht Dxc3 Dxf1 Matt}
27...Qc4
{? Mit Doppelangriff auf e4, aber dieser Damenzug ist nicht gut und raeumt dem Gegner wieder gute Remischancen ein. Deshalb haette Schwarz zu dem die f-Linie blockierenden Bauernzug 27...f6! greifen muessen.}
28.Qf5 h6
{?! Eine unbedachte Verteidigung anstelle von 28...Kf8. Nun herrscht das Gefuehl vor, als ob die schwarze Koenigsstellung kurz vor dem Zusammenbruch steht. Es gelingt dem Weissen allerdings nicht, die Entscheidung zu erzwingen, zudem kam er langsam in Zeitnot und schon hier spuerte man, dass sich bald ein Drama abspielen wird ...}
29.Rf4
{?! Verpasst die letzte Ueberlebenschance mit 29.Tg3.}
( 29.Rg3 Qe6
( 29...Rxe4 30.Qf6
( 30.Qc8+ Kh7 31.Qf5+ Kg8 32.Qc8+ Kh7 33.Qf5+ Kg8 34.Qc8+ {Remis 3x} )
30...Qxf1+
( 30...g6 31.Rxg6+ )
31.Qxf1 Rexe3 32.Rxe3 Rxe3 33.Kg1 Re6 {unklar} )
30.Rxg7+ Kxg7 31.Bd4+ Kf8 32.Bxc3 Qxf5 33.exf5 {und in diesem Endspiel koennte noch alles passieren.} )
29...Rb3
{? Wirft die Fruechte des Spiels wieder weg.}
( {Nach} 29...Qe6 30.Qh5 Qb3 {bliebe Schwarz am Druecker} )
30.Rg3
{Droht gewaltig Df6, so dass die folgende Antwort erzwungen ist.}
30...Qe6 31.Qh5 Rb1+
{Nach einem ruhigen Zug oeffnet Weiss fuer seinen Koenig ein Luftloch und dann werden die Drohungen gegen den schwarzen Koenig wieder sehr real, so dass Schwarz bereits um das Remis kaempfen muesste. Eine Beispielvariante unten.}
( 31...b5 32.h3 c5 33.Rfg4 Rxe3 {erzwungen} 34.Rxe3 {und Weiss hat einen Turm fuer vier Bauern mit guten Gewinnchancen.} 34...Re7 35.Reg3 {+-} )
32.Bg1 Rb4
( 32...Rb5 {war die klar bessere Wahl, denn nach dem Textzug haette Weiss mit geschicktem Figurenspiel das Gleichgewicht halten koennen ... wenn nur die Zeitnot nicht gewesen waere.} )
33.Rfg4
{Noch findet Weiss die staerkste Fortsetzung.}
33...g5
{?? Ein wahnsinniger Zug, den sich das Computerprogramm hier leistet. Dass dieser die schwarze Koenigsstellung schwaechende Sperrzug nicht einfach zu widerlegen ist, mag den Weissen zusaetzlich irritiert haben. Das Blaettchen an der Uhr des menschlichen Spielers bewegte sich unaufhaltsam nach oben. Die folgenden Zuege spielte Weiss beinahe à tempo, was in so komplexen Situationen natuerlich kein gutes Ende findet. Die einfachste Verteidigung fuer Schwarz bestand in 33...Df6 mit noch immer kompliziertem Spiel.}
( 33...Qf6 34.Qa5 Rexe4 35.Rxe4 Rxe4 36.Qxc7 Re1 37.Rf3 Qe7 38.Qc8+ Kh7 {und nun war Remis durch dreifache Zugwiederholung moeglich, falls Weiss nicht auf Gewinn spielen will} 39.Qf5+ Kg8 40.Qc8+ Kh7 41.Qf5+ Kg8 42.Qc8+ )
34.Rh3
{? Nach dieser Zeitnot bedingten Ungenauigkeit verschlechtert sich die weisse Stellung. Dabei haette Weiss mit dem logischen Bauernvorstoss 34.h4! dem Gegner echte Probleme bereiten koennen.}
( 34.h4 Qg6 {erzwungen} 35.Rxg5 {huebsch, wenn auch offensichtlich} 35...hxg5 36.Rxg5 Re6 37.e5
( 37.Rxg6+ fxg6 38.Qa5 Rbxe4 39.Bf2 Re7 {unklar} )
37...dxe5 38.Rxg6+ fxg6 39.Qg5 Kf7 40.Qd8 {+/-} )
34...Kg7 35.Rxg5+
{Ein verzweifelter, letzter und erfolgloser Versuch}
35...hxg5 36.Qh7+
( {Besser, aber ebenso hoffnungslos fuer Weiss ist} 36.Qxg5+ Qg6 37.Qc1 Rbxe4 38.Qxc7 b5 )
36...Kf8
{Der Rest ist Schweigen.}
37.Rh6 Qe5 38.Rh5 Re6 39.h4 Rb1 40.Rxg5
{Nach der folgenden Antwort gab Weiss wegen weiterem Materialverlust oder noch schlimmer auf. Ein spannender Kampf mit einem fuer Weiss unerwarteten Ende. Aber eben, die Fuehrung von unklaren Angriffen erfordert Zeit, die dann im richtigen Moment in der Partie nicht mehr zur Verfuegung steht. Im Klubturnier hat nun der Computerschach-Weltmeister einen Punkt aus drei Partien.}
40...Qd4
{Nach diesem letzten Schock gab Weiss auf.}
0-1

Geändert von applechess (11.01.2017 um 08:02 Uhr)
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Egbert (11.01.2017), Mapi (11.01.2017), RetroComp (10.01.2017), Robert (12.01.2017)
  #4  
Alt 11.01.2017, 08:01
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Gerne beschäftige ich mich mit den alten Zeiten des Computerschachs. Und für Interessierte lasse ich das hier etwas aufleben. Gut in Erinnerung geblieben sind mir die Einsätze von Schachcomputern an unseren internen Klub-Turnieren. Machen wir also eine Reise zu diesen alten Partien, die ich alle kommentiert hier präsentiere.

Das im Jahre 1986 erste zum Einsatz kommende Gerät war der frisch gekürte Weltmeister Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz von Richard Lang.

Hier nun die 4. Partie im Klubturnier Pfäffikon ZH gegen den schwächsten Teilnehmer. Es wurde eine kurze Sache.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon (publiziert)"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "4"]
[White "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Black "Egli, Jakob"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "2000"]
[BlackElo "1725"]
[ECO "E91"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.Nf3 Nf6
{Der schwächste Teilnehmer in der Klub-Meisterschaft mit ELO 1725 hatte in der letzten Runde gegen einen mit 2067 ELO bedeutend stärkeren Gegner den vollen Punkt geholt. So war auch in dieser Partie eine Überraschung nicht ganz auszuschliessen. Umso mehr, als Jakob Egli bekannt ist, stets lange, geschlossen geführte Stellungen auf dem Brett zu haben, die er oftmals erst spät zum Verlust verkorkst. Heute hatte er aber nicht den besten Tag, wurde er doch von Mephisto Amsterdam in wenigen Zügen total an die Wand gespielt.}
2.d4 g6 3.c4 d6 4.Nc3 Bg7 5.e4 O-O 6.Be2
{Weiss letzter Buchzug}
6...b6
{?! Was mag ihn zu dieser aussergewöhnlichen Fortsetzung bewogen haben, zumal er die Theorie der Königs-Indischen Verteidigung ja kannte. Wahrscheinlich wollte er gegen den Computer besonders kreativ sein.}
7.O-O Nbd7
{Nach Lage der Dinge war 7...Lb7 die logische Fortsetzung.}
8.e5
{! Ein starker Zentrumsvorstoss, auf den Schwarz falsch reagiert.}
8...dxe5
{? Richtig war der Rückzug 8...Se8}
9.dxe5 Ne8
{Etwas besser war 9...Sg4 10.e6 Sde5}
10.e6
{! Sehr stark und für Schwarz eine riesige Überraschung. Völlig unnötigerweise "schlief" nun Jakob Egli für fast eine Stunde ein. Dabei gab es eigentlich nichts zu überlegen, denn der angegriffene Sd7 darf ja wegen Damenverlust nicht wegziehen, so dass das Schlagen des vordringlichen Bauern e6 absolut erzwungen ist.}
10...fxe6 11.Ng5 Rf6
{Die einzige Verteidigung. Nach der folgenden Antwort geht jedoch Material verloren, muss doch Schwarz mindestens die Qualität hergeben. Deshalb gab Jakob Egli hernach frustiert auf. Eine gute Leistung des Computerprogramms, das nun mit 2 Pkt aus 4 Partien wenigstens 50 % erzielt hat.}
12.Bg4 1-0
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Egbert (11.01.2017)
  #5  
Alt 11.01.2017, 08:16
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Das ist ja mal wirklich eine Kurzpartie

Gruß
Egbert
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  #6  
Alt 11.01.2017, 14:57
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Gerne beschäftige ich mich mit den alten Zeiten des Computerschachs. Und für Interessierte lasse ich das hier etwas aufleben. Gut in Erinnerung geblieben sind mir die Einsätze von Schachcomputern an unseren internen Klub-Turnieren. Machen wir also eine Reise zu diesen alten Partien, die ich alle kommentiert hier präsentiere.

Das im Jahre 1986 erste zum Einsatz kommende Gerät war der frisch gekürte Weltmeister Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz von Richard Lang.

Hier nun die 5. Partie im Klubturnier Pfäffikon ZH/Schweiz, die - aus Sicht des menschlichen Spielers - eine hervorragende Angriffsleistung zeigt gegen ein Computerprogramm, das von der Stellungsbewertung her noch "schläft", als es schon viel zu spät war.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "5"]
[White "Trachsler, Jakob"]
[Black "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "2016"]
[BlackElo "2000"]
[ECO "C18"]
[Annotator "Utzinger,K"]

{Mit 2.0/4 (50%) startet Mephisto Amsterdam, das Programm von Richard Lang (ENG), in die 5. Runde. Unter Berücksichtigung der spielerischen Qualitäten von Jakob Trachsler und der vom Computer bislang gezeigten Leistung in qualitativer Hinsicht, hatte ich mir im Vorfeld dieser Partie wenig Hoffnung auf einen positiven Ausgang für die Maschine ausgerechnet.}
1.e4 e6
{Seit Jahrzehnten spielt Trachsler (ELO 2016) mit gutem Erfolg die Französische Verteidigung. Es gefiel mir deshalb gar nicht, dass Mephisto Amsterdam ausgerechnet gegen diesen Spieler diese Verteidigung wählte.}
2.d4 d5 3.Nc3
{Die Abtausch-, Vorstoss- oder Tarrasch-Variante waren für Jakob Trachsler noch nie eine Option.}
3...Bb4
{Das Computerprogramm wählt mit der so genannten Nimzowitsch-Variante den anspruchsvollsten Aufbau.}
4.e5 c5 5.a3 Bxc3+ 6.bxc3 Qc7
{Wird seltener gespielt als das "normale" 6...Se7, obwohl es durch Zugumstellung zur gleichen Stellung kommen kann.}
7.Qg4
{Weiss entscheidet sich für die schärfste Variante. Interessant ist, dass Schachgenie Bobby Fischer die Winawer-Variante nie so behandelt hat. Er schrieb einmal "Ich hatte immer das Gefühl, dass der schwarze Schild allein mit positionellen Mitteln zu knacken sei; aber meine Ergebnisse sind etwas entmutigend gewesen. Ich mag vielleicht gezwungen werden, die Gesundheit der Winawer-Variante zuzugeben. Aber ich habe Bedenken. Die Verteidigung ist anti-positionell und schwächt den Königsflügel."}
7...f6
{Eine Rarität im Turnierschach auf höchster Ebene und den Umstand ausnutzend, dass der g7-Bauer gedeckt ist. Mit 7...Se7 wäre die höchst komplexe Normalvariante entstanden. Anstelle von 7...f6 ist auch 7...f5 möglich, wobei der Verzicht, das weisse Zentrum anzugreifen, als nicht geringe Konzession angesehen wird.}
8.Nf3
{Vielfach erprobte Alternativen sind auch a) 8.Lb5+ und b) 8.Dg3}
8...c4
{Schwarz letzter Buchzug. Dieses Blockademanöver - mit dem die Bauernstruktur am Damenflügel festgelegt wird - ist hier die mit Abstand beliebteste Fortsetzung. Die Erfolgsbilanz mit diesem Zug und überhaupt mit der ganzen Variante ist bescheiden. Als selbst die Französische Verteidigung spielend, frage ich mich - da auch 8...Sc6 keine ermutigenden Resultate zeigt - wie ein Versuch mit 8...Df7 abschneiden würde.}
9.a4
{Ein vielseitiger Zug, der b7-b5 verhindert und auch zur Vorbereitung von La3 dienen kann.}
9...Nc6 10.Qg3
{Zwecks Befestigung des Punktes e5.}
10...Qf7
{Gut gespielt, um endlich die Entwicklung mit Sg8-e7 zu ermöglichen, weil nun der g7-Bauer gedeckt ist.}
11.Be2 Nge7 12.exf6
{Ob dieser Schlagzug, bevor Schwarz rochiert hat, einer harten Prüfung standhält, ist zumindest fraglich. Zur Stellung nach 11...Sge7 habe ich zwei Partien gefunden mit a) 12.0-0 und b) 12.La3}
( {a)} 12.O-O Nf5 13.Qh3 Bd7 14.exf6 Qxf6 15.Bg5 Qg6 16.Rfb1 b6 17.Bf4 O-O 18.Ne5 Qe8 19.Nxd7 Qxd7 20.g3 Rae8 21.Re1 Qd8 22.Bh5 g6 23.Bf3 h5 24.Bh1 Qf6 25.Re2 Re7 26.Rae1 a6 27.Ra1 Rc8 28.Qf1 b5 29.Qc1 Qf7 30.axb5 axb5 31.h3 b4 32.g4 Nfxd4 33.cxd4 Nxd4 34.Re5 b3 35.c3 hxg4 36.hxg4 Nc6 37.Re2 Ree8 38.Bg3 Ra8 39.Rb1 Ra5 40.Qg5 Kg7 41.Rbe1 Qf6 42.Qe3 Rb5 43.Rd2 Re7 44.Bf4 Qh4 45.Bf3 Rf7 46.Bg3 Qf6 47.Bg2 g5 48.Qxe6 {1-0 Kubicki,Tadeusz-Santos Etxepare, Agustin, W-Cup18 WS18 email, 2011} )
( {b)} 12.Ba3 Nf5 13.Qh3 Bd7 14.exf6 Qxf6 15.g4 Nfe7 16.Qh5+ Ng6 17.Bc1 O-O 18.Bg5 Qf7 19.Be3 Qf6 20.Bg5 Qf7 21.Be3 Qf6 22.Ng5 h6 23.Nh3 Nh4 24.g5 Nf3+ 25.Qxf3 Qxf3 26.Bxf3 Rxf3 27.Ng1 Rf7 28.gxh6 gxh6 29.Bxh6 e5 30.Ne2 Kh7 31.Be3 Bg4 32.Rg1 Bf3 33.Kd2 Re8 34.dxe5 Nxe5 35.Nd4 Bh5 36.Rg5 Nf3+ 37.Nxf3 Bxf3 38.Rag1 Re4 39.R1g3 Rh4 40.Bd4 Bh5 41.Rg8 Rxd4+ 42.cxd4 Rxf2+ 43.Kc3 Rxh2 44.R3g7+ Kh6 45.Rxb7 a5 46.Rd8 {1-0 Van Kampen,Robin-Peng, Zhaoqin, Haarlem BDO-A, 2010} )
12...gxf6
{Bestimmt viel besser als 12...Dxf6. Der Textzug stärkt das Zentrum, nimmt den gegnerischen Figuren die Felder e5/g5 und öffnet die g-Linie.}
13.Qc7
{Behindert die schwarze Entwicklung des Damenflügels, doch müsste die weisse Majestät wieder zum Rückzug blasen nach beispielsweise 13...Sf5 oder den Damentausch auf f7 zulassen. Aber auch nach 13...0-0 oder 13...Tg8 stünde Schwarz recht passabel. Von weissem Vorteil nach der Eröffnung ist jedenfalls nichts zu sehen.}
13...Qg6
{Das ist nur dann ein Fehler, falls durch den Doppelangriff auf die Bauern c2 und g2 beabsichtigt ist, auf Bauernfang zu gehen.}
14.Nh4 Qxc2
{? Diese Fress-Sucht des Mephisto-Geräts ist des Guten zu viel und hat böse Folgen. Noch gut spielbar war indessen 14...De4, wonach Weiss dem Damentausch mit 15.Df4 nicht wird ausweichen können mit minimalem Vorteil.}
15.Bh5+ Ng6
{Erzwungen, aber noch immer sieht der Computer keine Gefahr, dabei ist die schwarze Stellung eigentlich bereits verloren.}
( 15...Kf8 {??} 16.Bh6+ Kg8 17.Qg3+ Ng6 18.Nxg6 hxg6 19.Bxg6 {+-} )
16.O-O O-O
{Zur sofortigen Katastrophe hätte 16...Dxc3 17.Sxg6 +/- geführt.}
( 16...Bd7 {bringt ebenwo wenig Rettung nach} 17.Ba3 Rc8 18.Qg3 Kf7 19.Rfe1 Rhg8 20.Re2 Qxa4 21.Nf5 {!! und nach diesem Kracher fällt die schwarze Stellung zusammen.} 21...exf5 22.Qd6 {+-} )
17.Bh6
{droht Matt auf g7}
17...Rf7 18.Qg3 Ne7
{In dieser Verluststellung sieht sich Mephisto Amsterdam das erste Mal mit -0.20 im Nachteil}
19.Rfe1
{! Schon wollte ich schreiben, es sei schade, dass Weiss die sofort zum Gewinn führende Abwicklung Tac1 De4, Sxg6 hxg6, f3 Df5, Lg4 Dd3, Tfd1 Sf5, De1 verpasst habe. Doch dann stellte ich fest, dass der weisse Turmzug gar noch stärker ist.}
19...Qd3
( 19...Bd7 20.Rac1 Nf5 {noch am besten} 21.Bxg6 Nxg3 22.Bxf7+ Kxf7 23.Rxc2 {und Weiss ist im Mehrbesitz eines ganzen Turms} )
20.Re3 Qc2
{Trotz sehr schwierig zu verteidigender Stellung hat Mephisto Amsterdam bislang erst 32 Min. an Bedenkzeit verbraucht. Seine Bewertung sank auf läppische -1.08 ab, was zeigt, dass das Programm noch immer nicht sieht, wie schlimm es um die schwarze Stellung steht.}
21.Qd6
{! Eine starke Riposte auf dem Weg zum Sieg. Die schwarze Entwicklung des Damenflügels wird gehemmt. Schwarz ist absolut hilflos.}
21...Qb2
( 21...Bd7 {kann zu einer schönen Variante führen} 22.Qxd7 Nf5 {mit Angriff auf die weisse Dd7 und drei weitere weisse Figuren, aber ...} 23.Qxe6 Nfxh4 {Alternativen sind ebenfalls ungenügend.} 24.Rae1 Nf5 25.Bd1 Qb1 26.Bf3 Qc2 27.Qxf7+ {Damenopfer} 27...Kxf7 28.Bxd5# )
22.Rae1
{Droht Dd8, was Schwarz mit der folgenden Antwort verhindert.}
22...Qb6 23.Qg3
{Nun brennt es auf g6 und Schwarz ist bereits gezwungen, die Qualität zu geben.}
23...Rg7 24.Bxg7
{Etwas zu hastig greift Weiss zu. Dabei hatte er zwei stärkere Optionen zur Verfügung in 24.Tf3 oder 24.f4.}
24...Kxg7 25.f4
{!! Einfallsreich und sehr stark. Auch 25.Sxg6 oder 25.Lg4 genügen zum Gewinn.}
25...Kh6
{Die anderen Verteidigungen 25...Dc7 oder 25...Dd6 fruchten nach 26.f5!! ebenfalls nicht.}
( {a) } 25...Qc7 26.f5 Qxg3 27.Rxg3 Nxf5 28.Nxf5+ exf5 29.Bxg6 hxg6 30.Re7+ Kf8 31.Rc7 g5 32.Rh3 Kg8 33.Re3 Kf8 34.Ree7 {+-} )
( {b) } 25...Qd6 26.f5 Qxg3 27.Rxg3 {und wetier wie Variante a)} )
26.Bxg6
{Direkter war 26.f5!!, doch wollte Weiss von seinem geplanten Gewinnweg nicht abweichen.}
26...hxg6
( 26...Nxg6 27.Nxg6 hxg6 28.Qh4+ Kg7 29.Rh3 {mit baldigem Matt} )
27.f5
{!! Ein hübscher Durchbruch.}
27...gxf5
( 27...Nxf5 28.Qxg6# )
( 27...exf5 28.Qh3 {und Schwarz wird Matt gesetzt} )
( 27...Kg7 28.Rxe6 Bxe6 29.Rxe6 Qb1+ 30.Re1 Qxe1+ 31.Qxe1 {+-} )
( 27...g5 28.fxe6 Qd8 {Alternativen wie a) 28...Kg7 29.Te5!! oder b) 28...Sg8 29.Sf5+ haben baldiges Matt zur Folge.} 29.Rf1 Qf8 30.Ref3 Ng8 31.Nf5+ Kg6 32.Qg4 Bxe6 33.Rh3 {+-} )
28.Qf4+
{oder auch 28.Dh3 +-}
28...Kh7
( 28...Kg7 29.Rg3+ {mit Mattangriff} )
29.Rh3
{Weiss hat die Übersicht nicht verloren und startet einen nicht abzuwehrenden Mattangriff.}
29...Kg8
{Dafür verbrauchte Mephisto Amsterdam 14 Min Bedenkzeit, die sein Gegner nutzte, um die Gewinnvarianten sauber herauszuarbeiten. Ansonsten bestand in nahender Zeitnot die hypothetische Möglichkeit, dass sich Weiss mit Remis durch Dauerschach zufrieden gegeben hätte.}
30.Rg3+
{Es tut der kreativen Spielweise von Weiss keinen Abbruch, dass 30.Dh6 schneller, gewinnt, konkret ein Matt in 7 Zügen.}
30...Kh7
{Es ist belanglos, wohin der König zieht, man kann in einer Partie nur einmal verlieren.}
31.Qf3
{Droht Matt auf h5.}
31...Kh6 32.Rh3
{Präziser und hübscher ist das Matt in 6 beginnend mit 32.Sxf5.}
32...Kg7
{Kaum zu glauben, aber der mit Blindheit beschlagene Mephisto Amsterdam sah sich hier erst mit -1.24 im Nachteil.}
33.Qh5 f4 34.Ng6
{Mit der Drohung 35.Dh7 Matt}
34...Nxg6 35.Qh7+ Kf8 36.Qxg6 Ke7
{Endlich eine vernünftige Negativbewertung mit -9.16 von Mephisto Amsterdam. Nach der folgenden Antwort gab das Programm auf. Eine von Weiss stark gespielte Partie, in der ein unsachgemässer Bauernraub, sprich Habgier, zu gewaltigem Entwicklungsnachteil führte und dem Gegner zu tödlichem Angriff verhalf. Mit 2.0/5 Pkt (40%) konnte man mit dem Computerschach-Weltmeister natürlich nicht zufrieden sein.}
37.Rh7+ 1-0

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Insgesamt eine schöne Idee.
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  #8  
Alt 11.01.2017, 22:49
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Hier nun die 6. Partie im Klubturnier Pfäffikon ZH/Schweiz. Ohne sehr gut zu spielen, holt sich das Computerprogramm gegen einen (Mit-)Favoriten des Turniers den vollen Punkt. Der menschliche Spieler vermag seine Vorteile nicht auszuspielen, bekommt durch eine Unachtsamkeit die schlechtere Stellung und kann die Partie in horrender Zeitnot nicht halten.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon (publiziert)"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "6"]
[White "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Black "Gosch, Manfred"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "2000"]
[BlackElo "2067"]
[ECO "B22"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.e4 c5
{Manfred Gosch (ELO 2067) mit Schwarz musste unbedingt gewinnen, wenn er bei dieser Klub-Meisterschaft noch ein Wort um die Spitze mitreden wollte.}
2.c3 e6 3.d4 a6
{Die Eröffnungswahl von Mephisto Amsterdam war gar nicht nach dem Geschmack des einen Sieg anstrebenden Schwarzspielers, weshalb M.Gosch frühzeitig von den üblichen Theoriepfaden abweicht. Programme zeigen ob solcher Dinge keine Nerven und spielen ihre Züge unverändert schnell aus, so dass in solchen Fällen oftmals die Experimentierfreudigen in Zeitnot geraten. Und Gosch, ein schöpferischer Spieler, hat die Tendenz, in den meisten seiner Partien in Zeitnot zu geraten.}
4.dxc5
{Sicher nicht die beste Wahl, den das Programm nach Verlassen des Eröffnungsbuchs spielt. Der Gegner bzw. sein Läufer wird gratis entwickelt. In meiner ganzen Datenbank habe ich diesen zweitklassigen Zug nirgend gefunden. In diesem Turnier werden gnadenlos verschiedene Schwächen des amtiertenden Computerschach-Weltmeisters aufgedeckt.}
4...Bxc5 5.b4
{?! Ich traute meinen Augen nicht. Der Bauernvorstoss ist anti-positionell und scheint auf den ersten Blick auch taktisch falsch wegen Lxb4. Doch so einfach ist die Sache nicht, wie aus der Beispielvariante hervorgeht.}
5...Be7
{Dafür gingen einige wertvolle Minuten an Bedenkzeit verloren. Die Frage, wo der Läufer hingehen soll, ist nicht einfach zu beantworten: auf b6 oder a7 würde der Läufer eine schöne Diagonale beherrschen. Mit dem Rückzug nach e7 will Manfred Gosch den Druck auf den weissen b4-Bauer nicht aufgeben und den Damenausfall 6.Dg4 allenfalls mit 6...Lf6 beantworten.}
( 5...Bxb4 $4 6.cxb4 Qf6 7.Qc2 {mit Angriff auf den Lc8} 7...Qxa1 8.Bb2 Qxa2 9.Qxc8+ Ke7 10.Qc2 {und die schwarze Dame geht wegen der unabwendbaren Doppel-Drohung Lf6+ und Lc4 verloren.} )
6.Nf3 Qc7
{Das kann sich Schwarz leisten, zumal die Dame in solchen Stellungen meistens gut auf c7 steht. Ferner wird dadurch Druck auf c3 ausgeübt.}
7.Be3 e5
{Eine schwer wiegende wie auch tiefsinnige Entscheidung. Offenbar war Manfred Gosch der Meinung, dass er später auf jeden Fall den Vorstoss d7-d5 durchsetzen kann. Aber wiederum brauchte Schwarz für diesen Zug wertvolle Minuten an Bedenkzeit. Meines Erachtens war es vernünftiger, mit 7...Sf6 die Entwicklung voranzutreiben.}
8.Be2 Nf6 9.Bg5
{?! Ein echte Überraschung für den Bediener. Zum einen wird damit eine Figur zum zweiten Mal gezogen und andererseits kann Schwarz nun einen Bauern gewinnen, wofür Weiss nur ungenügend Kompensation erhielte.}
9...Nc6
{Keine Ahnung, was Schwarz bewogen haben mag, das offensichtliche Geschenk 9...Sxe4 mit Bauerngewinn nicht anzunehmen.}
( 9...Nxe4 10.Bxe7 Kxe7 11.O-O d6 {und Schwarz steht nicht schlechter, ist aber im Besitz eines Mehrbauern.} )
10.Nbd2 b5
{?! Fragwürdig: Wohl wird damit die Schwäche c3 endgültig festgelegt. Dem entgegen spricht die verzögerte Entwicklung und die Tatsache, dass Weiss mit a2-a4 einen Angriffspunkt für die spätere Öffnung der a-Linie erhält.}
11.a4
{Der Computer lässt sich nicht zweimal bitten.}
11...Rb8 12.axb5
{Hebt den Druck etwas gar zu früh auf, weshalb die Rochade den Vorzug verdiente.}
12...axb5 13.O-O O-O 14.Qb1
{! Ein typischer Computerzug und zudem noch gut. So werden die b4- und e4-Bauern gedeckt, Tf1-c1 vorbereitet, während auch der wSd2 wieder frei wird für Manöver wie Sd2-b3-a5 oder ähnlich.}
14...Rd8
{Alles dreht sich um das Feld d5.}
15.Bxf6
{Ein typisches Verfahren, bei dem der das Feld bewachende Springer gegen einen Läufer getauscht wird.}
15...Bxf6 16.Rd1 d6
{Hier hätte der sofortige Vorstoss d7-d5 nach exd5 leichten Vorteil für Weiss zu Folge.}
17.Nf1
{Druck auf d5, während auch Se3 mit Beherrschung der Felder d5/f5 vorbereitet wird. Kurzum, der Textzug ist gut.}
17...Ne7
{Überdeckt die wichtigen Felder f5 und d5 in der Hoffnung, doch einmal d5 durchsetzen zu können.}
18.Ne3 Be6
{Natürlich durfte Schwarz nicht auf c3 zugreifen, weil die Dame nach 18...Dxc3?? 19.Tc1 kein Fluchtfeld mehr hätte.}
19.Qd3
{?! Verpasst die Chance, mit 19.Ta5 den Gang der Dinge zu bestimmen.}
19...d5
{Nun geht die Initiative verdientermassen an Schwarz über.}
20.Ra3
{Ein typischer Computerzug: deckt c3 und bereitet die Verdoppelung der Türme auf der a-Linie vor. Dennoch verdienten Tauschoperationen auf d5 den Vorzug.}
20...g6
{Damit bereitet M.Gosch den Tausch d5xe4 gefolgt von Lf5 und/oder später den Vorstoss f7-f5 vor. Eine interessante Variante startet mit dem sofortigen 20...d4.}
21.Rda1
{?! Fragwürdig, statt viel besser 21.h3, was dem König ein Luftloch öffnet, aber insbesondere das wichtige Feld g4 unter Kontrolle bringt im Hinblick auf ein mögliches Sg4.}
21...dxe4
{Manfred Gosch bleibt bei seinem Plan und verpasst die noch bessere Möglichkeit 21...d4! mit klarem Vorteil für Schwarz.}
22.Qxe4 Bf5 23.Nxf5 gxf5 24.Qe3 Nd5
{Es besteht kein Zweifel, dass Schwarz die spürbar angenehmere Stellung hat. Nur wird es nicht so einfach sein, den geringen Vorteil weiter auszubauen.}
25.Qh6 Bg7 26.Qc1
{?! Schutz des schwachen c3-Bauern, aber zu passiv. Deshalb sind entweder 26.Dg5 oder 26.Dh4 zweckmässigere Fortsetzungen.}
26...Rdc8
{? Ein Fragezeichen deshalb, weil der schwarze Vorteil mit 26...e4 hätte ausgebaut werden können.}
27.Qg5 Nxc3
{Der Schwächling ist gefallen, aber auf Kosten eines harmonischen Zusammenspiels der schwarzen Figuren.}
28.Bf1 e4
{? Ein Fehler, nachdem der Vorteil an den Gegner übergeht. Notwendig war 28...f4.}
29.Nh4
{Die Drohung Sxf5 ist unangenehm. Und überhaupt koordinieren die weissen Figuren plötzlich gut zusammen. Das ist besonders lästig, weil Schwarz zur Erreichung seiner ehemals guten Stellung viel Zeit investiert hatte und nun spürt, dass sich die Lage grundlegend geändert hat.}
29...h6
{Wehrt die Drohung Sf5 ab, doch 29...Dd8 scheint die bessere Wahl.}
30.Qxf5
{Interessant war 30.Dh5!?}
30...Qe5
{Dieses Mal typisch Mensch: Gosch, schon von nahender Zeitnot bedroht, sucht den Damentausch, was auch tatsächlich die beste Antwort darstellt.}
31.Ra7
{Genauer war dem Damentausch mit 31.Dxe5 usw.}
31...Qxf5 32.Nxf5
{Schon hier war ich mir fast sicher, dass der Computer gewinnen würde. Denn Manfred Gosch hatte für die nächsten Züge bis zur Zeitkontrolle im 40. Zug jeweils nur noch wenige Sekunden übrig, so dass Fehler fast unausweichlich sind.}
32...Re8
{? Das ist wesentlich schlechter als 32...Lf8}
33.R1a3
{Mit der Drohung Sxg7 Kxg7, Txc3 und Figurengewinn.}
33...Rec8
{?? Und hier ist er: der entscheidende Fehler in einer allerdings schon schlechten Stellung. Der Rest ist Schweigen. Nach diesem Sieg hatte der Computerschach-Weltmeister mit 3 Pkt aus 6 Partien wieder ein Score von 50 % erreicht. Noch zu erwähnen, dass der Kampf einzig mit 33...e3 34.Sxe3 und weissem Mehrbauer hätte fortgesetzt werden können.}
34.Ne7+ Kh7 35.Nxc8 Rxc8 36.Rxf7 Kg6 37.Rd7 Be5 38.Ra6+ Kg5 39.Re6 Bf6 40.Rdd6 Rf8 41.Bxb5 Ra8
( 41...Nxb5 42.Rd5+ Kg6 43.Rxb5 {+-} )
42.Bf1
{Oder auch 42.h4+, was noch schneller zum Ende führt.}
42...Ra1 43.f4+
( 43.Rxf6 {Nur ein Mensch könnte diesen schrecklichen Fehler in Zeitnot begehen.} 43...Ne2+ 44.Kh1 Rxf1# )
43...exf3 44.Rxf6
{Nun hat der weisse König ein Fluchtfeld auf f2, weshalb der Figurengewinn funktioniert.}
44...Ne4
{Die Hoffnung glimmt, aber sie wird sofort wieder zerstoert}
45.h4+ Kh5 46.Rd5+ Kxh4 47.Kh2 Nxf6 48.g3+ Kg4 49.Bh3# 1-0
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Mapi (11.01.2017), Robert (12.01.2017)
  #9  
Alt 13.01.2017, 08:46
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Liebe Schachfreunde

Gerne beschäftige ich mich mit den alten Zeiten des Computerschachs. Und für Interessierte lasse ich das hier etwas aufleben. Gut in Erinnerung geblieben sind mir die Einsätze von Schachcomputern an unseren internen Klub-Turnieren. Machen wir also eine Reise zu diesen alten Partien, die ich alle kommentiert hier präsentiere.

Das im Jahre 1986 erste zum Einsatz kommende Gerät war der frisch gekürte Weltmeister Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz von Richard Lang. Fazit des Turniers: Mit dem Spiel des Computerschach-Weltmeisters an dieser Klub-Meisterschaft war ich nicht zufrieden. Mit 3 Pkt aus 7 Partien und einer Gewinnquote von 42,8 % bzw. einer Leistung von 1901 Elo hätte man noch leben können. Doch die Art und Weise, wie das Programm teilweise unterging, war überraschend wie unerwartet.

Nachstehend die 7. Partie, in der die Gefrässigkeit des Mephisto-Programms wieder einmal für eine Niederlage verantwortlich ist.

[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1986.??.??"]
[Round "7"]
[White "Seiler, Erik"]
[Black "Mephisto Amsterdam 16bit"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "1916"]
[BlackElo "2000"]
[ECO "C42"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.e4
{Eine Prognose für diese letzte Partie war schwierig. Infolge des unkonventionellen Stils des Weiss-Spielers (ELO 1916), der am liebsten unklare Verwicklungen, wenn möglich mit ungleichem Materialverhältnis, liebt, konnte alles passieren.}
1...e5 2.Nf3 Nf6 3.Nc3
{Aha, Erik Seiler will nichts von der Russischen Verteidigung wissen. Schade für den Bediener, der wusste, dass Mephisto Amsterdam ein gutes Repertoire über die Russische Verteidigung enthält.}
3...Bb4
{Schwarz letzter Buchzug, eigentlich sträflich, das Computerprogramm in dieser Stellung schon auf sich allein zu stellen.}
4.Nd5
{Und schon weicht Weiss von den gängisten Varianten ab. Diese Fortsetzung wird auf höchstem Niveau sehr selten gespielt. Gemäss meiner grossen Datenbank hat Weiss damit eine geringe Erfolgsquote von 46 %.}
( 4.Nxe5 O-O 5.Be2 Re8 6.Nd3 Bxc3 7.dxc3 Nxe4 {ist eine übliche Variante.} )
4...Nxd5 5.exd5 e4
{Gut ist auch die sofortige kurze Rochade.}
6.Nd4 O-O 7.Be2
{Sprach etwas gegen 7.Lc4 womit der d5-Bauer sofort gedeckt bleibt.}
7...Qg5
{Gewinnt einen Bauern, vernachlässigt aber sträflich die eigene Entwicklung. Diese dogmatische Einstellung ist falsch, denn Schwarz wird den wichtigen Zentralbauer auf d5 erobern und es scheint wirklich fraglich, ob und wo Weiss für den Bauern irgend welche Kompensation erhält. Jedenfalls habe ich in meiner grossen Datenbank praktisch nur Schwarzsiege gefunden.}
8.O-O Qxd5 9.Nb3
{?! Ein seltsam anmutender Rückzug anstelle der stellungsgemässen Möglichkeiten von 9.c3 oder 9.Sb5.}
9...Qe5
{Ein erneuter Damenzug anstelle der Entwicklung von Figuren. Hofft das Computerprogramm, d7-d5 spielen und anschliessend mit Ld6 wegen Mattdrohung auf h2 ein Tempo gewinnen zu können?}
10.d4
{Die richtige Reaktion mit Angriff auf die Dame. Entweder muss die verschwinden, also schon wieder Zeit verlieren, oder findet der weissfeldrige Läufer nach dem En-Passant-Schlagen einen guten Platz auf d3, während sich gleichzeitig die e-Linie öffnet.}
10...exd3 11.Bxd3 Re8 12.Qg4
{Ein forscher Damenzug auf der Suche nach schnellem Gegenspiel am Königsflügel.}
12...Nc6
{Der Computer bewertet sich mit 0.96 und Vorteil}
13.Qh4
{Zwingt den Gegner zu einer Schwächung seiner Bauernstruktur am Königsflügel.}
13...h6 14.f4
{Unkonventionell getaltet Weiss die Partie. Man hätte eher den ein Tempo gewinnenden Entwicklungszug 14.Lf4 Dxb2 mit unklarer Stellung erwartet.}
14...Bc5+
{Den Vorzug verdiente 14...Le7 mit Angriff auf die weisse Dame. Das Läuferschach zwingt den gegnerischen König in die Ecke, wo er so oder so hin wollte.}
15.Kh1 Qe7
{Kein Fehler, aber noch immer war 15...Le7 die bessere Option.}
16.Qg3 Nb4
{Geht auf Abtausch aus, verliert aber erneut wertvolle Zeit, die man besser in die Entwicklung mit beispielsweise 16...d5 investiert hätte.}
17.Bd2 Nxd3 18.cxd3
{Aufgrund der klar besseren Entwicklung und der grösseren Aktivität seiner Figuren steht nun Weiss bereits besser.}
18...Bd6
{Nicht so schlecht, wie man auf den ersten Blick annehmen sollte. Schwarz hat einfach keine guten Alternativen. So scheitert 18...d5 an 19.Tae1 und nach dem Tausch der Türme auf e8 hängt der Lc5. Vielleicht war es noch am besten, sich auf die nach 18...d6 oder 18...b6 entstehenden Stellungen einzulassen.}
19.Bc3
{Zug um Zug bringt Weiss seine Figuren in bessere Stellungen. So droht Matt mit Dxg7. Als Bediener hatte ich schon ein schlechtes Gefühl.}
19...Qf8
{Verständlich, dass Schwarz nicht 19...f6 zieht, weil er dann diesen Bauern sofort wieder verlieren würde mit immer noch schlechterer Stellung.}
( 19...f6 20.Rae1 Qf7 21.Rxe8+ Qxe8 22.Bxf6 )
20.Nd4
{Auf dem Weg zum Königsflügel, sprich nach f5.}
20...f6
{Das ist früher oder später unausweichlich.}
21.Rae1 Rxe1 22.Rxe1 g5
{?? Das schlägt dem Fass den Boden aus. Natürlich war Entwicklung des Damenflügels mit 22...b6 angesagt. Denn nach dem Textzug ist Schwarz bereits verloren.}
23.Bd2
{?! Schade, in wenigen Zügen aus wäre es mit 23.Sf5! gewesen. Der Textzug gewinnt auch, aber einiges langsamer. Die wichtigsten Hauptvariante nach 23.Sf5 findet man unten.}
( 23.Nf5 Bxf4 24.Qf3 Be5 25.Qh5 d6 26.Nxh6+ Kg7 27.d4 Bf4 28.g3 Bd7 29.gxf4 Re8 30.Nf5+ Bxf5 31.Rxe8 {+-} )
23...Qf7
{Etwas mehr Widerstand leistete 23...b6 24.Sf5 +-}
24.Nf5
{Droht Damengewinn mit Sxh6+ obwohl 23.Sb5 die objektiv beste Wahl war.}
24...Bf8 25.fxg5 fxg5
{Oder 25...hxg5 26.Dxc7 +-}
26.Rf1
{Nach Öffnung der f-Linie hat Weiss endgültig ein gewonnenes Spiel. Schwarz, noch immer unterentwickelt, ist absolut hilflos.}
26...Qxa2
{?? Unglaublich, was sich der Computer da erlaubt. Die beste, aber schliesslich ungenügende Verteidigung bestand in 26...De8}
27.Qxc7
{Genügt zum Gewinn. Das hübsche Opfer 27.Lxg5 ist jedoch eine zwingende Mattvariante.}
( 27.Bxg5 d6 28.Bxh6+ Kf7 29.Nxd6+ Ke6 30.Bxf8 Kd7 31.Qg4+ Kd8 32.Qg5+ Kd7 33.Nc4 Qa3 34.bxa3 b6 35.Qd5+ Ke8 36.Qf7+ Kd8 37.Qe7# )
27...Kh7 28.Bc3
{Weiss hat die richtige Aufstellung gefunden und lässt den Gegner hilflos im Netz zappeln.}
28...Qd5 29.Qd8 Qg8 30.Ng3
{Ein siebenzügiges Matt war mit 30.Se7 möglich.}
30...Bc5 31.Qc7 Be3 32.Nh5
{Droht mit der Gabel Sf6+ Damengewinn; gleichzeitig hat Weiss aber Mattangriff.}
32...Qe6 33.Qd8 Kg6 34.Rf6+ Kxh5 35.Rxe6 dxe6 36.Qe8+ Kg4
{Und nach dem folgenden Zug, gab Mephisto Amsterdam kurz vor dem Matt stehend auf. Mit dem Spiel des Computerschach-Weltmeisters an dieser Klub-Meisterschaft war ich nicht zufrieden. Mit 3 Pkt aus 7 Partien und einer Gewinnquote von 42,8 % bzw. einer Leistung von 1901 Elo hätte man noch leben können. Doch die Art und Weise, wie das Programm teilweise unterging, war überraschend wie unerwartet. Die Rangliste des Klubturniers mit 7 Runden sieht wie folgt aus: 1. Hugentobler 6,5 Pkt, 2. Gosch 4,5 Pkt (SB 16.25), 3. Trachsler 4,5 Pkt (SB 11), 4. Mephisto Amsterdam 3.0 Pkt (SB 8.5), 5. Scheidegger 3.0 Pkt (SB 7.5), 6. Seiler 3.0 Pkt (SB 6.5), 7. Kindler 2,5 Pkt, 8. Egli 1.0 Pkt}
37.Qf7 1-0
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Folgende 4 Benutzer sagen Danke zu applechess für den nützlichen Beitrag:
Egbert (13.01.2017), Mapi (13.01.2017), RetroComp (13.01.2017), xchessg (13.01.2017)
  #10  
Alt 13.01.2017, 20:51
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Liebe Schachfreunde

Der Einsatz von Schachcomputern in unserer Vereins-Meisterschaft in Pfäffikon, Kanton Zürich, Schweiz, war für mich als Bediener, wie auch für die teilnehmenden Spieler, immer spannend.

1986: Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Das damalige Weltmeisterprogramm von Richard Lang erreichte 3 Pkt aus 7 Partien, eine Gewinnquote von 42,8 % bzw. eine Leistung von 1901 Elo.
Die kommentierten Partien habe ich hier bereits publiziert.

1987: Mephisto Dallas, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Schauen wir nun, wie es dem verbesserten Programm von Richard Lang gelaufen ist.

In der 1. Partie musste Mephisto Dallas 16bit eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Die Annahme eines Bauernopfers führte durch den gegnerischen Königsangriff direkt in den Untergang.



[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1987.??.??"]
[Round "1"]
[White "Mephisto Dallas 16bit"]
[Black "Scheidegger, Andreas"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "2023"]
[BlackElo "1990"]
[ECO "A28"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.c4 e5
{Für Andreas Scheidegger (ELo 1990) als Liebhaber offener Spielweisen kommt natürlich auf 1.c4 keine andere Antwort als 1...e5 in Frage}
2.Nc3 Nf6 3.Nf3 Nc6 4.e3
{Ein seltenes aber durchaus nicht schlechtes Abspiel.}
4...d5 5.cxd5 Nxd5 6.Bb5
{Nun war der Schwarzspieler bereits zur Denkarbeit gezwungen.}
6...Nxc3 7.bxc3 Bd6 8.e4
{Üblicher ist hier 8.d4}
8...O-O 9.O-O Bg4
{Wer die Zersplitterung des Damenflügels vermeiden will, dem steht mit 9...Se7 eine gute Alternative zur Verfügung.}
10.Bxc6
{Das positionell agierende Mephisto Programm von Richard Lang lässt sich die Chance nicht entgehen, die gegnerische Bauernstruktur zu zerstören und dabei sogar das Läuferpaar aufzugeben. Solche Manöver gelten heute eher als zweifelhaft, zumal es im vorliegenden Fall sehr schwierig sein dürfte, die vermeintlichen Bauernschwächen als solche auch wirklich auszunützen. Für seine positionellen Schwächen hat Schwarz das mächtige Läuferpaar.}
10...bxc6 11.h3 Bh5 12.d3 c5
{Erschwert den Vorstoss d3-d4. Mir hätte auch 12...Tb8 mit sofortiger Besitznahme der b-Linie gefallen.}
13.Rb1 Qc8
{Verhindert das gegnerische Tb7, schielt nach dem weissen Königsflügel und bereitet f7-f5 vor; trotz allem macht der Textzug einen etwas gekünstelten Eindruck und mit 13....Dd7 unter Aufrechterhaltung der Verbindung der Türme wäre das selbe Ziel zu erreichen gewesen. Eine gute Option war 13...f6, was den e5-Bauern überdeckt und dem Läufer ein Rückzugsfeld auf f7 offen hält.}
14.Be3
{Vergeblich hatte ich auf das stellungsgemässe 14.g4 gewartet, was das gegnerische f7-f5 unterbindet, und mich gefragt, ob es Schwarz dann gewagt hätte, das ungenügende Opfer 14...Lxg4 zu bringen.}
14...f5
{Damit ergreift Schwarz am Königsflügel bereits nach 14 Zügen die Initiative. Ein Beweis dafür, dass der Computer keine glückliche Hand in der Eröffung hatte.}
15.Qb3+ Bf7
{Das kam fuer mich überraschend, hatte ich doch eher mit dem logischer scheinenden Kh8 gerechnet. Trotzdem ist der Textzug nicht wirklich zu tadeln, zumal sich Weiss nun entscheiden muss, wohin mit der Dame.}
16.c4
{Alternativen gibt es nicht viele. Hofft Weiss mit dem Textzug, einmal zum Angriff gegen den schwachen c5-Bauern zu kommen? Schwarz kann dies jederzeit mit f5-f4 vereiteln. Auf 16.Dc2 leistet die Dame wenig. Und 16.Da4 kann mit 16...Le8 beantwortet werden, wonach 17.Db3+ Lf7 18.Da4 Le8 usw. zum Remis durch 3-fache Zugwiederholung führt. Und weicht Weiss dem aus mit 16.Da4 Le8 17.Dc2, so ist 17...f4 oder 17...Lc6 möglich, wo der Läufer auch gut steht.}
( 16.Qa4 Be8 17.Qb3+
( 17.Qc2 f4 18.Bc1 Bh5 )
17...Bf7 18.Qa4 Be8 19.Qb3+ Bf7 20.Qa4 {Remis 3x} )
16...fxe4
{Öffnet die f-Linie}
17.dxe4 Be6
{Alle schwarzen Figuren sind gegen die weisse Königsstellung gerichtet ... und stets sind Opfer wie Tf8xf3 oder Le6xh3 zu beachten; trotz allem kann von schwarzem Vorteil keine Rede sein, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Ld6 zur Zeit nur die Rolle eines grossen Bauern spielt.}
18.Ng5 Bd7 19.Qd3 Qe8
{!? Für diesen mit einem Bauernopfer verbundenen Plan benötigte Schwarz eine Bedenkzeit von knapp 15 Min.}
20.Bxc5
{? Mephisto Dallas kann der Versuchung nicht widerstehen und war wohl auch ausserstande, tief genug in die Stellung zu sehen; notwendig war wohl 20.Ld2, um dem Sg5 das Rückzugsfeld f3 zu sichern, ohne dass dann das Opfer Tf8xf3 möglich wird.}
20...Bxc5 21.Qd5+ Kh8 22.Qxc5 h6
{Zwingt das Ross offenbar zum Rückzug.}
23.Nf3
( 23.Rb7 {?! war ein geistreicher Versuch, die Sache für Schwarz kompliziert zu machen mit} 23...hxg5 24.Rxc7 g4 25.hxg4 Bxg4 26.f3 Be6 27.Qxe5 {und Weiss hat drei Bauern für die Figur. } )
23...Rxf3 $1
{! Nun erweist sich das Opfer des Turms gegen den Springer als Gewinn bringende Riposte.}
24.gxf3 Bxh3
{Erobert die Qualität mit weit besserer Stellung zurück wegen der tödlichen Mattdrohung De8-g6 usw.}
25.Kh2 Bxf1 26.Rxf1
{Als Resulat der ganzen Abwicklung steht nun Weiss mit seinem tödlich geschwächten Königsflügel auf verlorenem Posten.}
26...Qh5+
{Ebenso stark war 26...Td8}
27.Kg2 Qg5+ 28.Kh2 Qf4+ 29.Kg1 Rf8
{Erobert wenigstens einen Bauern, denn Weiss hatte nun nichts anderes als mit 30.De3 Dxf3 31.Dxf3 Txf3 in ein Turmendspiel mit Minusbauer einzulenken. Stärker als der Textzug ist allerdings 29...Dxf3.}
30.Qxc7
{?? Unglaublich fahrlässig. Mephisto Dallas scheint keine Gefahren zu kennen, denn nun geht die Partie für Weiss in wenigen Zügen den Bach runter.}
30...Qxf3
{Noch präziser war 30...Dg5 31.Kh2 Txf3 -+}
31.c5 Rf4
{Droht Matt in zwei Zügen; hier hätte man abbrechen können, denn Weiss muss die Dame geben, um das Matt zu verhindern.}
32.Qb8+ Kh7 33.Qxe5 Rg4+ 34.Qg3
{Verhindert das Matt, aber nach dem folgenden Zug 34...Txg3 aufgegeben. In dieser Partie hat Mephisto Dallas in entscheidenden Momenten einen hilflosen Eindruck hinterlassen. Insbesondere aufgefallen ist, dass das Programm die gegnerischen Gefahren schlicht nicht gesehen hat. Kurzum: ein enttäuschender Einstieg der Maschine in dieses Turnier.}
34...Rxg3+ 0-1
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Folgende 4 Benutzer sagen Danke zu applechess für den nützlichen Beitrag:
Egbert (13.01.2017), Mapi (13.01.2017), RetroComp (13.01.2017), xchessg (13.01.2017)
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