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  #1  
Alt 01.08.2009, 17:08
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A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

Hallo zusammen,
da ich schon gefragt wurde, warum es von Amsterdam bis Roma unterschiedliche Versionen gibt, habe ich mal meine alten Unterlagen und mein Gedächtnis durchforstet und möchte meine Erkenntnisse mal kundtun.

Was auffällt ist, daß es Versionen mit zwei oder vier EPROMs gibt, verschiedene Tastaurlayouts, welche mit Folie auf dem Rechenmodul und welche mit Metallabdeckung. Mit Stromanschluss und ohne.

Hier die Erklärung, die man vielleicht einmal in unsere Wiki einarbeiten kann.

Es beginnt mit dem Mephisto III als Version für Modular und Exclusivebrett. Diese Version hatte das erste Tastaturlayout der Modular Serie.

Auf der rechten Seite befinden sich zwei Tasten für den Standby Modus. Mit ihnen kann man den MM I schlafen legen und die Partie später fortsetzen. Was fehlt, sind die Reset Tasten, wie wir sie von späteren Modulen kennen. Für eine neue Partie musste das Gerät aus- und wieder eingeschaltet werden.

Dann kam der Mephisto Exclusive S ... oder auch Glasgow genannt.

Das Tastaturlayout sollte nicht verändert werden. Leider beherrschte der 68.000er die Standby Funktion nicht. Also wurde das Layout belassen und der Glasgow erhielt zwei schwarze Tasten auf der rechten Seite.

Da größere EPROMs teuer und nur schwer verfügbar waren, entschied man sich bei Hegener & Glaser für vier EPROMs mit je 16 KB.

Dieses WM Gerät war nur als Komplettverkauf (Brett mit Modulset) angedacht. Das "Exclusive S" war geboren. Warum?

Nun, die Begründung ist einfach: Die normalen Exclusivebretter waren schlicht nicht in der Lage, den erhöhten Strombedarf einer 68.000er CPU dauerhaft stabil zu befriedigen. Die Spannungswandler waren schlicht zu schwach.

Also hat man sich 1984 dazu entschieden, die WM Geräte (68.000er) nur komplett zu verkaufen. Zudem ließen sich so zusätzlich noch Produktionskosten einsparen: Alle Module benötigen exakt fünf Volt. Die Netzteile liefern jedoch zwischen acht und neun Volt, die dann mittels Spannungswandler im Board auf stabile fünf Volt reguliert werden.

Bei den "Exclusive S" Brettern hat man sich dann dazu entschieden, den Spannungswandler komplett zu streichen und lieber direkt ein hochwertigeres 5 Volt Netzteil zu liefern: Das 5004 war geboren: 5 Volt, 680 mAh.

Es verging ein Jahr und Hegener & Glaser musste erkennen, daß dem 1806 als CPU keine Zukunft gehört. Stattdessen würde man zukünftig auf die 6502 CPU als Standard setzen. Leider beherrschte auch diese CPU nicht die Standby Funktion des 1806. Also was tun mit den jetzt ungeliebten Tasten auf der rechten Seite?

18 Tasten sollten es auf jeden Fall bleiben ... Nun, eine Funktion, die bis jetzt nicht vorhanden war, bot sich als Rettung an: Die Reset Funktion. Da jedoch zwei Tasten "übrig" waren, ließen sich die Experten vom Marketing einen Dreh einfallen: Um einen "versehentlichen" Reset zu verhindern, muss man zwei Tasten gleichzeitig betätigen. Jetzt noch das Layout geringfügig verändern, sprich die Reset Tasten in die linke, untere Ecke und schon war das Problem elegant gelöst .... und nebenbei das Layout der nächsten Jahre war gefunden.

Als dann der Amsterdam an den Start ging, war dann die Situation wie folgt: Einerseits gab es noch fertige, unverkaufte Platinen für den Glasgow. Also wurden die EPROMs entsprechend umgebrannt, es wurden neue Aufkleber auf das Rechenmodul geklebt und das Komplettgerät Amsterdam war fertig. Ebenso ließen sich so alten Glasgow Versionen leicht auf den aktuellen Stand bringen.

Auf der anderen Seite wollte Hegener & Glaser auch die Kunden bedienen, die bereits ein Brett hatten und nur das Modulset wollten. Doch nach wie vor bestand das Problem, daß die vorhandenen Bretter Probleme mit dem Stromhunger der 16 Bitter hatten. Also entschloss man sich, in das Rechenmodul einen zusätzlichen Stomanschluss inkl. Spannungswandler zu verbauen. Besitzer der älteren Bretter konnten nun problemlos das Modulset in ihrem Brett über den Stromanschluss im Modulset betreiben. Dies war die Geburtsstunde des Netzteils 5004A: 9 Volt, 680 mAh (später weitere Versionen mit gleicher Bezeichnung).

Warum nun neun Volt, wenn doch das Modulset eigentlich mit fünf Volt betrieben wird? Nun, dafür gibt es verschiedene Gründe: Der Hauptgrund ist sicherlich der, daß man bei Hegener & Glaser durchaus schon plante, Spielbretter mit einer stärkeren Stromversorgung auf den Markt zu bringen. Dann konnte man die Modulsets mit dem 5004A wieder über die Seitenbuchse betreiben. Ein weiterer Grund könnte darin liegen, daß man aus Sicherheitgründen im Rechenmodul einen Spannungswandler verbaut hat. Warum? Na ja, so mancher Eigentümer hatte noch ein anderes Gerät in Besitz (auch damals gab es schon Sammler) ... und so konnte nicht viel passieren, wenn versehentlich ein falsches Netzteil angeschlossen wird.

Nebenher wurde für die Module mit Platinen aus neuer Produktion das neue Tastaurlayout (mit Reset Tasten) übernommen. Außerdem war es zu dem Zeitpunkt bereits günstiger, zwei EPROMs zu 32 KB zu verbauen, statt vier Exemplare zu 16 KB.

Dieses Platinen Layout wurde auch unverändert für alle produzierten Geräte von November 1985 bis August 1988 verwendet. Somit kann man problemlos beliebig die EPROMs austauschen, wie auch die Tastaturmodule.

Das zweite Layout ist folglich das "Ur Layout" vom Glasgow. Diese Platinen wurden bis Oktober 1985 hergestellt, dann mit einigen "Amsterdam Exclusive S" Geräten abverkauft, bis dann das neue Layout übernommen wurde. Allerdings existieren auch noch für Dallas und Roma "vier EPROM Versionen", die allerdings reine Updates dieser alten Geräte sind.

Was die Hardware betrifft, so gibt es noch eine Abweichung und Besonderheit bei den 32 Bit Versionen: Diese Module haben keine Stromversorgung im Rechenmodul und das Programm befindet sich auf einem EPROM. Auf die Stromversorgung am Rechenmodul hat man bewusst verzichtet, da diese Geräte ausschließlich als Komplettsysteme an den betuchten Kunden gebracht werden sollten. Als Bretter kamen hierfür wieder die bekannten "Exclusive S" und "München S" in Frage. Nachdem die Produktion der "S" Bretter eingestellt wurde, wurden die 32 Bitter dann mit "normalen" Brettern verkauft

So, ich hoffe, ich habe Euch mit meinem Ausflug in die Geschichte nicht allzu sehr gelangweilt ... vielleicht habe ich ja sogar die eine oder andere Frage beantworten können ....

Beste Grüße,
Sascha
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Geändert von Mythbuster (01.08.2009 um 17:49 Uhr) Grund: Fehler korrigiert .... und sprachliche Fehler vertrieben ...
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  #2  
Alt 01.08.2009, 17:54
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

Hi Sascha,

interessante Infos

danke

Gruß Bernhard (rodel)
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  #3  
Alt 01.08.2009, 17:59
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

Muss ich auch sagen, sehr schön zu lesen. Interessante Hardwarereise durch die Mephisto Schachcomputergeschichte.

Danke Sascha.
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  #4  
Alt 01.08.2009, 18:03
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

Gerne!

Ich habe noch etliche Geschichten ... ich weiß nur noch nicht, wie und als was ich sie verpacken soll ... vielleicht schreibe ich doch noch mal ein Buch über Computerschach(geschichte) ...

Gruß,
Sascha
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  #5  
Alt 01.08.2009, 18:37
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

Hi Sascha,

ja das wäre sogar eine interessante Idee,

mit Geschichten über unsere Turniere, etc....

und vielen Infos welche auch hier im Forum geboren

wurden, und und und, da würde es wohl viel zu schreiben

geben, und eine Menge Personen würden solch eine

Lektüre, wohl gerne zum lesen haben!!!

Gruß Bernhard (rodel)
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  #6  
Alt 01.08.2009, 18:37
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

 Zitat von Mythbuster Beitrag anzeigen
Gerne!

Ich habe noch etliche Geschichten ... ich weiß nur noch nicht, wie und als was ich sie verpacken soll ... vielleicht schreibe ich doch noch mal ein Buch über Computerschach(geschichte) ...

Gruß,
Sascha
Hallo Sascha,
die Aufmachung/Erzählung ist gut.
Erinnert doch wieder an der schönen, alten Zeit
Habe noch mal einige Fotos und eine Handaufzeichnung angehängt, alle werden es ja wohl nicht mehr kennen
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	Handaufzeichnung.jpg
Hits:	95
Größe:	46,3 KB
ID:	695  

Geändert von Elsie (28.02.2010 um 14:28 Uhr)
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  #7  
Alt 01.08.2009, 18:42
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

Hi,
nachgedacht über ein Buch habe ich tatsächlich schon ... ich habe sogar schon ein Script entworfen ... Material habe ich mehr als genug, es will nur in Form gebracht werden ... Ich sehe nur Probleme mit der Veröffentlichung: Das Zielpublikum ist vermutlich soooooo klein, daß sich kein Verlag finden würde, der es drucken und vertreiben will ...

Grüße,
Sascha


@Heinz: Danke für die Fotos!
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  #8  
Alt 01.08.2009, 22:03
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

 Zitat von Mythbuster Beitrag anzeigen
Hi,
nachgedacht über ein Buch habe ich tatsächlich schon ... ich habe sogar schon ein Script entworfen ... Material habe ich mehr als genug, es will nur in Form gebracht werden ... Ich sehe nur Probleme mit der Veröffentlichung: Das Zielpublikum ist vermutlich soooooo klein, daß sich kein Verlag finden würde, der es drucken und vertreiben will ...
Zumindest hättest du bestimmt kein Problem, genügend freiwillige Lektoren zu finden!

Schön zu lesender Beitrag übrigens!


Gruß,
Robert
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  #9  
Alt 01.08.2009, 23:35
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AW: A'dam - Roma: Geschichte der verschiedenen Hardware Versionen

 Zitat von Mythbuster
Ich sehe nur Probleme mit der Veröffentlichung: Das Zielpublikum ist vermutlich soooooo klein, daß sich kein Verlag finden würde, der es drucken und vertreiben will ...
Dafür ist "Books on Demand" die Lösung (nenne ich jetzt mal so als Überbegriff, obwohl es auch eine Firma gibt, die sich so nennt).
Hier gibt es eine kleine Übersicht mit Erfahrungsberichten:
http://www.wege-zum-buch.de/eingang.html

Empfehlenswert ist dabei als Anbieter Shaker Media http://www.shaker-media.eu/de/
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Grüße aus München
Manfred
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  #10  
Alt 01.08.2009, 23:53
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Hallo Manfred,
danke für die Links, das ist in der Tat interessant ... ich werde wirklich mal ganz ernsthaft in mich gehen, ob ich das Projekt nicht in Angriff nehme ... Material hätte ich genug ...

Gruß,
Sascha
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